Substratrezepturen 
für die Hobbypilzzucht


Pilzsubstrate bestehen aus pflanzlichen Anteilen (Holzspäne, Stroh, Hanf etc.), die nach Befeuchtung mit sauberem Wasser die Hauptgrundstoffe liefern, die der Pilz braucht. Hauptsächlich sind das Lignin oder (Hemi)-Zellulose. Bei verschiedenen Substraten erfolgt noch ein Zuschlag mit nahrhaftem, schnell verfügbarem Kraftfutter. Meist sind das Stärke und Zucker aus Getreide. Aber auch Kleie,
Kaffee und allerlei andere pflanzliche Nebenerzeugnisse finden Verwendung.

Die meisten nachfolgend beschriebenen Substrate müssen durch eine Hitzebehandlung entweder pasteurisiert, tyndallisiert oder sterilisiert werden.
Eine Ausnahme bilden kalt- oder kalk- fermentierte Substrate,
die aber dafür keine Zuschläge enthalten dürfen.

Die besagten Verfahren erkläre ich ihnen vereinfacht unter Entkeimung im Glossar.


Wenn Sie Ihr Substrat nur pasteurisieren möchten (unter drucklosem Dampf/ in der Mikrowelle/ durch einfaches Überbrühen der Rohstoffe) verzichten Sie einfach auf die in jedem Rezept angegebenen Zuschläge durch Getreide, Kleie, Kaffee, Luzerne, Leinsaat etc. und ersetzen Sie diese durch einen entsprechenden Anteil an Körnerbrut.

Nicht vollständig sterilisierte Substrate dürfen nur vorsichtig mit energiereichen Zuschlagstoffen ergänzt werden, Vollzuschläge mit Getreide gelten als riskant. Nur ausreichend lange bei 121° C und entsprechendem Überdruck sterilisierte Substrate dürfen mit hohen Zuschlagsmengen versehen werden.

Die Zuschlagsmenge gilt allgemein als variabel, viele Zuchtpilze können regelrecht gemästet werden. Trotzdem führt ein stark angereichertes Substrat in der Regel zwar zu besserer Performance der Kultur bei der ersten Erntewelle und zu einem höheren Nährwert der Pilze, aber nicht zwingend zu mehr Ertrag. 

Außerdem vertragen längst nicht alle Arten einen hohen Stickstoffanteil. Getreide, Kleie, andere hochkalorische Zuschläge, "grüne" Anteile und Mist enthalten viel Stickstoff. Ein ausgewogenes Verhältnis zum Kohlenstoff aus den Rohanteilen 
ist aber wichtig für eine gesunde Myzelentwicklung. 

Stark aufgewertete Substrate bergen auch ein größeres Risiko der nachträglichen Verkeimung während der Fruchtung, speziell durch Schimmel. Für einen guten Zuchterfolg sind die Einhaltung der Hygienerichtlinien und Kulturparameter viel wichtiger als ein aufwändig "aufgemotztes", komplexes Substrat. 


Wenn Sie nicht bereits mit einfachstem Substrat ein gutes Ergebnis erzielen, optimieren Sie zuerst die Zuchtbedingungen. Oft sind unzureichende Substratentkeimung, mangelnde Feuchte, zu wenig Luftaustausch und Luftbewegung im Zuchtraum, Impffehler, ein degenerierter Zuchtstamm
oder überlagertes Brutmaterial die eigentlichen Gründe für Misserfolge.
 
Experimente mit hoch aufgewerteten Substraten machen erst Sinn, wenn Sie sicher sauber arbeiten können und gelernt haben, wie sich die Art/Sorte während der Kultur entwickelt und wann genau Sie die Kulturen in die Fruchtung überführen. Ohne das Wissen, wie Sie einen optimalen Pinset erzeugen, werden Sie womöglich überfordert sein. Dann bekommen Sie vielleicht hunderte von Primordien, von denen die meisten aber eingehen. Oder Ihr Myzel "schäumt" derart über, daß sich ohne weitere Hilfsmaßnahmen gar keine Fruchtkörper entwickeln.

