GLOSSAR 

LEXIKON

PILZZUCHT-ABC


Hier finden Sie die Erklärungen für die auf dieser Seite verwendeten Spezialausdrücke, sowie einige allgemeine Informationen zum Thema.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Seite wird laufend weiter ergänzt...

Allgemeine Tipps für Einsteiger


Es gibt ein paar Dinge, auf die man achten sollte, wenn man vorhat, in die Pilzzucht einzusteigen.
Diese grundsätzlichen Tipps können helfen, Frust und unnötige Ausgaben zu verhindern.

Tipp#1: Vertrauen Sie anfangs dem uralten Lehrer-Schüler-Prinzip und legen Sie erste Kulturen strikt nach Anweisung eines Fachmanns an. Idealerweise ist der Lehrer persönlich bekannt und auch in der Lage, sie tagesaktuell zu beraten, um Sie vor Fehlern zu bewahren. Das können Bücher oder Videos (so gut und wichtig sie auch sein mögen) nur schwer leisten.

Selbsternannte Pilzzucht-Spezialisten gibt es wie Sand am Meer. Vergleichen Sie zur Unterscheidung einfach die Ergebnisse, die Ihnen gezeigt werden. Wenn Ihr gewählter Fachmann keine wirklich herausragenden oder zumindest sehr guten Kulturen zeigen kann, suchen sie weiter. Prüfen Sie, wie gut und wie verständlich der Lehrer die verschiedenen Verfahren und Unterschiede der einzelnen Arten erklärt.

Fragen Sie Ihren Bauch danach, welche Motivation den Lehrer möglicherweise antreibt. Geltungsdrang oder geschäftliche Gier sind keine guten Lehrmeister, vertrauen Sie eher Menschen, bei denen Sie Leidenschaft und Ehrlichkeit spüren und die Bereitschaft, erworbenes Wissen freimütig zu teilen. In vielen internationalen Pilzzucht-Foren finden sich Mentoren, die Anfängern auf die Sprünge helfen, z.B. auch in dieser Facebook-Gruppe.

Tipp#2: Seien Sie anfangs lieber eher zurückhaltend mit eigenen Ideen, vermeintlichen Verbesserungen, Abweichungen und aufwändigen Experimenten. Und auch bei der Sortenwahl. Folgen Sie zuerst erprobten, einfachen und zuverlässigen Methoden und züchten Sie zuerst die klassischen Anfängerpilze. Versuche mit eigenen komponierten Substraten, selbst erdachten Verfahren oder exotischen, schwerer zu züchtenden Arten sind in dieser Phase noch fehl am Platz, damit beginnen Sie besser erst später.

Viele junge Züchter wollen nach anfänglichen Erfolgen euphorisch die Pilzzucht neu erfinden, noch bevor die basics richtig sitzen. Oft bleibt die Lernkurve solcher Adepten unter dem Strich deutlich flacher als bei denen, die sich stumpf an den Lehrplan halten. Bei der Pilzzucht haben kleine Fehler große Folgen. Es darf kein Lernschritt ausgelassen werden, sonst ist bei auftretenden (und unvermeidlichen) Fehlern keine richtige Analyse möglich.

Tipp#3: Beginnen Sie noch heute mit der Agar-und Sterilarbeit. Wenn Sie wirklich tiefer einsteigen wollen, bleibt Ihnen die Beschäftigung damit sowieso nicht erspart. Die Vorteile steriler Techniken werden schnell deutlich, sobald man sich die Mühe macht, sie zu erlernen. Versuchen Sie einmal, irgendwo probeweise an einer sterilen Werkbank (Flowhood) arbeiten zu können. In vielen Metropolen etablieren sich sogenannte "Citizen-Scientists-Labs"  die so etwas anbieten. Ganz am Anfang ist das unsterile Arbeiten mit eingekauften Flümys, Bruten oder Fertigkulturen sicher die bessere Entscheidung. Wenn Sie aber irgendwann teure Delikatessen aus dem Feinkostladen oder Sporen exotischer Heilpilze vermehren wollen, ist die Beschäftigung mit Druckkesseln, Petrischalen, Agar und vollsterilen Techniken verpflichtend. 


