Allgemeines: Der Pilz kann leicht von parasitärer auf saprobiontische Lebensweise umschalten und ist deshalb recht einfach züchtbar. Harzige Lackporlinge (Ganoderma resinaceum) sind auch in unseren Breiten zuhause, die nordamerikanische Version bildet aber keine Gelb- oder Orange-Töne,
sondern bleibt durchgehend rötlich-braun. Meine Namensgebung
"Model T" erfolgt als Hinweis auf den Fundort, im Ford-Werk Detroit
wurde der Klassiker "Model T" über 15 Millionen mal gebaut.
Der Name sessile deutet auf eine der markantesten Eigenschaften der Art,
der Pilz bildet keinen nennenswerten Stiel und ist in der Natur stets sehr fest
mit dem Stammholz verwachsen. Oft lassen sich Wildfunde nur mit der Axt
"ernten". Bei einer Indoorkultivierung entfällt dieses Problem, Fruchtkörper
lassen sich leicht aus dem vergleichsweise lockeren Substrat lösen.
Die Fruchtkörper enthalten vergleichsweise nur wenig Wasser und schrumpeln bei der Trocknung deshalb nur wenig. Eine Verarbeitung zu Tee, Pulver oder Tinkturen erfordert eine maschinelle Zerkleinerung, die die meisten einfachen Kaffeemühlen, Gemüseraspeln oder Küchenmaschinen nicht leisten können. Die Struktur der trockenen Fruchtkörper ist mit zähestem Kork zu vergleichen. Ein Pulver aus dem Pilz zu gewinnen, ist ohne industrielle Technik nur extrem aufwändig zu realisieren.
Zuchtverfahren: Gedeiht bereits gut bei moderaten Temperaturen um 15-18°C, kommt aber auch mit höheren Temperaturen bis 25°C zurecht.
Braucht nach erfolgter Fruchtbildung weniger Luftfeuchte als die meisten Zuchtpilze (80-85% RLf). G.sessile benötigt keine lange Einbrut- und Reifezeit, er fruchtet relativ schnell von ganz allein, wenn ihm die Bedingungen gefallen. Bei Beutelkulturen empfehle ich eine Öffnung an der Seite. Topfruiting im geschlossenen Zuchtbeutel
führt zu Antlern, wird der Beutel komplett geöffnet, entwickeln sich flache Hüte
(wie auf Bild#4 zu sehen), die schon bald mit einer heftigen Sporenproduktion beginnen.
Alle Reishis können problemlos abgeduscht werden, wenn der Kulturblock beginnt, auszutrocknen. Achten Sie jedoch besonders auf sich bildende Schimmelnester, wenn Sie Ihren Zuchtraum nicht hinreichend belüften können.
Tricks und Kniffe: Beste Ergebnisse erreicht man, wenn man den Pilz durch den Filter des Zuchtbehälters fruchten lässt, um nur einen einzigen Fruchtkörper zu erhalten. Dadurch bleibt die Kultur dauerhaft kontaminationsfrei. Auch das frühzeitige Wegbrechen von unerwünschten kleineren Fruchtkörpern führt zu einzelnen
großen Pilzen. Ein gewisser Anteil von Weizenstroh im Substrat erhöht
die Menge der gebildeten Wirkstoffe signifikant.
Ganoderma sessile besitzt einen stark ausgeprägten Hang zum Geotropismus.
Davon spricht man, wenn Pilze die Fähigkeit besitzen, ihr Wachstum nach der Schwerkraft auszurichten. Man weiß, daß sich solche Pilze nach dem Umfallen
ihres Wirtsbaums erneut an der Erdschwere oder dem Magnetismus ausrichten
und nach einer Zeit wieder horizontal wachsen. Ein unbedingter Vorteil,
damit bei Sporenreife die Nachkommenschaft auch wirklich lotrecht
aus den Röhren rieseln kann, ohne hängenzubleiben.
In der Zucht kann diese Eigenschaft jedoch problematisch sein. Wird die Kultur während der Einbrut, Reife und Fruchtung zuviel bewegt, kommt der Pilz durcheinander und fruchtet dann gern kopfüber oder bildet Poren an Stellen,
wo sie nicht hingehören. Auch die Art und Position der Lichtquelle
im Zuchtraum spielt für das Wachstumsverhalten eine Rolle.
Achtung: Pilz mit sehr hoher Sporenentwicklung!
Sporen dieses Pilzes können Beschwerden und Erkrankungen bei Mensch und Tier auslösen. Züchten Sie diesen Pilz besser nicht in Wohnräumen oder Stallungen. Halten sie zu Ihrer eigenen Sicherheit beim Anbau geeignete Schutzmaßnahmen ein und ernten sie den Pilz vor der Sporenbildung.