In der Praxis verwendet man stark angereicherte Substrate, um einen sehr guten ersten Flush zu bekommen. Viele Züchter wollen keine (meist unvermeidbare) nachträgliche Verkeimung der Kultur bei langer Laufzeit und räumen die Kulturen spätestens nach dem  zweiten Flush ab.

Als Getreidezuschläge kommen alle Arten von Getreide in Frage, die auch für die menschliche und tierische Ernährung geeignet sind. Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Mais, Hirse und Reis können verwendet werden, auch Saaten von Gräsern oder "exotische" Getreidearten wie Amaranth werden funktionieren. Je feiner gemahlen Sie das Getreide zusetzen, desto besser, ganze Körner sind aber ebenfalls geeignet. 

Beachten Sie bitte auch die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Arten bezüglich der Substratfeuchte. Substrate mit einem Feuchtegehalt von unter 50% funktionieren meistens nicht vernünftig, weil sie schon während der ersten Fruchtung zu trocken werden. Substrate mit Werten über 66% Feuchte sind nur schwer realisierbar, knifflig zu händeln und werden nur für einige bestimmte Arten  benötigt.  

⚠️ Strohpellets nehmen gerne sehr viel mehr Wasser auf als förderlich. Machen Sie immer den "Schneeball-Test"! Wasser darf keines herauslaufen, egal wie stark sie pressen!

Die Menge der zu verwendenden Brut ist unmittelbar abhängig davon, wie gut Ihr Substrat entkeimt wurde und wie sauber Sie arbeiten können.
Ein fachgerecht hergestelltes keimarmes Substrat (entweder sterilisiert, tyndallisiert, oder super-pasteurisiert), welches nach der Beimpfung der Beutelkultur auch noch effektiv durchmischt werden kann, braucht nur ganz wenig Brut.
Es reichen 1-2% Gewichtsanteil, bezogen auf den trockenen Substratanteil, um eine sterile Kultur in 2 bis 3 Wochen zu durchwachsen.

Anders bei pasteurisierten, kalt oder heiß fermentierten oder mittels Kalkentkeimung desinfizierten Substraten! Diese müssen mit einer hohen Impfrate an Körnerbrut beimpft werden. Rechnen Sie mindestens 10% Gewichtsanteil des (trockenen) Substrats, um zu guten Erfolgen zu kommen. Weil sich Zuschläge aller Art in solchen Substraten strikt verbieten (Kontaminationsgefahr durch nicht vollständig abgetötete Überdauerungsformen von Schimmeln, Hefen und Bakterien) schafft man mit der energiereichen Körnerbrut ein Nahrungsdepot, welches den Pilz langfristig mit genug Energie beliefert. Profis sprechen daher von einer "Zuschlagimpfung".

Außerdem wird durch eine hohe Brutrate (eine gute Durchmischung des Substrats nach der Beimpfung vorausgesetzt) oft eine so rasante Besiedelung realisiert, daß aufkeimende Kontaminationen gar keine rechte Chance haben, sich zu entwickeln.

Sie sehen weiter unten verschiedene Substratrezepte für die meisten Zuchtpilze, angefangen von anspruchslosen, schnell wachsenden Holzzersetzern bis hin zu verwöhnten und verfressenen Parasiten und Edelporlingen.

Sie finden auch ein Rezept zur Herstellung von einfachstem Pilzsubstrat auf Basis
von Stroh-, Hanf- oder Hartholzpellets. Dieses eignet sich insbesonders für alle Erstversuche in der Seitlingszucht. Dieses Substrat braucht nur eine
Teil-Pasteurisation, weil Pellets beim Herstellungsprozeß hohen Drücken ausgesetzt sind und dabei sehr heiß werden. Sie werden deshalb als bereits "vorentkeimt" eingestuft. Für die Verarbeitung benötigen Sie lediglich kochendes Wasser, aber nicht zwingend einen Druckkochtopf.