Tipp#4: Hüten Sie sich anfangs vor hohen Ausgaben für Equipment. Der Kauf von Kesseln, Befeuchtern, Zuchtzelten, HEPA-Filtern und Lüftern will gut überlegt sein, gerade wenn man nach ersten Erfolgen eine geschäftliche Karriere anstrebt. Die neue Anschaffung sollte konsequent auf das  schon vorhandene Equipment aufbauen. Ein Flowhood macht nur Sinn, wenn Sie bereits einen vernünftigen Kessel am Start haben. Ein Zuchtzelt nutzt Ihnen nur etwas, wenn Sie auch eine Lüftung/Befeuchtung/Steuerung einbauen. Man muss nicht von Anfang an teure Meßgeräte oder Fruchtungsbehälter anschaffen, wenn man sich ein bisschen einliest und entsprechend recherchiert. Wer kreativ denkt, gut lesen, rechnen und basteln kann, kommt oft zu Lösungen, die billig und genauso effektiv sind. Viele Züchter überfrachten sich in der ersten Euphorie mit nutzlosem Spielzeug oder überteuerten Gerätschaften wie Heizmatten, Spezialtapes, wirkungslosen Luftfiltern oder chinesischen Kochtöpfen.

Tipp#5: Verbinden Sie sich schnell mit Gleichgesinnten. Vernetzung hilft allen. Pilzzucht ist ein komplexes und umfassendes Thema. Keiner weiß alles, viele spezialisieren sich irgendwann. Der Austausch neuer Erkenntnisse ist Ruf und Pflicht eines jeden echten Wissenschaftlers. Pilzzüchter, die elitär und engstirnig auf ihren Geheimnissen und "seltenen" Sorten sitzen, sind für mich die Bremsklötze des Fortschritts.
Sich gegenseitig helfen und unterstützen kann mächtig Spaß machen, das lehren mich die Pilze jeden Tag.

Tipp#6: Kaufen Sie Pilzkulturen nicht vom Billigmarkt. Die Errichtung und Unterhaltung eines Reinraum-Labors mit Flowhoods, echten Autoklaven und Kühlräumen hat seinen Preis. Garantiert frische Genetik aus internationalen Brutbetrieben, die man als Ausgangsmaterial braucht, ebenfalls. Viele der Billiganbieter machen sich nicht wirklich Kosten oder Arbeit mit der Anschaffung und Pflege eines Strains und einer großen Kulturbank. Laborbedingungen herrschen dort meist nicht, die Qualität ist oft dürftig, viele Anbieter sind erst seit kurzer Zeit auf dem Markt. Andere wechseln alle paar Monate ihren Firmennamen, weil die Beschwerden sich häufen. Die Zahl der betrügerischen "Firmen", die Ihnen das Blaue vom Himmel herunterlügen und Ihnen 10 Gramm unsteril verpackte Körnerbrut von Steinpilzen andrehen wollen, steigt Jahr für Jahr. Mißtrauen Sie abgegebenen Bewertungen, Angaben über die Anzahl der vom Shop angeblich verkauften Kulturen oder darüber, wieviele andere Kunden das Produkt gerade "im Warenkorb haben".
Solche Angaben lassen sich sehr leicht fälschen, um Ihnen eine professionelle Firma mit hohem Traffic vorzugaukeln. Hüten Sie sich besonders vor Billigangeboten aus den baltischen Ländern, dort hat ein kriminelles Händlernetz die "Markthoheit" erlangt und alle anderen ehrlichen Händler verdrängt.  Kaufen Sie lieber bei seriösen Händlern mit echtem Namen, Telefonnummer und gültiger Adresse.







Aborte

Kleinere Fruchtansätze, die im Wachstum zurückbleiben, eintrocknen, verkümmern und schon früh Schimmel anlocken, will man vermeiden. 
Mit der richtigen Fruchtungsstrategie läßt sich die Anzahl der unerwünschten Kleinstpilze gering halten.

Von Schimmel befallene Aborte des Kräuterseitlings

Balkensiegler

Bei der Arbeit mit Beuteln aus PE oder PP sind elektrische Balkensiegler eine enorme Erleichterung, um diese zu verschließen. Bei sterilen Verfahren, wo es darum geht, den beimpften Beutel nicht nur schnell, sondern auch auf Anhieb zuverlässig dicht zu bekommen, sind solche Geräte erste Wahl. Viele Züchter stellen den Apparat direkt vor den Flowhood ⬇️, damit nicht doch noch Keime mit in den Beutel gelangen. Erst nach dem Verschluß des Beutels läßt sich der Inhalt sicher vermischen, indem Sie den Beutel mehrfach drehen, durchschütteln und kneten.

