Substratrezepturen 

       für die Hobbypilzzucht


Lesezeit (ohne angehängte Rezepte) ca. 30 Minuten

Gut funktionierende Pilzsubstrate sind der Schlüssel zu hohen Erträgen, ihre Herstellung ist aber schon lange keine Weltraumforschung mehr. Professionelle Firmen hüten Ihre besonders erfolgreichen Rezepte trotzdem häufig als Betriebsgeheimnis.

Durch die enormen Fortschritte in der Pilzzucht während der letzten 15 Jahre und die heutzutage leichtere Verfügbarkeit der Rohstoffe (wie pelletiertes oder "Bio"-zertifiziertes Ausgangsmaterial) und hilfreicher Dinge wie Flüssigmyzel, Pilzzuchtbeuteln, Dampfdrucktöpfen, Balkensieglern etc. ist es aber mittlerweile jedem Züchter möglich, auch aus ganz einfachen Zutaten schlagkräftige Substrate und fruchtungsstarke Fertigkulturen herzustellen, auf denen sich sowohl schnelle Besiedelungszeiten als auch hohe Erträge realisieren lassen.

Ich erkläre Ihnen hier zuerst, wozu Pilzsubstrate dienen, woraus sie bestehen, wie sie behandelt werden müssen und was Sie bei der Wahl Ihrer Rohstoffe beachten sollten. Sie können hier lernen, wie Sie ganz einfache Pilzsubstrate, aus denen nur wenige Wochen später die ersten Pilze sprießen, ohne jede Vorkenntnisse und ohne jedes sterile Equipment quasi auf dem Küchentisch erzeugen können.
Ich verrate Ihnen aber auch, wie Sie sterile Substrate herstellen, auf denen teuerste Edelpilze wachsen.

Ich lade Sie herzlich ein zu dieser Einführung, die hoffentlich nur wenige Fragen offen lässt. Auf dem Weg zu einem perfekten Substrat gibt es diverse Fallstricke, die ich Ihnen gern ersparen möchte.

Im angehängten Rezeptteil finden Sie vielfach bewährte Substratmischungen, abgestimmt auf die Eigenschaft der jeweiligen Pilzart.

In meinem Shop erhalten Sie die angesprochenen Substratanteile und Zuschläge.
Versandkostenzuschläge für schwerere Pakete gibt es bei mir nicht, 
das gilt auch für Sendungen ins europäische Ausland.


Einführung

  • Funktion und Aufbau eines Substrats
  • Pflanzliche Rohstoffe
  • Wasser/ Feuchtegehalt
  • Zuschläge
  • Brutmaterial
  • Behandlung, Mischung, Verarbeitung
  • Wichtige andere Parameter (Hygiene, Ph-Wert, C/N Verhältnis, Struktur, Atemfähigkeit)
  • Entkeimungsverfahren und deren grundlegende Unterschiede


Rezeptteil

  • Substrat für die meisten schnellwachsenden Holzzersetzer
  • Substrat für Parasiten wie Kräuterseitlinge, Edelporlinge und andere Starkzehrer
  • Substrat für genügsame Totholz-Zersetzer
  • Substrat für bodenlebende Streuzersetzer
  • Substrat für Seitlinge auf Pelletbasis
  • Deckerde/ Casing für bodenlebende Pilze



1. Funktion des Substrats

Bei der Anzucht von Pilzen ist "Substrat" eines der Schlüsselworte überhaupt, und nicht umsonst. Wenn echte Mykologen darüber reden, meinen sie damit tatsächlich den Stoff, aus dem die Pilze wachsen, ihr Futter und ihr Wohnzimmer sozusagen.
Das können sturmgebrochene Jahrhunderteichen sein oder vermorschte Fichtenstumpen. Feuchte Holzbalken in der Garage, auf denen handgroße Becherlinge sprießen. Kuhfladen, auf denen Pilze fruchten, mit denen man Jesus treffen kann. Oder der krümelige Laubkompost in der Gartenecke, der den schicken Rötelritterlingen als neue Heimat dient. Alles das nennt sich Substrat.

Wir als Züchter meinen damit allerdings eher unser künstliches Komposit aus mitunter dutzenden von Anteilen, welches wir den Kandidaten vorsetzen. Bei der Wahl der Rohstoffe orientiert man sich idealerweise an dem, was der jeweilige Pilz in der Natur bevorzugt und versucht, das im Rezept entsprechend nachzuahmen oder sogar noch zu verbessern.

Viele Arten fruchten auf künstlichen Substraten tatsächlich erheblich besser als in der Natur. Auch deshalb, weil wir dem Pilz alle unerwünschten bakteriellen, pilzlichen oder tierischen Mitesser fernhalten und ihm einen perfekteren Lebensraum bieten können, als er ihn draußen je vorfinden würde. Tatsächlich liegt das bessere Wachstum auf künstlichen entkeimten Substraten aber nicht nur in dem Fehlen jeglicher Konkurrenz oder der Bereitstellung idealer Wachstumsbedingungen begründet.

Die entscheidenden Trümpfe sind die bessere Belüftung des Substrats und (bei entsprechenden Verfahren) die Möglichkeit, ihm schnell verfügbares Kraftfutter anzubieten, für das er sich nicht erst lange anstrengen muss, und das er in der Natur häufig gar nicht zur Verfügung hat. Durch den besseren Luftaustausch bei der Zucht auf künstlichen Substraten in Beuteln oder Gläsern kann der Pilz das abgeatmete Kohlendioxyd schneller loswerden, welches er bei der Umsetzung der Rohstoffe produziert und welches sonst das Myzelwachstum eher begrenzt.

Die bessere Luftabfuhr in offenporigen Substraten in Kombination mit Kraftfutter und kontrollierbaren Klimabedingungen gibt seinem Stoffwechsel den gewissen Extrakick und ist der Garant für schnelles Wachstum und reiche Fruchtbildung. Schnell durchwachsende (weil gut belüftete) Substrate entwickeln mitunter eine heftige Eigenwärme, ein deutliches Zeichen, daß der Pilz "gut im Futter" liegt. Der gesamte Wachstumszyklus verkürzt sich durch die angeführten züchterischen Maßnahmen (im Vergleich zur Natur) dramatisch, eine Fruchtbildung erfolgt bei manchen Arten bereits nach 14-20 Tagen.


2. Pflanzliche Rohstoffe

In der Natur besiedeln Pilze pflanzliche Rohstoffe unterschiedlicher Zersetzungsgrade. Als hungrigste Arten gelten die aggressiven Parasiten, die sich über vorgeschwächte, aber auch völlig gesunde Bäume hermachen, sobald eine Verletzung Gelegenheit bietet. Parasiten sind gleichzeitig oft pionierhafte Primärzersetzer, die in der Natur ihren vorgeschwächten Wirt zuerst anzapfen und dann auffressen, und sich sofort über umgestürzte Bäume oder abgesägte Stümpfe und Stämme hermachen. Solche Arten gelten meist als leicht züchtbar, weil Sie auch andere Rohstoffe schnell besiedeln und beigefügtes Kraftfutter dankend verwerten. Paradebeispiele sind die Gattungen der Seitlinge, der Stachelbärte und der Lackporlinge. Auch Hallimasche, Spaltblättlinge oder andere gefürchtete Forstschädlinge gehören zu dieser Gruppe.