Ich habe auch ein Rezept für eine Abdeckerde (Casing) angefügt, welches sich zur Abdeckung von Kulturen erdbewohnender Pilze universell für viele Arten eignet...

Standard-Grundrezept
für Holzzersetzer 

wie Seitlinge, Shiitake, Stachelbärte, Pioppino, 
Schüpplinge und Raslinge...

Dieses Rezept auf Basis von Buchenholzspänen, Stroh, Hanf, Getreide und Kleie funktioniert für die meisten holzzersetzenden Pilze. Da es bereits stark angereichert wird, ist der Einsatz von viel Körnerbrut nicht nötig. Verringern Sie ggfs. den Getreideanteil, wenn Sie viel Körnerbrut einsetzen können oder wollen.

Dieses Rezept müssen Sie zwingend ausreichend lang sterilisieren und unter Sterilbedingungen beimpfen. Es genügt keinesfalls, diese Substratmischung nur zu pasteurisieren.

  • 250 Gr. Buchenholzspäne bis 2,5 mm, trocken. 

              (mittelfeines Räuchermehl)


  • 250 Gr. feines Hächselstroh von Weizen, Gerste, Hafer oder         

               Roggen, trocken. Alternative: sog. "Kälberstroh" oder "Strohmehl", 
               das sind aufgespleisste Halme. Auch Raps- oder Leinstroh ist                           geeignet.
               Oder verwenden Sie handelsübliche Strohpellets.


  • 100 Gr. Getreide oder Getreideprodukte, trocken

               (Mehle, Griese, gebrochene oder ganze Körner)
               Altbrot ist perfekt geeignet, Hülsenfrüchte wie (Kicher)-Erbsen eignen sich genauso gut wie abgelaufene Cornflakes oder Kartoffelpüree-Pulver.
              

  • 100 Gr. Kleie (aus Weizen/Reis)


  • 30   Gr. Kaffee (schimmelfrei getrockneter Kaffeesatz)


  • 10   Gr. Kalk (Rasenkalk oder reines CaCo3)


  • 10   Gr. Urgesteinsmehl


  • dazu: etwa 1700 ml Wasser


Ergibt am Ende ca. 2,7 Kg fertiges Substrat.

Sie können auch auf die Zugabe von Stroh oder Hanf verzichten oder den Anteil reduzieren. Die Kombination der verschiedenen Graduierungen der Anteile begünstigt allerdings ein sehr schnelles Wachstum. Wenn Sie den grobstrukturgebenden Hanf weglassen, sollten Sie statt Strohpellets lieber Strohhächsel, "Kälberstroh" oder "Strohmehl" verwenden. Letztere finden Sie in jedem Landmarkt, Selbst "Strohmehl" ist lange nicht so fein wie Strohpellets. Entscheidend ist, daß das Substrat später nicht zu dicht sein darf, weil dann der Luftaustausch schlecht funktioniert. Der Pilz wächst dann langsamer ein, dadurch ist die Kultur leichter anfällig für eventuell doch noch aufblühende Kontaminationen.

Falls Sie Pellets verwenden, übergießen Sie zuerst diese in einer (nicht zu kleinen) Wanne mit dem Wasser, in dem Sie bereits den Kalk eingemischt haben. Je wärmer das Wasser, desto schneller quellen die Pellets auf. Geben Sie den Pellets eine halbe Stunde Einweichzeit und fügen Sie dann das Sägemehl und den Hanf hinzu. Am Besten haben Sie den Hanfschrot schon vorher mit einem Teil des Wassers eingeweicht. Durchmischen Sie das Ganze intensiv. Lassen Sie dieses Gemisch eine gute Stunde stehen, damit die Wasserhaltekapazität der Trockenanteile auch voll ausgenutzt wird. Idealerweise durchmischen Sie es in der Zwischenzeit mehrfach.

Streuen Sie dann das Getreide, die Kleie und den Kaffee hinzu. Vermeiden Sie eine ungewollte Klumpenbildung, indem Sie die Zuschläge vorsichtig über die gesamte Oberfläche streuen und anschließend intensiv durchmischen.