Achten Sie beim Arbeiten mit Balkensieglern auf folgende wichtige Bedingungen:  Das Gerät muss wirklich in der Lage sein, thermoplastische Folien sicher zu verschmelzen und dabei eine deutlich sichtbare Siegelnaht hinterlassen. Haushaltsgeräte älterer Produktion, die häufig nur einen dünnen Glühfaden besitzen, sind nicht geeignet. Halten Sie das Gerät stets so sauber wie möglich, packen Sie es staubdicht ein, um es nicht vor jedem Gebrauch sorgfältig mit ISO⬇️ abreinigen zu müssen.

Wichtigste Kniffe: Den Balken unbedingt noch 10 Sekunden (mit etwas Kraft) festhalten, nachdem die Schweißung erfolgt ist. Niemals den Balken sofort nach dem Erlöschen der Lampe hochklappen! Während der Schweißung und in den Sekunden danach darf der Beutel nicht bewegt werden, es darf auch keinerlei Zug darauf sein.
Der Beutel muß komplett entspannt eingelegt werden. Idealerweise klebt der Beutel nach dem Hochklappen dann an der Silikondichtung des Balkens. Warten Sie in jedem Fall noch ein paar Sekunden, bevor Sie den Beutel vorsichtig vom Silikon ablösen. Prüfen Sie grundsätzlich Ihre Schweißnähte im Gegenlicht und machen Sie bei Tests auch immer eine Reißprobe. Korrekt verschweißte Pilzbeutel von Markenanbietern sind in der Lage, selbst höchsten mechanischen Einflüssen standzuhalten, beispielsweise maschinellen Mischtunneln. 

Es macht Sinn, sich mit reichlich "Trockenläufen" mit verschiedenen Materialien/Beuteln  mit dem Gerät vertraut zu machen. Moderne Ausführungen gibt es mittlerweile mit einem robusten extrabreitem Heizelement, Lebenszeit ist höher als bei schmalen, dünnen Heizstreifen. Kaufen sie klebefähiges braunes Teflonband und verstärken sie damit das mitgelieferte Teflonband, welches schon auf dem Schweißdraht montiert ist. Schweißvorgang dauert nur Bruchteile länger, der Schweißdraht schafft es aber nicht mehr, das Teflonband zu verbrennen.

Balkensiegler der Fa.ROTEK gelten als besonders robust und langlebig, Ersatzteile wie Schweißdrähte und Spezialfolie sind verfügbar, Reparaturen über den hauseigenen Werksservice möglich. Klare Kaufempfehlung!

BE   

Die biologische Effektivität, englisch: "biological efficiency".
Das Maß für die Fähigkeit eines Pilzes, ein ihm vorgesetztes Substrat in verwertbare Biomasse umzuwandeln. 

Errechnet wird der Wert aus dem Gewicht der erzeugten Frischpilze im Verhältnis zum Gewicht des trockenen Substrats (mal 100).
Wenn Sie also mit einem Kilo trockenem Stroh und etwas Körnerbrut ein Kilo frische verzehrfähige Pilze erzeugen, haben sie in etwa 100% BE erreicht.

Hochtragende Speisepilzsorten der Pilzindustrie erreichen oft Werte um 150% oder sogar darüber, unbearbeitete Wildfunde und die meisten Heilpilze oft nur geringere Werte. Manche Arten erreichen ihren höchsten BE-Wert erst mit Abschluß der dritten oder vierten Erntewelle, während industriell genutzte Strains häufig darauf optimiert wurden, den Höchstertrag bereits mit ein oder zwei Wellen zu liefern. 

Reishis können BE-Werte erzielen, die weit über dem von Austernpilzen liegen

Birthing

Als Birthing bezeichnet man den Moment, in dem Sie die Kultur aus dem Reifestadium in die Fruchtung überführen. In der Regel passiert dies durch das Öffnen des Beutels oder Glases. 
Frischluft, Temperaturwechsel, Licht und Bewegung signalisieren dem Pilz, dass die Zeit des Anfressens vorbei ist und er mit der Fruchtung beginnen soll.