Dann gibt es Arten, die sich in der Natur  bevorzugt über Holz oder pflanzliche Rohstoffe hermachen, welches schon mehr oder weniger von anderen Pilzen oder Mikroorganismen vorzerlegt wurde. Diese Arten brauchen oft etwas länger zur Einbrut, gelten aber als robust, lassen sich noch verhältnismäßig leicht auf reinen Holzsubstraten erzeugen und vertragen oft auch rohes Stroh oder Anteile davon.
Zu diesen Arten zählen genügsame Holzzersetzer wie die Träuschlingsverwandten (Nameko, Chestnut, Kulturträuschling, Stockschwämmchen) aber auch die Familie der Sägeblättlinge (Shii-take, Riesensägeblättling, Getigerter Sägeblättling). Champignons, Ritterlinge, Parasole und andere bodenlebende Streuzersetzer gehören ebenfalls in diese Kategorie, diese verarbeiten aber lieber Kompostsubstrate auf Strohbasis.

Andere Arten haben sich im Laufe der Evolution auf bestimmte Substrate spezialisiert, siedeln nur in einer extrem kleinen Nische oder sind häufig auf die Mithilfe von Bakterien oder anderer Pilze angewiesen. Morcheln, Schwindlinge, Eichhasen, Zitterlinge, Bovisten und sämtliche Tertiärzersetzer zählen zu dieser Kategorie, diese sind allesamt nur sehr schwer zur Fruchtkörperreife zu bringen, da sie stammspezifische Substrate und Verfahren benötigen.

Zuchtpilze werden grob in 4 Gruppen zusammengefasst: Parasiten, Primärzersetzer, Sekundär/Tertiärzersetzer und Mykorrhizapilze. Während sich letztere durch ihre symbiotische Lebensweise stark von ersteren unterscheiden (und nicht so leicht mit herkömmlichen Methoden zu erzeugen sind) ist der Unterschied zwischen Parasiten, Primär- und Sekundär/Tertiärzersetzern eher fließend, was die Substratwahl angeht.

Diverse bodenlebende Streuzersetzer wie bestimmte Champignons, Schopftintlinge oder Träuschlinge, die in der Natur eigentlich ein von Bakterien oder anderen Pilzen "vorzelegtes" Futter bevorzugen, lassen sich sehr gut auch auf hoch aufgewerteten sterilen Holz/Strohsubstraten erzeugen, Austernpilzen wiederrum kann man nach einem gewissen Training auch sterile Kompostsubstrate vorsetzen, Erträge sind nur geringer. Kräuterseitlinge, die als knallharte Parasiten gelten, fressen auch Substrate mit hohen Anteilen an Weizenstroh.

Im Prinzip besteht nahezu jedes Pilzsubstrat aus pflanzlichen Anteilen. Holzspäne und Stroh verschiedener Nutzpflanzen wie Getreide, Leguminosen, Ölsaatpflanzen oder Gräsern wie Miscanthus, aber auch Torf, Kaffeesatz, Kokosfasern oder sogar Altpapier sind gängige und leicht verfügbare Rohstoffe, die nach einer Befeuchtung die Hauptgrundstoffe liefern, die der Pilz zum Wachstum braucht.

Vornehmlich sind das Lignin und/oder (Hemi)-Zellulose, aus denen der Pilz (vereinfacht ausgedrückt) seine Hauptbausteine Kohlenstoff und Stickstoff gewinnt. Weitere Haupt- und Sekundärnährstoffe wie Phosphor, Kali, Mineralien, Vitamine und Spurenelemente sind in pflanzlichen Rohstoffen zwar enthalten, mit geeigneten Zuschlagsstoffen wirkt man einer eventuellen Unterversorgung, hervorgerufen durch die optimierten Bedingungen, aber gezielt entgegen. Nur auf einem mit allen benötigten Stoffen ausreichend ausgestattetem Substrat ist gewährleistet, daß die Pilze am Ende auch einen höheren Nähr- und Genußwert besitzen, als auf einem Minimalsubstrat oder in der Natur gewachsene.

Professionelle Züchter achten darauf, daß neben der richtigen Mischung auch die Struktur des Substrates stimmt. Zu feines oder zu grobes Ausgangsmaterial ist als Alleinzutat meist nicht geeignet. Das Substrat soll möglichst viel Wasser aufnehmen können, schnell besiedelbar sein, aber gleichzeitig nach Vollbesiedelung auch gut atemfähig bleiben. In der Praxis wird das erreicht, indem man verschiedene Graduierungen an Rohsubstraten einsetzt.

Beispielhaft angeführt sei mein Standard-Rezept für Holzzersetzer, welches Sie weiter unten in der Rezeptabteilung finden. Die Zusammensetzung aus ganz feinen, mittelfeinen und leicht gröberen Anteilen ermöglicht dem Pilzmyzel eine schnellere Ausbreitung als auf Substraten, die nur aus zu feinen, leicht vermatschenden Inhalten wie Heizbriketts, ganz feinem Sägemehl oder Strohpellets bestehen. Bei solchen Substraten beobachtet man oft, daß der Pilz nur zögerlich durchwächst, Grund ist die zu hohe Dichte des Substrats und damit das Fehlen von Sauerstoff. Diesem Effekt kann man natürlich begegnen, indem man den Wassergehalt reduziert.
Zu trockene Substrate wiederum verweigern Höchsterträge.

Auch die Verwendung von ausschließlich grobem Material ist problematisch. Die Wasseraufnahme ist nur gering und der Pilz muß auf den groben Anteilen "lange Wege gehen". Direkte Folge: Langsame Besiedelung und später ein vorschnell austrocknendes Substrat.


3. Wasser/Feuchtegehalt

Beachten Sie bitte immer die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Arten bezüglich der Substratfeuchte. Nicht alle Arten vertragen ein voll gesättigtes Substrat. Nährböden mit einem Feuchtegehalt von unter 50% funktionieren meistens nicht vernünftig, weil sie schon während der ersten Fruchtung zu trocken werden. Substrate mit Werten über 66% Feuchte sind nur mit bestimmten Materialien oder Mischungen realisierbar, sie sind kniffliger zu händeln und werden nur für einige wenige Arten benötigt.

