Was genau ist eigentlich Reishi?

Was ist eigentlich Reishi Reinkulturen Ganoderma lingzhi Ganoderma multipileum Ganoderma formosanum Pilzzucht Vitalpilze

Kaum ein Begriff sorgt bei Pilzfreunden, Züchtern und Interessenten für mehr Verwirrung als "Reishi". Der Begriff ist nicht geschützt und wird regelmäßig irreführenderweise für verschiedene gelbe und rote Arten von Lackporlingen (Ganoderma) verwendet. Viele Händler von Pilzkulturen und Pilzprodukten nennen ihre Produkte Reishi, meist ohne präzise sagen zu können, welche Pilzart genau sie denn überhaupt vertreiben. 

Selbst Seiten wie Wikipedia Deutschland und sogar renommierte Lehrseiten verbreiten die veraltete Annahme, mit "Reishi" sei der Glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum)  gemeint. Sie suggerieren damit, dieser würde auch in Fernost wachsen und dort seit 4000 Jahren hochverehrt. Aber dem ist nicht so, wie man seit ein paar Jahren weiß. Glänzende Lackporlinge sind eine vorwiegend europäische Art,  "Reishi" ist aber ein japanisches Wort, und in Japan kommt oder kam G.lucidum nie natürlich vor.

In der gesamten alten asiatischen Heilkunst wird der Geschmack echter Reishis zudem als "sehr bitter" beschrieben. Tatsächlich erhalten Sie in chinesischen oder japanischen traditionellen Kräuterapotheken keinen Reishi, der nicht wirklich richtig bitter ist. Der oft als Reishi betitelte Glänzende Lackporling ist hingegen so gut wie gar nicht bitter.

Nach neuerer wissenschaftlicher Einschätzung kommen für originalen Reishi, wie er bereits vor 2000 Jahren in der Literatur der Han-Dynastie in China als "Ling-Zhi" beschrieben worden ist, deshalb eher mehrere andere Arten der Gattung Lackporlinge (Ganoderma) in Frage. 

In erster Linie ist das eine Art, die aus Referenzgründen seit 2012 als Ganoderma lingzhi bezeichnet wird. Ein Bild dieses Pilzes sehen Sie oben. Auch weitere in Fernost wild wachsende Arten wie Ganoderma sinense/formosanum, G.multipileum, G.sichuanense und G.neo-japonicum werden von Fachleuten als "originaler" Reishi eingestuft. Alle diese Arten schmecken sehr bitter.

Der nur in Europa und Vorderasien und neuerdings auch in den USA (durch Zuchtbetriebe eingeschleppt) wachsende G.lucidum zählt hingegen nicht zu den Pilzen, die als Reishi bezeichnet werden sollten, obwohl er ebenfalls wirkstoffhaltig ist. Gleiches gilt für weitere in Europa wachsende Arten, wie z.B. dem harzigen Lackporling (G.resinaceum), dem walisischen Lackporling (G.valesiacum), dem kupferroten Lackporling (G.pfeifferi) und dem dunkelen Lackporling (G.carnosum).

Auch die in Nordamerika wachsenden roten und gelben Arten wie G.oregonese, G.tsugae oder G.curtisii, die mittlerweile zu den nächsten Verwandten der asiatischen Arten gerechnet werden, zählen streng genommen nicht dazu, obwohl ihnen eigentlich ein Platz im erlauchten "Club der echten Reishi"  zusteht. Keine der europäischen und amerikanischen Arten ist allerdings wirklich so bitter wie die asiatischen Arten.

Alle Ganoderma-Arten bilden einzigartige chemische Verbindungen, die man in Asien als tonisierend einschätzt, in der TCM gilt einzig Reishi als dem Ginseng ebenbürtig. Die höchste Konzentration an wirksamen Gehalten findet sich aber tatsächlich in den Arten, die ich hier als "Original-Reishi" vertreibe. 

Die Huldigungen, die man dem Pilz bereits im antiken China erwies, sprechen für sich. "Pilz des ewigen Lebens" nannte man ihn schon damals. Der Fund wilder Exemplare musste dem Dorfschulzen übergeben werden, dieser musste ihn dann in die "Verbotene Stadt" weiterschicken. Der Genuß des Pilzes war viele hunderte 
Jahre lang nur der Kaiserfamilie vorbehalten. Züchter des Pilzes (erste Zuchterfolge gab es bereits vor 1500 Jahren) waren somit automatisch Bedienstete des Kaiserhofes und mussten deshalb auf der Straße freundlich gegrüßt werden. Verweigerer dieser Würdigung mussten mit einer "Umerziehung" durch ein paar Stockhiebe des Dorfpolizisten rechnen.