Sie können auch zuerst alle Trockenanteile inkl. der Zuschläge mischen und erst danach mit dem Kalkwasser befeuchten. Entscheidender Nachteil dieser Methode ist die unvermeidliche Staubbildung. 

Dann schieben Sie das Substrat auf eine Seite der Wanne. Legen Sie einen Klotz unter diese Seite und lassen Sie die Wanne 30 Minuten stehen. Sollte sich auf der tieferen Seite der Wanne eine Pfütze bilden, entnehmen Sie dieses Wasser mit einem Schwamm oder binden es mit weiterem Sägemehl. Fügen Sie sicherheitshalber zusätzlich noch eine geringe Menge Sägemehl hinzu. Mischen Sie erneut und wiederholen Sie den Vorgang solange, bis kein Wasser mehr abfließt.

Danach ist das Substrat optimal gesättigt, es hat einen Feuchtegehalt von etwa 65%. Es ist fertig zur Abfüllung in den Beutel oder die Flasche und sollte unmittelbar sterilisiert werden.

Mit einem letzten Test ermitteln sie, ob Ihr Substrat nicht doch noch zu feucht ist: Pressen Sie mit den Händen eine schneeballgroße Menge kräftig zusammen. Wenn mehr Wasser abfließt als ein paar wenige Tropfen, fügen Sie lieber noch etwas trockenes Sägemehl hinzu. Mit der Zeit werden Sie lernen, wie sich ein optimal befeuchtetes Substrat anfühlt und können von vornherein die Wassermenge anpassen.

Wollen Sie ein Substrat mit weniger Feuchte (für bestimmte Arten vorgeschrieben), nehmen Sie einfach weniger Wasser. 

Die Abfüllung des Substrates in Behälter zur Sterilisation (spezielle Pilzzuchtbeutel, Gläser oder selbstgebastelte Lösungen) bedarf vor allem eines: Kraft! Pressen Sie das Substrat immer so fest in das Gefäß, wie es geht. Es sollten keinerlei Hohlräume oder Luftlöcher verbleiben. 

Standardrezept für Kräuterseitlinge

und andere schnellwachsende Starkzehrer wie "Black Pearl"-Hybriden, Nebrodini, Mandelegerlinge, Schopftintlinge etc. Funktioniert auch passabel für Porlinge aller Art.

Prinzipiell weicht dieses Substrat nur durch spezielle Zuschläge vom o.a. Grundrezept ab. 
Parasiten und verschiedene Sekundärzersetzer gelten als Vielfraße unter den Zuchtpilzen. 
Kräuterseitlinge und andere Starkzehrer profitieren neben Getreide, Kleie und Kaffee von weiteren energiehaltigen Zuschlägen wie Leinsaat, Zückerrübe oder Luzerne. 

Geben Sie einfach in das o.a. Grundrezept
zusätzlich entweder:

  • 50 Gramm geschrotete Leinsaat


oder

  • 100 Gramm Ölkuchenpellets aus der Speiseölproduktion (Lein,Raps,Sonnenblume)

 
oder


oder

  • 50 Gramm Zuckerrübenpellets hinzu.


Pellets müssen vor Verwendung grundsätzlich eingeweicht werden. Benutzen Sie einen Teil des vorher abgemessenen Wassers zum Befeuchten der Pellets. Vermischen Sie später die entstandene Masse zuerst mit einer kleineren Menge des Sägemehls, um später eine gute Durchmischung im Endsubstrat zu erreichen.

Eine andere gute Substratrezeptur ist der sogenannte "Masters Mix". Die Mischung besteht aus Buchenmehl und geschroteten Sojahülsen. Achten Sie darauf, "MM" nicht zu stark mit Körnerbrut zu befrachten, da ein eventuelles Überangebot an Stickstoff dazu führt, daß das Myzel zu stark "aufschäumt" und die Bildung von Primordien auf dem Substrat erschwert.