In der Regel gilt eine Befeuchtung bis zur sog. "Feldstärke" für viele Arten als optimal. Mit Feldstärke ist gemeint, daß soviel Wasser wie möglich enthalten ist, ohne daß es sich absetzt/herausläuft. Man will die Wasserhaltekraft der Rohanteile voll ausnutzen. Bei der Verwendung verschiedener Graduierungen an Rohstoffen, so wie ich sie in meinen Standardrezepten empfehle, erreichen Sie die Feldstärke bei einem Wassergehalt von ca. 63-65%, dieser Wert gilt als ideal für die meisten Zuchtpilze.

Die einfachere Methode besteht darin, den Ausgangsstoffen in einer Wanne nach und nach Wasser zuzuführen, bis eine optimale Sättigung erreicht ist. Eine genaue Anleitung dazu finden Sie im "Standardrezept für Holzzersetzer". Machen Sie grundsätzlich vor der Abfüllung immer den "Schneeball-Test". Wasser darf keines herauslaufen, egal wie stark sie pressen.

Leider bleiben spätere Experimente mit verschiedenen Feuchtegehalten wenig aussagekräftig, solange Sie den Wert nicht genau ermittelt haben bzw. bestimmen können. Trotzdem reicht natürlich das Festhalten der verwendeten Mengen für eine Wiederholbarkeit des Rezeptes mit gleichem Feuchtegehalt völlig aus. Notieren Sie sich das Gesamtrezept und die ermittelte Wassermenge immer ganz genau, damit beim nächsten Mal die Wassermenge auf Anhieb stimmt.

Gerade bei größeren Substratmengen ist eine Überwässerung oft ärgerlich, weil man weitere Trockenanteile hinzufügen muß, auch wenn man das ablaufende Wasser wieder entfernt. Dann passt die Substratmenge später nicht mehr in den Kessel. Frieren Sie das überschüssige Material einfach ein, um es nicht zu verschwenden, falls Sie es nicht unmittelbar weiterverarbeiten können.

Die präzisere, aber leider etwas umständliche Methode, um den benötigten Wassergehalt eines Substrats schon im Vorwege zu ermitteln, besteht darin, zuerst den Feuchtehalt der Rohstoffe zu ermitteln, um am Ende mit Dreisatz und Taschenrechner herauszufinden, wieviel Wasser Sie zu den Rohstoffen geben müssen. Die Restfeuchte ihrer Rohstoffe muß bei der Ermittlung der Wassermenge mitgerechnet werden! Oft reicht eine ungefähre Ahnung (z.B. bei nur ganz kleinen Mengen) oder die Zuhilfenahme von Tabellen.

Den genauen Wert erhalten Sie, wenn Sie eine bestimmte Menge des Rohstoffs ofentrocknen und so den Wasserverlust ermitteln. Legen Sie 100 Gramm des Materials zugrunde und wiegen nach der Trocknung erneut. Wenn das Material jetzt nur noch 90 Gramm wiegt, hatte ihr Ausgangsmaterial eine Feuchte von 10%. Die meisten in der Pilzzucht verwendeten Rohstoffe wie trocken gelagertes Sägemehl oder Stroh(pellets) enthalten 8 bis 15 Prozent Wasser.

Der Vorteil dieser umständlichen Methode ist ein künftig leichteres Ermitteln der Wassermenge, wenn Sie die Substratanteile oder deren Gehalt verändern. Wenn Sie in einer Liste die Restfeuchte ihrer Rohstoffe festhalten, fällt die spätere präzise Befeuchtung leichter. Deshalb gerade für Anfänger zu empfehlen.

Als Fortgeschrittener können Sie bald auf umständliche Rechenarbeit verzichten, weil Sie nach und nach mehr Gefühl bekommen, wie sich ein optimal befeuchtetes Substrat anfühlt oder anhört. Profis erkennen den perfekten Feuchtegehalt bereits am Klang beim Schneeballtest. Gehen Sie beim Pressen mal ganz nah an ihr Ohr:
"Leicht schmatzend" ist vielleicht die beste Beschreibung für das Geräusch.

Schlaue Hobbyzüchter verwenden übrigens gern das Kochwasser von Getreide, Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Gemüse zur Befeuchtung ihres Substrats. Aus dieser Suppe holen sich die Pilze die oftmals noch reichlich verfügbaren Nährstoffe heraus.


4. Zuschläge

Bei verschiedenen Substraten erfolgt als dritte mögliche Zutat noch ein Zuschlag mit nahrhaftem, schnell verfügbarem Kraftfutter. Stärke und Zucker aus Getreide bieten leicht verfügbare, hochkonzentrierte Kohlenstoffverbindungen, die ihm ermöglichen, direkt "aus dem Vollen zu schöpfen", ohne seine gesamte Energie mit der schwerer zu knackenden Zellulose oder dem Lignin verschwenden zu müssen.

Schnell verfügbare Aminosäuren aus Hanf, Luzerne oder Soja beschleunigen die Fähigkeit, eigene Proteine zu bilden, ein wichtiger Aspekt für ein möglichst nahrhaftes Endergebnis.

Zutaten wie Urgesteinsmehl liefern Mineralien und Spurenelemente. Der häufig auch als Zuschlagstoff geführte Kalk kann zur absichernden Versorgung mit Calcium dienen, hauptsächlich wird er zur Ph-Pufferung eingesetzt. Seine Wichtigkeit wird in der Hobbyszene aber überbewertet, da die meisten Zuchtpilze auch völlig ohne Kalkzugabe bestens klarkommen und bei manchen Arten durch zu reichliche Zugaben davon die Fähigkeit zur Fruchtbildung eingeschränkt oder sogar ganz blockiert wird. Reines CaCo³ eignet sich am Besten, perlierter Rasenkalk ist auch geeignet, wenn er nicht zuviel Magnesium enthält. Kalk sollte zur Verwendung in Substraten immer in Wasser vorgelöst werden.

Diverse pflanzliche Nebenerzeugnisse oder Abfallprodukte der Lebensmittelindustrie können als Zuschlag oder Substratanteil Verwendung finden. Fortgeschrittene Züchter sind zurecht geizig mit wertvollen Zutaten, greifen lieber auf billige, leicht verfügbare lokale oder regionale Stoffe mit verlässlichen Qualitäten zurück und passen sich bei der Wahl ihrer Zuchtpilze eher an das möglichst günstige Substrat an als umgekehrt.

Die Menge der Zuschläge gilt allgemein als variabel, viele Zuchtpilze können regelrecht gemästet werden, es gibt aber auch Ausnahmen. Ein stark angereichertes Substrat führt in der Regel zu besserer Performance der Kultur bei der ersten Erntewelle und zu einem höheren Nährwert der Pilze, aber nicht bei allen Arten automatisch auch zu mehr Endertrag.

Getreide, Kleie, andere hochkalorische Zuschläge, grüne Anteile und Mist enthalten viel Stickstoff. Ein ausgewogenes Verhältnis zum Kohlenstoff aus den Rohanteilen ist aber wichtig für eine gesunde Myzelentwicklung, auch bei Parasiten.
Stark aufgewertete Substrate bergen zudem ein größeres Risiko der nachträglichen Verkeimung während der Fruchtung, speziell durch Schimmel und Bakterien.