Gerne stelle ich Ihnen hier diesen Link auf eine Laboranalyse meiner beiden Hauptlinien, dem europäischen glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) und dem chinesischen Lackporling (Ganoderma lingzhi) zur Verfügung. 
In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird explizit auf die markanten Unterschiede der beiden Pilzarten eingegangen und auch der geschichtliche Hintergrund der jahrezehntelangen Fehleinordungen der Arten beleuchtet. Auf die unterschiedlich hohen Gehalte an Triterpensäure wird deutlich hingewiesen.

Oft übrigens findet sich in Pilzprodukten vieler Händler tatsächlich "echter" Reishi, weil man in China meist G.lingzhi oder G.multipileum produziert und nicht den europäischen G.lucidum. Wegen der Verwirrung über die Begrifflichkeit und der  Anhaftung an veraltete Namenskonventionen bezeichnen viele Händler diese Produkte aber dann fälschlicherweise als G.lucidum. Andererseits werden Produkte aus europäischer Produktion, die tatsächlich ausschließlich G.lucidum enthalten, regelmäßig als "Reishi" vermarktet.

Jüngst durchgeführte amerikanische Laboruntersuchungen von Reishi-Produkten unterschiedlicher Provinienzen lieferten ein erschreckendes Bild über die am internationalen Markt erhältliche Qualität. Viele der getesteten Produkte enthielten nur Spuren des Pilzes, oft wurde bestenfalls industriell im Bioreaktor erzeugtes Myzel oder durchwachsenes (und danach vermahlenes) Getreide verwendet, keine echten Fruchtkörper. Meist handelte es sich bloß um sprühgetrocknete Extrakte aus wässrigen Auszügen des Pilzes. Oft waren die Produkte sogar mit Pulvern
anderer Pilze oder sogar Streckmitteln wie Milchzucker verfälscht.

Lassen Sie sich nicht von angegebenen Beta-Glukan-Gehalten täuschen, wenn Sie Pilzprodukte einkaufen. Solange diese nicht eindeutig als vom Pilz stammend spezifiziert wurden, sind solche Aussagen nichts wert. Getreide enthält nämlich auch Beta-Glukane. Ein einfacher Jodtest beweist Ihnen, ob überhaupt nennenswerte Mengen der wertvollen Stoffgruppe im Produkt vorliegen.

Als Faustregel für eingekaufte Extrakte und vermahlene Fruchtkörper vom Reishi gilt: Je bitterer, desto besser. Wenn ihr Produkt eher süß und wenig bitter ist, haben Sie nur mäßig starke Qualität erworben.
Oftmals enthalten solche Produkte nur den (im direkten Vergleich) minderwertigen Ganoderma lucidum. Wenn Sie sich ganz sicher sein wollen, wirklich originalen Reishi in der Tasse oder Kapsel zu haben, züchten Sie diese Arten einfach selber zuhause.

Mit allen Reishiarten können Sie leicht eine große Menge Biomasse gewinnen, auch wenn sie keine Fruchtkörper wachsen lassen wollen oder können. Füttern Sie den Pilz mit feinstem Biogetreide und trocknen/vermahlen/verkapseln Sie den "Pilzkuchen", den Sie dann erhalten. Wenn sie die Hygienevorschriften strikt einhalten, gewinnen Sie ein Pulver, welches mit Leichtigkeit die meisten am Markt angebotenen Produkte übertrifft. Wenn Sie noch fein vermahlene (und Sporen enthaltende) Fruchtkörper beimischen, erhalten Sie einen lagerfähigen Pilz-Extrakt der Extraklasse.

Als Tee aufgegossen entfaltet jeder Reishi ein herbes, bitteres und oft auch erdiges und holziges/harziges Aroma. Manche Arten machen einen eher hellen, mäßig bitteren Auszug, andere sind generell dunkler oder bitterer. Eine Kombination im Tee, zusammen mit Chaga und dem Birkenporling, gilt einem Pilzfreund aus Friesland als Lebenselixier. Andere schwören auf ein selbstgebrautes Bier, welches mit Reishi anstatt Hopfen gebittert wurde.

Einen optimalen Aufschluß der Wirkstoffe erreicht man allerdings erst mit einem Verfahren, bei dem auch die fettlöslichen Triterpene erfasst werden. 

Eine Dreifach-Extraktion aus Heißwasserauszug, alkoholischem Auszug und "Frischsaft" (aus kaltem Wasserauszug, um auch die hitzelabilen Wirkstoffe zu extrahieren) scheint die beste Methode für Selbstversorger mit hohem Anspruch und entsprechendem Bedarf, sich ein hochkonzentriertes und lagerfähiges Produkt zu erzeugen.