Standardrezept für Porlinge

die durch ihre parasitische Lebensweise oder mitunter sehr lange Einbrut- und Fruchtungsphase spezielle Anforderungen ans Substrat stellen, wie Reishi, Schwefel- oder Birkenporlinge, Maitake und Trameten.  


Im Prinzip ein noch stärker angereichertes Substrat als für Kräuterseitlinge. 
Ersetzen Sie ggfs. den Stroh- und Hanfanteil durch mittelfeines oder auch gröberes Buchensägemehl/ Chipsies.
Erhöhen Sie die energiereichen Zuschläge im Grundrezept bis auf die anderthalbfache Menge.
Statt 100 Gramm Kleie dann 150 Gramm etc.
Extra-Zuschläge in Form von Fettfrüchten wie Lein- oder Hanfsaat sind für einige Arten angeraten, auch Aminosäuren und Vitamine sind hilfreich. Erhöhen Sie unbedingt auch die Kalkmenge auf das Doppelte. Langzeitkulturen können schnell versauern und liefern dann nur schlechte Ergebnisse.

Standardrezept für ein Substrat 
aus Stroh-, Hanf- oder Hartholz- Pellets


oft "pasteurized fuel pellet Tek" oder auch
"Lipa's Pasteurization Tek" genannt. Geeignet für alle Arten von Seitlingen und für viele schnell wachsende und schnell fruchtende Primärzersetzer.

Dieses sehr leichte Rezept funktioniert zuverlässig, braucht aber eine höhere Brutrate als bei sterilen Verfahren. Die zur Entkeimung eingesetzte sogenannte Teil-Pasteurisation durch Übergießen mit kochendem Wasser funktioniert aber nur für Pellets, diese sind durch den Herstellungsprozeß schon ziemlich keimfrei. Für loses Sägemehl reicht dieses vereinfachte Verfahren nicht! Hächselstroh pasteurisieren Sie lieber durch Abkochen oder indem sie das befeuchtete Stroh in entsprechenden Containern (Beutel, Gläser, etc.) dämpfen oder mikrowellisieren.

Übergießen Sie 1 Kg Pellets mit 1500 ml sprudelnd kochendem Wasser. Benutzen Sie dazu einen Substratbeutel mit Mikrofilter. Verschließen Sie den Beutel unmittelbar, aber nur mit Klammern. Noch nicht verschweißen!  Idealerweise verbleibt der Beutel dann für 3 Stunden im 70°C heißen Ofen, dadurch ist das Substrat zuverlässiger entkeimt. Verwenden Sie ruhig etwas mehr Wasser zum Einweichen (bis 1700 ml), wenn das Substrat noch einer solchen Nachbehandlung unterzogen wird. Sie können auch auf diese Nachbehandlung verzichten, und weniger Wasser zum Ansatz verwenden.

Beimpfen Sie den Beutel nach Abkühlung dann mit mindestens 100 Gramm Körnerbrut, besser mit 200 Gramm. Verschließen Sie dann den Beutel hermetisch durch Versiegeln oder Verkleben. Je sorgfältiger Sie anschließend in einem Arbeitsgang die Pelletmasse auflockern und die vorher möglichst rieselfähige Brut untermischen können, desto schneller erfolgt die Besiedelung. Pressen Sie am Ende die Mischung im unteren Teil des Beutels  zu einem Block zusammen. Ziehen Sie zur jetzt anstehenden Besiedelungsphase die Ecken des Beutels hoch, der Filter muß über dem Substratblock stehen und darf das Substrat nicht berühren. (Ausnahme: Streifenfilterbeutel)

Sie können natürlich auch andere Gefäße zur Entkeimung verwenden. 10Liter-Eimer aus PE eignen sich bestens. Befüllen Sie die Eimer nur zu einem Drittel, da Pellets stark aufquellen. Durchmischen Sie später das Substrat in einer sauberen Wanne mit der Brut und stopfen Sie die Masse in den endgültigen Kulturbehälter (Beutel, gelochte Eimer, Wannen, Gläser etc.)