Für Holzzersetzer gilt folgende Faustregel: Je parasitärer der Pilz in der Natur lebt, desto mehr Kraftfutter verträgt er in der Zucht. Seitlinge, Stachelbärte und Reishis sind allesamt Starkzehrer, die von hohen Zuschlägen profitieren. Langsam wachsende Holzzersetzer wie Schüpplinge, Sägeblättlinge oder Stockschwämmchen leben nicht unbedingt parasitär, sondern sind eher Zersetzer. Bei denen ist zuviel Kraftfutter fehl am Platz, oft gedeihen solche Arten besser auf Substraten ohne viel Zuschläge.

Für einen guten Zuchterfolg sind die Einhaltung der Hygienerichtlinien und Kulturparameter aber wichtiger als ein aufwändig "aufgemotztes", komplexes Substrat. Wenn Sie nicht bereits mit einfachstem Substrat ohne (oder mit nur wenig) Zuschlägen ein gutes Ergebnis erzielen, optimieren Sie zuerst die Zuchtbedingungen. Oft sind unzureichende Substratentkeimung, mangelnde Feuchte, zu wenig Luftaustausch und Luftbewegung im Zuchtraum, Impffehler, ein degenerierter Zuchtstamm oder überlagertes Brutmaterial die eigentlichen Gründe für einen ausbleibenden Höchstertrag.
 
Experimente mit hoch aufgewerteten Substraten machen erst Sinn, wenn Sie sicher sauber arbeiten können und gelernt haben, wie sich die Art/Sorte während der Kultur entwickelt und wann genau Sie die Kulturen in die Fruchtung überführen. Ohne das Wissen, wie Sie einen optimalen Pinset erzeugen, werden Sie womöglich überfordert sein. Dann bekommen Sie vielleicht hunderte von Primordien, von denen die meisten aber eingehen. Oder Ihr Myzel "schäumt" derart über, daß sich ohne weitere Hilfsmaßnahmen gar keine Fruchtkörper entwickeln. 

In der Praxis verwendet man stark angereicherte Substrate, um einen sehr guten ersten Flush zu bekommen. Viele Züchter wollen keine (meist unvermeidbare) nachträgliche Verkeimung der Kultur bei langer Laufzeit und räumen die Kulturen spätestens nach dem  zweiten Flush ab.

Als Zuschläge kommen alle Arten von Getreide in Frage, die auch für die menschliche und tierische Ernährung geeignet sind. Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Mais, Hirse und Reis können verwendet werden, auch Saaten von Gräsern oder "exotische" Getreidearten wie Amaranth funktionieren. Je feiner gemahlen Sie das Getreide zusetzen, desto kräftiger die Wirkung auf die erste Welle. Ganze Körner sind für Kulturen, von denen Sie Folgewellen erwarten, aber besser geeignet, da sie als Langzeitdepot dienen. In der Praxis reicht sorgfältig getrocknetes und später eingeweichtes und püriertes Altbrot für viele Arten aber völlig aus.

Diverse Neben- oder Abfallprodukte der Agrar- und Lebensmittelindustrie sind ein guter Teil-Ersatz für teures Getreide. Luzerne, Zuckerrübe und Soja können Ergebnisse liefern, die durchaus mithalten können, für einige Arten sind solche Zuschläge sogar besser geeignet. Märkte für Landwirte bieten manche Überraschung, Pferde- oder Geflügelzüchter verwenden genau das, 
was auch Pilze bevorzugt verdauen. 

Beachten Sie bitte folgende Grundregel für Zuschläge aller Art: Wenn Sie Ihr Substrat nur pasteurisieren möchten oder können (unter drucklosem Dampf/ in der Mikrowelle/ durch einfaches Überbrühen der Rohstoffe) verzichten Sie auf Zuschläge durch Getreide, Kleie, Luzerne, Leinsaat etc. und ersetzen Sie diese durch einen entsprechenden Anteil an Körnerbrut.

Nicht vollständig sterilisierte Substrate dürfen nur sehr vorsichtig mit energiereichen Zuschlagstoffen ergänzt werden, Vollzuschläge z.B. mit Getreide gelten als riskant. Nur ausreichend lange bei 121° C und entsprechendem Überdruck sterilisierte Substrate können mit hohen oder sehr hohen Zuschlagsmengen versehen werden. Solche vollsterilen Substrate müssen später aber auch zwingend unter Sterilbedingungen beimpft werden.

Kalk und Gips werden von vielen Züchtern in einer Konzentration von 1% beigegeben,
beide Stoffe zählen streng genommen nicht als Zuschlagstoffe, sondern dienen lediglich als Ph-Puffer, um das Substrat nicht zu sauer zu halten. Nach meinem Verständnis ist Gips aber nur für ganz wenige Arten nötig, Sie können komplett darauf verzichten, wenn Sie Austernpilze und Konsorten züchten wollen. Auch die Zugabe von Kalk ist eigentlich nur für langsam wachsende Arten nötig.


5. Brutmaterial


Der vierte und eigentlich wichtigste Anteil wird dem Substrat erst beigemischt, nachdem es einer Entkeimung unterzogen wurde und es entsprechend abgekühlt ist. In der Praxis sind das meist Getreidekörner, dann spricht man von Körnerbrut. Die Herstellung von Körnerbrut aus meinen Flüssigbruten erkläre ich Ihnen hier...

Brutmaterial auf Basis von Sägespänen oder anderen Materialien, Substratbrut genannt, ist billiger in der Herstellung und durch die feine Struktur hervorragend geeignet, liefert aber wiederrum kein Extrafutter wie Körnerbrut. Für unsterile Verfahren, in denen keine Zuschläge erlaubt sind, ist die alleinige Verwendung von Substratbrut zwar gut möglich, bei der Verwendung von Körnerbrut erzielen Sie jedoch einen deutlich höheren Ertrag. Substratbrut findet deshalb eine bevorzugte Anwendung bei der Anlage von Beetkulturen im Aussenbereich. Dort möchte man wegen der Problematik mit Nagern und anderen Schädlingen keinerlei Körner ausbringen.

Dübel finden Anwendung zur Beimpfung von Stammhölzern. Leider ist die am Markt erhältliche Qualität oft ziemlich fragwürdig, die Erfolgsquoten sind entsprechend gering. Verzichten Sie lieber darauf, Dübelbrut zur Substratbeimpfung zu verwenden. Die Besiedelung eines losen Substrats mit so wenigen Impfpunkten dauert erheblich länger und funktioniert nur dann zuverlässig, wenn das Substrat vollsteril hergestellt wurde und die Dübel wirklich steril sind.