Frisch geschlüpfte Rosenseitlinge, bereit für mehr Sauerstoff

Browning

Als Browning bezeichnet man einen Prozess, bei dem sich die ehemals weiße Oberfläche der Kultur zu einer dicken, braunen, "verlederten" Haut verändert. Dazu zählen Arten wie Shiitake, aber auch alle Reishis und z.B. auch Knoblauchschwindlinge. Diese Arten bilden das browning bereits auf entsprechend lang und warm gelagerten Petrischalen.

Komplett von allen Seiten durchgebräunte Beutelkulturen kann, sollte oder muß man (Shiitake) irgendwann "aus der Pelle hauen", solche Kulturen sind unempfindlich gegen spätere Schwallduschen oder Tauchgänge. 

Manchmal sickern bei schnell wachsenden oder zu warm eingebrüteten Kulturen entstehende Exsudate (Guttation ⬇️, "Pilzpippi") in die äußere Myzelschicht ein und täuschen dem Anfänger ein Browning vor. Achten Sie stets darauf, entstandene Exsudate "abzugießen", bevor es zu dieser unerwünschten Reaktion kommt.


Durchgebräunte Oberfläche von Knoblauchschwindlingen

Bulking

Als Bulking bezeichnet man allgemein das Verfahren, einem bereits vollständig besiedelten Substrat (schrittweise) weitere Rohstoffe zuzuführen. Im Prinzip ein Impfvorgang mit hoher Brutrate, meist unter unsterilen Bedingungen durchgeführt, aber auch steril machbar.

Das Verfahren ist Standard bei der Zucht von exotischen Träuschlingsverwandten, funktioniert aber für viele Arten. Wenn Sie also z.B. eine Fertigkultur eines Austernpilzes mit der doppelten Menge frischem pasteurisierten Stroh vermischen, erhalten Sie eine größere Menge Fruchtungssubstrat, aus der Sie dann später auch mehr Pilze ernten können. Deshalb eine ideale Methode für die Anlage von großvolumigen Wannenkulturen.
 
Bei Außenbeeten mit Streuzersetzern ist meist eine regelmäßige Nachfütterung nötig, um den Pilz länger an den Standort zu binden, auch dort spricht man von "bulken".
 
Dieses meist unsteril durchgeführte Verfahren eignet sich aber nicht für alle Arten. Wiederholen Sie den Vorgang nicht zu häufig, das Risiko, sich eine Kontamination einzufangen, steigt bei jedem weiteren "Streckungsversuch". 

Viele Züchter beginnen erste Experimente mit frischem Kaffeesatz, den sie mit einem Austernpilz beimpft haben. Durch ständiges Hinzufügen von frischem Kaffeesatz wächst die Menge des Substrats, welches später einfach zur Fruchtung aufgestellt wird. Wenn Sie diesen Vorgang unter hygienischen Bedingungen durchführen, ist ein Erfolg nicht unwahrscheinlich. 

Pasteurisiertes Hächselstroh eignet sich als Bulkmaterial für viele Arten

Carnivoren

Von einigen Arten weiß man, daß sie auch tierisches Protein verdauen können. Pilze sind nicht unbedingt Vegetarier! Austernseitlinge, Schopftintlinge und bestimmte Träuschlinge "fangen" und verdauen Nematoden. Puppenkernkeulen besiedeln gezielt im Boden liegende Puppen von Nachtfaltern, manche verwandte Arten überfallen sogar lebende Ameisen oder Großinsekten.


Cordyceps aus dem Himalaya

Casing

Die meisten bodenbewohnende Pilze brauchen zur Fruchtung eine Abdeckerde. Eine Schicht aus einem möglichst "magerem" Material, welches nur wenig Nährstoffe enthält, wird auf das geöffnete und ggfs. ausgebreitete durchwachsene Substrat aufgetragen. Das besondere Mikroklima ermöglicht es dem Pilz, die Schicht schnell zu durchwachsen und auf der Oberfläche zu fruchten. 

Diverse unterschiedliche Materialien sind möglich, von Torf oder Gartenerde bis Kokoserde, von Rindenmulch bis Papierschrot oder Vermiculite. Für viele Pilzarten kann und sollte das Material pasteurisiert werden, andere Arten brauchen zwingend eine oder mehrere bestimmte Bodenbakterien im Casing, dann funktioniert nur unbehandelte Gartenerde.