Als alternative Methode für Pellets und nicht mit Zuschlagstoffen angereicherte Substrate aller Art gilt die Mikrowellen-Technik. Sie können dafür die Pellets auch kalt einweichen und in hitzebeständige Beutel abfüllen, die Sie anschließend unverschlossen in der Mikrowelle pasteurisieren. Ihr Gerät sollte aber eine gewisse Leistungsfähigkeit besitzen, unter 1000 Watt funktioniert das Verfahren nicht richtig. Tasten Sie sich langsam an die angestrebte Temperatur heran, lassen Sie das Gerät erst dann durchgehend laufen, wenn die Beutel schon gut vorgewärmt sind.

Wenn Sie die Pellets zuvor mit kochendem Wasser eingeweicht haben und am Folgetag in kleinen Einzelbeuteln mikrowellisieren, haben Sie durch die doppelte Pasteurisierung danach ein sehr zuverlässig entkeimtes Substrat, welches Sie dann unbedingt unter sterilen Bedingungen beimpfen sollten. Ein vorher am Beutel angesetzter Port aus einem Kunststoffring mit eingestopfter Aquarienwatte dient dann als Beimpfungs- und Belüftungsöffnung.

Das Mikrowellen-Verfahren klappt oft nicht auf Anhieb und braucht etwas Übung. Es ist auch nicht ganz ungefährlich  (⚠️ Achtung: Brandgefahr) und bedarf deshalb permanenter Kontrolle, aber mit extra dicken Gefrierbeuteln aus PE oder besser den "knisternden" PP-Beuteln wie "Bratschläuchen" oder den im Shop erhältlichen Zuchtbeuteln von Unicorn oder SacO² funktioniert es einwandfrei.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie möglichst hygienisch arbeiten (Lebensmittelstandard), wirklich keinerlei Zuschläge untermischen, die Pellets möglichst nicht nur teil-pasteurisieren, sondern mit einer 3-stündigen Phase über 62°C noch etwas zuverlässiger entkeimen und außerdem eine hohe Brutrate einsetzen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs sehr hoch.
Achtung: Bitte versuchen Sie nicht, loses Sägemehl auf diese Weise zu behandeln, dieses braucht eine ausdauernde Hitzebehandlung.

Standardrezepte für bodenlebende Streuzersetzer

wie Champignons, Kulturträuschlinge, Schopftintlinge oder Ritterlinge.

Bodenlebende Streuzersetzer sind manchmal etwas anspruchsvoller bei der Substratwahl. In der Natur profitieren viele Arten von einem Substrat, welches bereits auf bakterielle Weise "vorverdaut" wurde. Deshalb wachsen solche Arten gerne auf Dung von Grasfressern wie Kühen oder Pferden. Das von Champignonzüchtern benutzte Substrat besteht hauptsächlich aus Stroh und Mist. Für eine wirksame Entkeimung eines solchen Substrats wird die sogenannte "Heißrotte" eingesetzt, dabei werden hinderliche Keime durch eine kontrollierte heiße Fermentation unschädlich gemacht. Leider braucht es zum Ansatz eines solchen Substrats eine Mindestmenge von etwa 1 Kubikmeter, um die Fermentation in Gang zu bringen.

Hobbyzüchter helfen sich, indem sie dem Pilz ein sterilisiertes Substrat aus den üblich verwendeten Rohstoffen herstellen und dieses mit schnell verfügbarer Energie wie Getreide "aufpimpen". Erträge wie auf fermentierten Substraten darf man nicht unbedingt erwarten, aber immerhin lassen sich solche Arten auf diese Weise recht unkompliziert erzeugen. Das Rezept ist nur beispielhaft, bestimmte Arten vertragen sicherlich auch höhere Anteile an Tierdung. Diese Substratmischung muss mindestens 2,5 Stunden bei 121°C sterilisiert werden.