Alternative Verfahren aus Asien verwenden Impflösungen, sogenannte "Slurries",
also echte Flüssigbruten. Auch durchwachsene Holzspieße, die man einfach in den Substratbeutel steckt, finden immer mehr Anwender. Solche Verfahren bleiben aber fortgeschrittenen Züchtern und vollsterilen Techniken vorbehalten.

Grundsätzliches Ziel beim Einsatz von Brut ist die Einbringung und sorgfältige Einmischung von möglichst vielen autarken Impfpunkten, damit der Pilz so schnell wie möglich die Herrschaft über die gesamte Substratmasse erlangt, noch bevor eventuell noch verbliebene Kontaminanten das Ruder übernehmen. Dafür ist kleinkörniges, rieselfähiges Material das Beste.

Die Art und Menge der zu verwendenden Brut ist unmittelbar abhängig davon, wie gut Ihr Substrat entkeimt wurde und wie sauber Sie arbeiten können. Aber auch davon, was genau Sie als Brut verwenden wollen. Substratbrut wird in der Regel in höheren Raten verimpft, bei verschiedenen Verfahren gern auch in Kombination mit Körnerbrut.

Ein fachgerecht hergestelltes keimarmes Substrat (entweder sterilisiert, tyndallisiert, oder super-pasteurisiert), welches nach der Beimpfung der Beutelkultur auch noch effektiv durchmischt werden kann, braucht nur ganz wenig Brut. Es reichen 1-2% Gewichtsanteil, bezogen auf den trockenen Substratanteil, um eine sterile Kultur in 2 bis 3 Wochen zu durchwachsen. Die Mehrheit der Hobbyzüchter arbeitet bei sterilen Substraten mit Impfraten um 5-10%, es wird meist Körnerbrut eingesetzt.

Bei nur pasteurisierten, kalt oder heiß fermentierten oder mittels Kalkentkeimung desinfizierten Substraten sieht die Sache aber anders aus! Diese müssen mit einer hohen Impfrate an Körnerbrut beimpft werden. Nehmen Sie mindestens 10%, besser 20-25% Gewichtsanteil des (trockenen) Substrats, um zu guten Erfolgen zu kommen. 

Weil sich Zuschläge aller Art in solchen Substraten strikt verbieten (Kontaminationsgefahr durch nicht vollständig abgetötete Sporen von Schimmeln, Konkurrenzpilzen, Hefen und Bakterien) schafft man mit der energiereichen Körnerbrut ein Nahrungsdepot, welches den Pilz langfristig mit genug Energie beliefert. Profis sprechen daher auch von einer "Zuschlagimpfung".

Außerdem wird durch eine hohe Brutrate (eine gute Durchmischung des Substrats nach der Beimpfung vorausgesetzt) oft eine so rasante Besiedelung realisiert, daß aufkeimende Kontaminanten gar keine rechte Chance haben, sich zu entwickeln, da sie schnell vom Pilz übermannt werden.


6. Behandlung, Mischung, Verarbeitung
in Bearbeitung.... 

Die meisten nachfolgend beschriebenen Substrate müssen durch eine Hitzebehandlung entweder pasteurisiert, tyndallisiert oder sterilisiert werden. 
Eine Ausnahme bilden kalt- oder kalk- fermentierte Substrate, 
die aber dafür keine Zuschläge enthalten dürfen. 

  

7. Wichtige Parameter (Hygiene, Ph-Wert, C/N Verhältnis, Struktur, Atemfähigkeit)

 in Bearbeitung....

8. Entkeimungsverfahren und deren grundlegende Hauptunterschiede 

finden Sie vorerst noch im Glossar unter Entkeimung



Sie sehen weiter unten verschiedene Substratrezepte für die meisten Zuchtpilze, angefangen von schnell wachsenden Holzzersetzern bis hin zu verwöhnten und verfressenen Parasiten und Edelporlingen.

Sie finden auch ein Rezept zur Herstellung von einfachstem Pilzsubstrat auf Basis
von Stroh-, Hanf- oder Hartholzpellets. Dieses eignet sich insbesonders für alle Erstversuche in der Seitlingszucht. Dieses Substrat braucht nur eine
Teil-Pasteurisation, weil Pellets beim Herstellungsprozeß hohen Drücken ausgesetzt sind und dabei sehr heiß werden. Sie werden deshalb als bereits "vorentkeimt" eingestuft. Für die Verarbeitung benötigen Sie lediglich kochendes Wasser, aber nicht zwingend einen Druckkochtopf.

Ich habe auch ein Rezept für eine Abdeckerde (Casing) angefügt, welches sich zur Abdeckung von Kulturen erdbewohnender Pilze universell für viele Arten eignet...

Standard-Grundrezept
für Holzzersetzer 

speziell für alle Arten von Seitlingen, Stachelbärten, Lackporlingen (Reishi), Pioppino und Kulturträuschlingen sowie für alle Raslinge... 
grundsätzlich aber für alle Arten von Holzzersetzern.

Dieses Rezept auf Basis von Buchenholzspänen, Stroh, Hanf, Getreide und Kleie funktioniert für die meisten holzzersetzenden Pilze. Da es bereits stark angereichert wird, ist der Einsatz von viel Körnerbrut nicht nötig. Verringern Sie ggfs. den Getreideanteil, wenn Sie viel Körnerbrut einsetzen können oder wollen.

Dieses Rezept müssen Sie zwingend ausreichend lang sterilisieren und unter Sterilbedingungen beimpfen. Es genügt keinesfalls, diese Substratmischung nur zu pasteurisieren.

  • 250 Gr. Buchenholzspäne bis 2,5 mm, trocken. 

      (mittelfeines Räuchermehl)


  • 250 Gr. feines Hächselstroh von Weizen, Gerste, Hafer oder         

      Roggen, trocken. Alternative: sog. "Kälberstroh" oder "Strohmehl", 

      das sind aufgespleisste Halme. Auch Raps- oder Leinstroh ist                          geeignet. Oder verwenden Sie handelsübliche Strohpellets.



  • 100 Gr. Getreide oder Getreideprodukte, trocken (Mehle, Griese, gebrochene oder ganze Körner) Altbrot ist perfekt geeignet, Hülsenfrüchte wie (Kicher)-Erbsen eignen sich genauso gut wie abgelaufene Cornflakes. Haferflocken sind billig und funktionieren bestens.

               

  • 100 Gr. Kleie (aus Weizen/Reis)


  • 30 Gr. Kaffee (schimmelfrei getrockneter Kaffeesatz) Auf diese Zutat können Sie auch völlig verzichten oder die Menge bis auf 250 Gramm erhöhen, je nach Verfügbarkeit des Rohstoffs. Vermindern Sie dann den Stroh/Hanf/Holz-Anteil entsprechend.