Ein Vermiculit-Casing als Hilfsmittel zur Zweitfruchtung bei Kräuterseitlingen

Cloning

siehe Klonen⬇️

Coprophil

Diverse bodenlebende Streuzersetzer wachsen in der Natur gern auf oder in der Nähe von tierischem Dung. Alle Arten von Champignons und diverse Träuschlingsverwandte zählen dazu.


Die Champignonindustrie lebt vom billig verfügbaren Hühnermist der Massentierhaltung. Strikte Veganer lehnen solche Pilze deshalb ab.

CO² - Kohlendioxyd

Einer der entscheidenden Faktoren bei der Arbeit mit künstlichen Substraten im Innenbereich ist CO². Gemessen wird der Gehalt in der Luft in der Maßeinheit ppm (parts per million). Normale Außenwerte liegen um 410 ppm, in unbelüfteten Innenräumen (auch ohne Pilze) steigt der Wert gern auf 1000 oder darüber. Umgebungen mit Werten über 1500 ppm gelten für Menschen als bedenklich.

Das Gas entsteht, wenn der Pilz beginnt, die kohlenstoffhaltigen Inhalte des Substrats zu verdauen. Wird das "abgefurzte" CO² nicht mit geeigneten Mitteln abgeführt, verbleibt es im Anbauraum und sorgt dort nach einer Weile für Luftwerte, in denen deutsche Berufsgenossenschaften Aufenthalt oder Arbeit strikt verbieten.
 
Leidtragende einer mangelnden Frischluft sind aber vor allem die Pilze. "Giraffenaustern" mit überlangem Stiel und winzigem Hut, "Wattemonster" wie beim Igelstachelbart oder derb verbeulte "CO²-Keulen" wie bei manchen Hochertragshybriden von Shiitake oder Kräuterseitling sind wegen der unattraktiven Erscheinung meist nicht erwünscht, die Struktur solcher Fruchtkörper ist auch oft minderwertig.


Manche Arten brauchen aber gerade in der Primordienphase höhere Werte, Maitake und Judasohren gehören dazu. Der CO²-Gehalt kann auch ganz bewusst hoch gehalten werden, um gezielt bestimmten Arten zu einem speziellen Wachstumsmuster zu verhelfen, welches sie in der Natur selten zeigen. Lackporlinge, die sich zu regelrechten "Geweihen" entwickeln können oder "aufgeblasen" wirkende Exemplare von koreanischen Kräuterseitlingen sind Beispiele dafür. 

Viele erfolgreiche Züchter bezeichnen die Anschaffung ihres CO²-Meßgeräts/Monitors als "Game Changer".

Giraffenaustern lernt wirklich jeder Züchter kennen!

Entkeimung  (längerer Text.....)

Die meisten Zuchtpilze brauchen ein mehr oder weniger stark entkeimtes Substrat zum Wachstum. Das gilt auch für einige der Arten, die draußen problemlos unsterile Baumstämme oder Komposthaufen besiedeln.

Je gründlicher ihr Substrat entkeimt wird und je zuverlässiger Sie steril beimpfen können, umso weniger Brutmaterial ist nötig. Professionelle Ergebnisse können Sie auch mit Substraten erzielen, die nicht vollständig sterilisiert wurden. Wenn Sie sauber arbeiten können und die Verfahren beherrschen, können Sie viele Edelpilzarten auch ohne aufwändige Steriltechnik erzeugen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen thermischer und nicht-thermischer Entkeimung. 

Thermische Entkeimungen untergliedert man nach dem Grad der Wirksamkeit in fünf Stufen.

Es beginnt mit einer teilweisen, gefolgt von einer vollständigen Pasteurisation. Weitere Stufen sind fortgesetzte Pasteurisation (Tyndallisation) oder Super-Pasteurisation. Nächste und letzte Stufe ist dann erst eine echte Sterilisation. Nur bei den drei letztgenannten Verfahren sind energiereiche Zuschläge wie Kleie/Getreide oder Tierdung erlaubt.


1. Ein ganz leichtes Substrat für z.B. Austernseitlinge erzeugen Sie aus Strohpellets. Sie übergießen diese einfach bis zur optimalen Feuchtesättigung mit kochendem Wasser. Oder Sie tauchen Strohhächsel für ein paar Minuten in kochendes Wasser und lassen das Wasser abtropfen. Dann haben Sie eine Teilpasteurisation erreicht.