Verwenden Sie: 

  • 350 Gramm (sehr fein) gehächseltes Getreidestroh/Pellets aus Weizen/Gerste/Roggen
  • 150 Gramm getrocknete Pferdeäpfel
  • 25 Gramm Kleie (Weizen/Reis)
  • 25 Gramm Getreide (Haferflocken)
  • 25 Gramm Kalk
  • +/- 1000 ml Wasser


Ergibt am Ende etwa 1,6 Kilo Substrat mit einem Volumen von etwa 3 Litern.

Wer Streuzersetzer, speziell Champignons, lieber auf einem veganen Substrat erzeugen möchte, kann sich auch an diesem modifizierten
"Till-Substrat" versuchen, welches ohne Tierdung auskommt. Auch diese Substratmischung muss mindestens 2,5 Stunden bei 121°C sterilisiert werden. 


Sie brauchen:
240 Gramm Stroh
100 Gramm Torf (nicht vorgedüngt)
30 Gramm Baumwollsaatmehl
30 Gramm Sojahülsen
100 Gramm Luzernepellets
100 Gramm Kalk
+/- 1200 ml Wasser

Ergibt am Ende etwa 1,8 Kilo Substrat mit einem Volumen von etwa 3,5 Litern.

Viele bodenlebende Streuzersetzer verarbeiten klaglos auch mein Standard-Grundrezept für Holzzersetzer. Mandelegerlinge, Schopftintlinge und Träuschlinge wachsen darauf sehr gut, sie benötigen den Tierdung nicht zwingend.

Standardrezept für eine Deckerde (Casing)


geeignet für die meisten Arten bodenbewohnender Pilze wie Champignons, Kulturträuschlinge, Schopftintlinge oder Ritterlinge. Gut geeignet auch für Kräuterseitlinge und anverwandte Arten

Deckerden schaffen ein Mikroklima, welches die Fruchtung bestimmter Arten begünstigt. Diverse Arten benötigen die Anwesenheit bestimmter "positiver" Bakterienstämme im Casingmaterial. Aus diesem Grund sollte Deckerde nur pasteurisiert, aber nicht sterilisiert werden.

Sie brauchen: 

3 Teile Gartenerde/Ackererde. Achten Sie auf eine ausgewogene Mischung aus Sand- und Lehmerde. Sie wollen einen eher mageren Boden. Kompost- oder Humuserde sollten Sie vermeiden. Torferde ist in geringem Maße zugelassen, eignet sich als Basismaterial jedoch nur gut für Champignons. Aufgedüngte Blumenerde auf Torfbasis ist nicht geeignet. 

1 Teil Vermiculite in mittlerer Graduierung (1-3 mm)

Sieben Sie die Gartenerde sorgfältig und vermischen diese mit dem Vermiculite. Ersatzweise können Sie Perligran oder Kokoserde verwenden. Kokosbriketts für die Pflanzenzucht, die mit Trichoderma beimpft wurden, sind nicht geeignet. Unbehandelte Kokosbriketts finden Sie bei Reptilienzüchtern. 

Befeuchten Sie die Masse nur soweit, daß keinerlei Wasser austritt, wenn Sie es in der Hand quetschen. Bestimmte Pilzarten machen den Zusatz von Gips oder Kalk notwendig, speziell bei Champignons muss die sich bei Fruchtbildung in/auf dem Substrat bildende Oxalsäure neutralisiert werden. Manche Züchter schwören auf eine Deckerde mit über 10% Gipsanteil. Anschließend wird dieses Material unter drucklosem Dampf oder in der Mikrowelle pasteurisiert. Später wird es in abgekühltem Zustand in einer 2-5cm dicken Schicht (abhängig von der Pilzart) auf die gerade geöffnete und oberflächlich angekratzte Substratkultur aufgetragen.

Im Außenbereich eignen sich auch Deckerden aus anderen Materialien. Manche Arten kommen sehr gut mit einem Holzkompost zurecht, z.B. gedämpftem Rindenmulch.
Zugaben von Harnstoff in der Deckerde erhöhen die Erfolgsaussichten für verschiedene Arten signifikant.