  • 10  Gr. Kalk (Rasenkalk oder reines CaCo3)


  • 10  Gr. Urgesteinsmehl


  • dazu: etwa 1700 ml Wasser


Ergibt am Ende ca. 2,7 Kg fertiges Substrat mit einem Volumen von ca. 4 Litern

Sie können auch auf die Zugabe von Stroh oder Hanf verzichten oder den Anteil reduzieren. Viele schnell fruchtende Seitlingsarten wachsen auch auf einem Substrat, welches als Hauptzutat nur Stroh/Hanf/Kaffee enthält. Ein hoher Holzanteil ist der Garant für ein optimales Ergebnis, einige Arten kommen aber völlig ohne Holz aus. Bestimmte Arten wie Stachelbärte brauchen wiederrum einen hohen Holzanteil.

Die Kombination der verschiedenen Graduierungen der Anteile in diesem Rezept begünstigt ein sehr schnelles Wachstum. Wenn Sie den grobstrukturgebenden Hanf weglassen, sollten Sie statt Strohpellets lieber Strohhächsel, "Kälberstroh" oder "Strohmehl" verwenden. Letztere finden Sie in jedem Landmarkt, selbst sog. "Strohmehl" ist lange nicht so fein wie Strohpellets. Entscheidend ist, daß das Substrat später nicht zu dicht sein darf, weil dann der Luftaustausch schlecht funktioniert. Der Pilz wächst dann langsamer ein, dadurch ist die Kultur leichter anfällig für eventuell doch noch aufblühende Kontaminationen.

Falls Sie Pellets verwenden, übergießen Sie zuerst diese in einer (nicht zu kleinen) Wanne mit dem Wasser, in dem Sie bereits den Kalk eingemischt haben. Je wärmer das Wasser, desto schneller quellen die Pellets auf. Geben Sie den Pellets eine halbe Stunde Einweichzeit und fügen Sie dann das Sägemehl und den Hanf hinzu. Am Besten haben Sie den Hanfschrot schon vorher mit einem Teil des Wassers eingeweicht. Durchmischen Sie das Ganze intensiv. Lassen Sie dieses Gemisch eine gute Stunde stehen, damit die Wasserhaltekapazität der Trockenanteile auch voll ausgenutzt wird. Idealerweise durchmischen Sie es in der Zwischenzeit mehrfach.

Streuen Sie dann das Getreide, die Kleie und den Kaffee hinzu. Vermeiden Sie eine ungewollte Klumpenbildung, indem Sie die Zuschläge vorsichtig über die gesamte Oberfläche streuen und anschließend intensiv durchmischen.

Sie können auch zuerst alle Trockenanteile inkl. der Zuschläge mischen und erst danach mit dem Kalkwasser befeuchten. Entscheidender Nachteil dieser Methode ist die unvermeidliche Staubbildung. 

Dann schieben Sie das Substrat auf eine Seite der Wanne. Legen Sie einen Klotz unter diese Seite und lassen Sie die Wanne 30 Minuten stehen. Sollte sich auf der tieferen Seite der Wanne eine Pfütze bilden, entnehmen Sie dieses Wasser mit einem Schwamm oder binden es mit weiterem Sägemehl. Fügen Sie sicherheitshalber zusätzlich noch eine geringe Menge Sägemehl hinzu. Mischen Sie erneut und wiederholen Sie den Vorgang solange, bis kein Wasser mehr abfließt.

Danach ist das Substrat optimal gesättigt, es hat einen Feuchtegehalt von etwa 65%. Es ist fertig zur Abfüllung in den Beutel oder die Flasche und sollte unmittelbar sterilisiert werden.

Mit einem letzten Test ermitteln sie, ob Ihr Substrat nicht doch noch zu feucht ist: Pressen Sie mit den Händen eine schneeballgroße Menge kräftig zusammen. Wenn mehr Wasser abfließt als ein paar wenige Tropfen, fügen Sie lieber noch etwas trockenes Sägemehl hinzu. Mit der Zeit werden Sie lernen, wie sich ein optimal befeuchtetes Substrat anfühlt und können von vornherein die Wassermenge anpassen.

Wollen Sie ein Substrat mit weniger Feuchte (für bestimmte Arten vorgeschrieben), nehmen Sie einfach weniger Wasser. 

Die Abfüllung des Substrates in Behälter zur Sterilisation (spezielle Pilzzuchtbeutel, Gläser oder selbstgebastelte Lösungen) bedarf vor allem eines: Kraft! Pressen Sie das Substrat immer so fest in das Gefäß, wie es geht. Es sollten keinerlei Hohlräume oder Luftlöcher verbleiben. 

Standardrezept für Kräuterseitlinge

und andere schnellwachsende Starkzehrer wie "Black Pearl"-Hybriden, Nebrodini, Mandelegerlinge, Schopftintlinge etc. Funktioniert auch passabel für Porlinge aller Art.

Prinzipiell weicht dieses Substrat nur durch spezielle Zuschläge vom o.a. Grundrezept ab. Parasiten und verschiedene Sekundärzersetzer gelten als Vielfraße unter den Zuchtpilzen. Kräuterseitlinge und andere Starkzehrer profitieren neben Getreide, Kleie und Kaffee von weiteren energiehaltigen Zuschlägen wie Leinsaat, Zückerrübe oder Luzerne.

Geben Sie einfach in das o.a. Grundrezept
zusätzlich entweder:

  • 50 Gramm geschrotete Leinsaat


oder

  • 100 Gramm Ölkuchenpellets aus der Speiseölproduktion (Lein,Raps,Sonnenblume)

 
oder


oder


Pellets müssen vor Verwendung grundsätzlich eingeweicht werden. Benutzen Sie einen Teil des vorher abgemessenen Wassers zum Befeuchten der Pellets. Vermischen Sie später die entstandene Masse zuerst mit einer kleineren Menge des Sägemehls, um später eine gute Durchmischung im Endsubstrat zu erreichen.

Eine andere gute Substratrezeptur ist der sogenannte "Masters Mix".
Die Mischung besteht aus Eichenmehl und geschroteten Sojahülsen. Achten Sie darauf, "Masters Mix" nicht zu stark mit Körnerbrut zu befrachten, da ein eventuelles Überangebot an Stickstoff dazu führt, daß das Myzel zu stark "aufschäumt" und die Bildung von Primordien auf dem Substrat erschwert, da das Myzel die Primordien überwächst. Man spricht dann vom Overlay-Effekt.

Dieses Rezept müssen Sie zwingend ausreichend lang sterilisieren und unter Sterilbedingungen beimpfen. Es genügt keinesfalls, diese Substratmischung nur zu pasteurisieren.


Standardrezept für genügsame 
Totholz-Zersetzer

 wie Schüpplinge z.B. Nameko oder "Chestnuts",
aber auch für Stockschwämmchen und manche 
Shiitake-Sorten 

Arten wie Schüpplinge, Stockschwämmchen oder manche Shiitakesorten verarbeiten lieber Holz und kommen mit reinem Stroh oft nicht zurecht. Verzichten Sie völlig auf alle Arten von Stroh und verwenden Sie ausschließlich Späne von Hartholz.