Das Verfahren klappt nur für einige Pilzarten (hauptsächlich Seitlinge und Träuschlinge) und gelingt nur mit Strohpellets, aber nur bedingt mit Holzmehlpellets oder anderen Gemischen. Dort ist das Risiko zu groß, daß der gefürchtete Grünschimmel
Trichoderma der Sieger bleibt. Strohpellets sind wegen den hohen Drücken und Temperaturen während der Herstellung meist bereits sehr keimarm. Energiereiche Zuschläge wie Kleie oder Getreideprodukte sind trotzdem nicht möglich.
 
Ein so einfach entkeimtes Substrat kann auch unter unsterilen Bedingungen quasi auf dem Küchentisch beimpft werden. Eine hohe Impfrate mit Körnerbrut (mindestens 10 Gew.%, bezogen auf den trockenen Substratanteil) ist aber notwendig, um genügend Kraftfutter bereitzustellen und eine möglichst schnelle Besiedelung zu erreichen, 
bevor eventuell verbliebene oder eingeschleppte Kontaminanten doch noch das Ruder übernehmen. 
 
2. Werden die befeuchteten Rohanteile wie Sägemehl, Stroh- oder Hanfhächsel oder Pellets im Zuchtbeutel oder Gefäß für 2 bis 3
 Stunden heißem Dampf (>95°C) ausgesetzt oder lange/ wiederholt "mikrowellisiert", nennt man das Pasteurisation. Das Verfahren funktioniert für fast alle Pilze, nur für echte Langzeitkulturen oder extrem langsam wachsende Arten verwendet man besser noch radikalere Entkeimungsmethoden. 

Da auch bei diesem Verfahren Bakterien, Hefen und Fremdpilze in Form von überlagerungsfähigen Sporen überleben können, sind auch hier keine Zuschläge erlaubt. Pasteurisiertes Substrat kann man auch unter unsterilen Bedingungen beimpfen, wenn man alles gut sauber hält und hohe Impfraten einkalkuliert. Bei steriler Verarbeitung in der Impfbox oder vor dem Flowhood reichen Impfraten von 3-5%, bezogen auf den trockenen Substratanteil.

3. Wird der Beutel oder ein anderer Substratträger an drei Tagen hintereinander jeweils 1 Stunde oder mehr gedämpft /erhitzt oder entsprechend lang mikrowellisiert, spricht man von einer Tyndallisation. Genau genommen ist das eine mehrfach wiederholte Teil-Pasteurisation. Keime im Substrat werden durch die Befeuchtung aktiviert und im ersten Durchgang unschädlich gemacht. Hartnäckigere Keimformen, die erst nach der Hitzebehandlung aufblühen, fallen am nächsten Tag der Hitze zum Opfer. 
Letzte Nachzügler, die erst nach 48 Stunden auskeimen, werden dann am dritten Tag erledigt. Ein so behandeltes Substrat eignet sich für nahezu alle Arten.

Aber erst jetzt dürfen auch gröbere Anteile wie Holzhächsel oder "Chipsies" verwendet werden. Zuschläge sind trotzdem nur bedingt erlaubt. 
Die traditionelle Entkeimungsmethode unserer Vorväter funktioniert zuverlässig und ist sehr anwendersicher, weil ein dampf- und druckloses Arbeiten möglich ist. Das Verfahren lässt sich leicht im Backofen oder der Mikrowelle realisieren. 
Bei Beuteln mit "gröberem" Filter ist auch eine Verschweißung machbar, um Feuchteverluste zu minimieren. Wäscheklammern oder andere Verschlüsse sind möglich und auch angeraten, denn im trockenen Backofen ist der Feuchteverlust sonst zu stark. Flaschen oder Gläser sind einfacher zu handhaben, weil man einen offenporigen Filter einarbeiten kann und der Deckel während der Prozedur fest angezogen bleibt.

Zur weiteren Verarbeitung sind sterile oder quasi-sterile Bedingungen wie Impfboxen oder HEPA-Filter verpflichtend. Bei diesem Verfahren kommen Sie bereits mit Impfraten von 2-3% zurecht. (bezogen auf den trockenen Substratanteil) 


4. Werden die Beutel oder Gläser/Flaschen für 12 Stunden oder länger in heißem drucklosem Dampf (>95°C) erhitzt, erreicht man eine Super-Pasteurisation. Ein sehr gründliches Verfahren, bei dem auch leichte Zuschläge und gröbere Substratanteile erlaubt sind. Man verlässt sich darauf, daß während der langen Phase sämtliche Sporen von Schimmeln aufgeblüht sind und gleich vernichtet wurden.