Weil solche Arten in der Natur nicht so parasitär leben wie z.B. Austernpilze, fehlen ihnen die Enzyme, zugeführtes Kraftfutter auch schnell und direkt umzusetzen. Solche Pilze züchten Sie lieber auf einem Substrat ohne viel Extrafutter. Die verwendete Menge an Körnerbrut sollte angepasst werden, seien Sie lieber etwas sparsamer, wenn Sie bereits sauber arbeiten können.

Verwenden Sie:



  • 100 Gramm schimmelfrei getrockneter Kaffeesatz


  • 50 Gramm Weizenkleie


  • 50 Gramm Haferflocken



  • 10 Gramm Kalk (magnesiumarmer Rasenkalk oder reines CaCO³)


  • +/- 1700 ml Wasser


Ergibt am Ende etwa 2,7 Kg Substrat mit einem Volumen von ca. 4 Litern.


Wenn Sie Kleie, Haferflocken und Kulturpilz-Booster weglassen, reicht zur Entkeimung eine Pasteurisation oder Tyndallisation. Ansonsten muß das Substrat 2,5 Std. bei 121°C sterilisiert werden.

Standardrezepte für bodenlebende Streuzersetzer

wie Schopftintlinge oder Ritterlinge, Champignons oder karibische Träuschlingsverwandte.

Bodenlebende Streuzersetzer sind manchmal etwas anspruchsvoller bei der Substratwahl. In der Natur profitieren viele Arten von einem Substrat, welches bereits auf bakterielle Weise "vorverdaut" wurde. Deshalb wachsen solche Arten gerne auf Dung von Grasfressern wie Kühen oder Pferden. Das von Champignonzüchtern benutzte Substrat besteht hauptsächlich aus Stroh und Geflügelmist, welchen die Massentierhaltung liefert.

Für eine wirksame Entkeimung eines solchen Substrats wird die sogenannte "Heißrotte" eingesetzt, dabei werden hinderliche Keime durch eine kontrollierte heiße Fermentation unschädlich gemacht. Ausserdem wird der massenhaft vorhandene freie Stickstoff (das stinkende Ammoniak) in eine für den Pilz verfügbare Form umgewandelt. Leider braucht es zum Ansatz eines solchen Substrats eine Mindestmenge von etwa 1 Kubikmeter, um die Fermentation in Gang zu bringen. Die Geruchsentwicklung eines solchen Ansatzes ist gewaltig, gerade im Sommer.

Die Verwendung von Masthilfen, Hormonen und Medikamenten der industriellen Geflügelhaltung, die schlussendlich auch in den Pilzen landen, machen diese Zuchtmethode für viele echte Feinschmecker unattraktiv. Veganer wenden sich sowieso ab. Da dieses Verfahren eigentlich nur bei Champignons funktioniert, greifen Liebhaber von Egerlingen lieber auf den Mandelegerling zurück, welcher sich auch auf sterilen Holz/Stroh/Misch-Substraten erzeugen lässt.

Mit dem angegebenen Rezept lassen sich Milchpilze, Tintlinge, Rötelritterlinge und Mandelegerlinge, aber auch karibische Träuschlingsverwandte erzeugen. Erträge wie auf fermentierten Substraten darf man nicht unbedingt erwarten, aber immerhin lassen sich solche Arten auf diese Weise recht unkompliziert erzeugen. Das Rezept ist nur beispielhaft, bestimmte Arten vertragen sicherlich auch höhere Anteile an Tierdung. 

Verwenden Sie: 

  • 350 Gramm (fein) gehächseltes Getreidestroh 

       oder Pellets aus Weizen/Gerste/Roggen



  • 25 Gramm Kleie (Weizen/Reis)


  • 25 Gramm Getreide (Haferflocken)


       (dieser Anteil ist verzichtbar, aber angeraten)


  • 25 Gramm Kalk


  • +/- 1000 ml Wasser


Ergibt am Ende etwa 1,6 Kilo Substrat mit einem Volumen von etwa 3 Litern. Diese Substratmischung muss mindestens 2,5 Stunden bei 121°C sterilisiert werden.

Wer Streuzersetzer, speziell Champignons, lieber auf einem veganen Substrat erzeugen möchte, kann sich auch an diesem modifizierten
"Till-Substrat" versuchen, welches ohne Tierdung auskommt. 


Sie brauchen:
240 Gramm Stroh
100 Gramm Torf (nicht vorgedüngt)
30 Gramm Baumwollsaatmehl
30 Gramm Sojahülsen
100 Gramm Luzernepellets
100 Gramm Kalk
+/- 1200 ml Wasser

Ergibt am Ende etwa 1,8 Kilo Substrat mit einem Volumen von etwa 3,5 Litern. Auch diese Substratmischung muss mindestens 2,5 Stunden bei 121°C sterilisiert werden. 

Viele bodenlebende Streuzersetzer verarbeiten klaglos auch mein Standard-Grundrezept für Holzzersetzer. Mandelegerlinge, Schopftintlinge und Träuschlinge wachsen darauf sehr gut, sie benötigen den Tierdung nicht zwingend.

Standardrezept für Seitlinge 
auf Basis von Stroh-, Hanf- oder 
Hartholz- Pellets


oft auch "pasteurized fuel pellet Tek" oder
"Lipa's Pasteurization Tek" genannt. Geeignet für alle Arten von Seitlingen und für viele schnell wachsende und schnell fruchtende Primärzersetzer.

Dieses sehr leichte Rezept funktioniert zuverlässig, braucht aber eine höhere Brutrate als bei sterilen Verfahren. Die zur Entkeimung eingesetzte sogenannte Teil-Pasteurisation durch Übergießen mit kochendem Wasser funktioniert aber nur für Pellets, diese sind durch den Herstellungsprozeß schon ziemlich keimfrei. Für loses Sägemehl reicht dieses vereinfachte Verfahren nicht! Hächselstroh pasteurisieren Sie lieber durch Abkochen oder indem sie das befeuchtete Stroh in entsprechenden Containern (Beutel, Gläser, etc.) dämpfen oder mikrowellisieren.

Übergießen Sie 1 Kg Pellets mit 1500 ml sprudelnd kochendem Wasser. Benutzen Sie dazu einen Substratbeutel mit Mikrofilter. Verschließen Sie den Beutel unmittelbar, aber nur mit Klammern. Noch nicht verschweißen!  Idealerweise verbleibt der Beutel dann für 3 Stunden im 70°C heißen Ofen, dadurch wird das Substrat noch zuverlässiger entkeimt. 

Beimpfen Sie den Beutel nach Abkühlung dann mit mindestens 100 Gramm Körnerbrut, besser mit 200 Gramm. Verschließen Sie dann den Beutel hermetisch durch Versiegeln oder Verkleben. Je sorgfältiger Sie jetzt in einem Arbeitsgang die Pelletmasse durch den geschlossenen Beutel auflockern und dabei die vorher möglichst rieselfähige Brut untermischen können, desto schneller erfolgt später die Besiedelung. Pressen Sie am Ende die Mischung im unteren Teil des Beutels  zu einem Block zusammen. Ziehen Sie zur jetzt anstehenden Besiedelungsphase die Ecken des Beutels hoch, der Filter muß über dem Substratblock stehen und darf das Substrat nicht berühren. (Ausnahme: Streifenfilterbeutel)

Eine detaillierte Beschreibung des Verfahrens finden Sie hier in meiner Anleitung für meine Starterpacks, das ist genauso ein Pelletsubstrat, wie ich es gerade beschreibe.

Sie können natürlich auch andere Gefäße zur Entkeimung verwenden. 10Liter-Eimer aus PE eignen sich bestens. Befüllen Sie die Eimer nur zu einem Drittel, da Pellets stark aufquellen. Durchmischen Sie später das Substrat in einer sauberen Wanne mit der Brut und stopfen Sie die Masse in den endgültigen Kulturbehälter (Beutel, gelochte Eimer, Wannen, Gläser etc.)

Als alternative Methode für Pellets und nicht mit Zuschlagstoffen angereicherte Substrate aller Art gilt die Mikrowellen-Technik. Sie können dafür die Pellets auch kalt einweichen und die Masse danach in hitzebeständige Beutel, Gläser oder andere geeignete Gefäße abfüllen, die Sie anschließend halbwegs dicht, aber unverschlossen in der Mikrowelle pasteurisieren. Gläserdeckel aus Metall oder Alufolie haben in der Mikrowelle allerdings nix zu suchen! Weichen Sie auf gelochte Kunststoffdeckel oder Aquarienwatte aus, um Gläser abzudecken.

Ihr Gerät sollte eine gewisse Leistungsfähigkeit besitzen, unter 1000 Watt funktioniert das Verfahren nur bei ganz kleinen Beuteln. Tasten Sie sich langsam an die angestrebte Temperatur heran, lassen Sie das Gerät erst dann durchgehend laufen, wenn die Einheiten schon gut vorerhitzt sind.

Wenn Sie die Pellets zuvor mit kochendem Wasser eingeweicht haben und am Folgetag in kleinen Einzelbeuteln oder Gläsern mikrowellisieren, haben Sie durch die doppelte Pasteurisierung danach ein sehr zuverlässig entkeimtes Substrat, welches Sie dann unbedingt unter sterilen Bedingungen beimpfen sollten.

Das Mikrowellen-Verfahren klappt oft nicht auf Anhieb und braucht etwas Übung. Es ist auch nicht ganz ungefährlich  (⚠️ Achtung: Brandgefahr) und bedarf deshalb permanenter Kontrolle. Mit meinen extradicken Endlosbeuteln aus LDPE oder den Beuteln von Unicorn oder SacO² funktioniert es aber einwandfrei.

Berücksichtigen Sie bei den Endlosbeuteln, daß Sie noch einen oder mehrere Atemfilter einbauen müssen. Aquarienwatte ist für dieses Verfahren völlig ausreichend. Machen Sie die Beutel keinesfalls ganz voll, sie brauchen später genug Platz, die Brut einzumischen.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie möglichst hygienisch arbeiten (Lebensmittelstandard), wirklich keinerlei Zuschläge untermischen, die Pellets möglichst nicht nur teil-pasteurisieren, sondern mit einer angehängten 3-stündigen Phase über 62°C nachhaltig entkeimen, außerdem eine hohe Brutrate einsetzen und den Ansatz intensiv durchmischen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs sehr hoch.

Achtung: Bitte versuchen Sie nicht, loses Sägemehl auf diese Weise zu behandeln, dieses braucht eine ausdauernde Hitzebehandlung.

Beachten Sie bitte auch, daß herkömmliche Heizpellets aus Nadelholz bestehen. Diese Pellets sind für viele Arten, die sonst nur Hartholz verdauen, durchaus geeignet. Aber leider nicht für alle. Verschiedene Arten von Pellets sehen Sie hier, einen vorbereiteten Starterpack
(zusammen mit 500 Gr.Körnerbrut) biete ich hier an ...

Standardrezept für eine Deckerde (Casing)


geeignet für die meisten Arten bodenbewohnender Pilze wie Champignons, Kulturträuschlinge, Schopftintlinge oder Ritterlinge. Gut geeignet auch für Kräuterseitlinge und anverwandte Arten

Deckerden schaffen ein Mikroklima, welches die Fruchtung bestimmter Arten begünstigt. Diverse Arten benötigen die Anwesenheit bestimmter "positiver" Bakterienstämme im Casingmaterial. Aus diesem Grund sollte Deckerde nur pasteurisiert, aber nicht sterilisiert werden.

Sie brauchen: 

3 Teile Gartenerde/Ackererde. Achten Sie auf eine ausgewogene Mischung aus Sand- und Lehmerde. Sie wollen einen eher mageren Boden. Kompost- oder Humuserde sollten Sie vermeiden. Torferde ist in geringem Maße zugelassen, aufgedüngte Blumenerde auf Torfbasis ist nicht geeignet. 

1 Teil Vermiculite in mittlerer Graduierung (1-3 mm)

Sieben Sie die Gartenerde sorgfältig und vermischen diese mit dem Vermiculite. Ersatzweise können Sie Perligran oder Kokoserde verwenden. Kokosbriketts für die Pflanzenzucht, die vom Hersteller mit Trichoderma beimpft wurden, sind nicht geeignet. Unbehandelte Kokosbriketts finden Sie bei Reptilienzüchtern. 

Befeuchten Sie die Masse nur soweit, daß keinerlei Wasser austritt, wenn Sie es in der Hand quetschen. Bestimmte Pilzarten machen den Zusatz von Gips oder Kalk notwendig, speziell bei Champignons muss die sich bei Fruchtbildung in und auf dem Substrat bildende Oxalsäure neutralisiert werden. Manche Züchter schwören auf eine Deckerde mit über 10% Gipsanteil. Anschließend wird dieses Material unter drucklosem Dampf oder in der Mikrowelle pasteurisiert. Später wird es in abgekühltem Zustand in einer 2-5cm dicken Schicht (abhängig von der Pilzart) auf die gerade geöffnete und oberflächlich angekratzte Substratkultur aufgetragen.

Im Außenbereich eignen sich auch Deckerden aus anderen Materialien. Manche Arten kommen sehr gut mit einem Holzkompost zurecht, z.B. gedämpftem Rindenmulch.
Zugaben von Harnstoff in der Deckerde erhöhen die Erfolgsaussichten 
für verschiedene Arten signifikant.