Gut geeignet, wenn eine permanente Hitzequelle zur Verfügung steht, für die man nicht viel bezahlen muss. Eine sterile Weiterverarbeitung ist jetzt verpflichtend, als Impfrate genügen bereits 1-2%
 

(bezogen auf den trockenen Substratanteil) 



5. Steht der Beutel oder das Gefäß für 2,5 Stunden im Druckkessel bei mindestens 121°C, kommt es zur Sterilisation. Erst jetzt kann das Substrat im Vorwege mit Wunschzuschlägen stark angereichert werden, weil das Risiko einer Verkeimung quasi ausgeschlossen ist. Das macht eine komplexe Komposition des Substrates möglich. Sie können optimierte oder besonders leicht verfügbare Zuschläge wie landwirtschaftliche Nebenprodukte oder sogar Tierdung verwenden und sind nicht allein auf Getreide fixiert, welches Sie in Form der Körnerbrut zuführen. 

Theoretisch genügen zur Animpfung eines solchen Substrats bereits ein paar Myzelfragmente aus einem Flüssigmyzel, Stücke aus einer Petrischale oder ein paar wenige Getreidekörner. 

Bei einer Verwendung von 3% oder mehr Brut erreicht man eine explosive Besiedelung, wie man sie mit anderen Verfahren nicht realisieren kann. Erst Recht, wenn man beimpfte Beutel sorgfältig versiegelt und gut durchmischt. 

Für Pilze, die höhere Anforderungen ans Substrat stellen, wie Speiseporlinge oder andere Edelpilze, ist dieses Verfahren die beste Methode. Für den Ertragsbauern, der einen hohen Erstertrag möchte, sowieso. Der Hobbyist und Feinschmecker weiß, daß gut angereicherte Substrate die Voraussetzung sind, daß sich im Pilz alle Nährstoffe und alle gesundheitsfördernden Substanzen bilden oder wiederfinden.

Die Beimpfung solcher Substrate muß strikt unter höchsten hygienischen Bedingungen erfolgen. Angereicherte Substrate verkeimen erheblich schneller als Substrate ohne Zuschläge. 

Soweit also die thermischen Verfahren...

Nicht-thermische Verfahren sind kalte Fermentierungen mit z.B. Milchsäurebakterien, die den Pilzen nicht schaden, aber andere Bakterien zuverlässig fernhalten.

Oder die chemisch/ physikalische Entseuchung über eine Ph-Wert-Veränderung, bei der Bakterien, Schimmel und Hefen rasch absterben, das Myzel aber überlebt und sich schnell vom Ph-Schock erholt. Das macht man mit Branntkalk. 

Solche Verfahren sind nicht 100%ig sicher, fermentierte Substrate riechen oft sehr stark und Branntkalk ist ein Gefahrstoff. In der dritten Welt verwendet man auch einfachstes Geschirrspülmittel oder sogar Gifte wie Aldehyde für solche Verfahren. 

Die Verwendung von tierischen Exkrementen ist bei diesen Verfahren strikt untersagt, das Risiko einer Zoonose sollte Ihnen bewußt sein.

Das klassische Champignonsubstrat ist eine Kombination aus thermischer und nicht-thermischer Entkeimung. Heiße Rotte und Fermentation machen Stroh und Geflügelmist zu einem erstaunlich keimarmen Substrat. 

State of the art: Ein All American-Kessel. 
(Super)-Pasteurisierung, Tyndallisierung und Sterilisierung sind mit diesem Gerät perfekt machbar.

Eimer-Verfahren

Der entscheidende Vorteil von unsterilen Eimerkulturen liegt in der Stapelbarkeit der Eimer, dem leichten Handling und der Langlebigkeit des Zuchtcontainers. Wenn man den Ablauf richtig steuert, Möglichkeiten nutzen kann, große Substratmengen zügig zu verarbeiten, sind Eimer eine der effektivsten Methoden, mit einfachen Mitteln große Mengen an Pilzen zu produzieren. Trotzdem hat die Technik auch Tücken, wenn entscheidende Details nicht beachtet werden.

Bei dieser Methode können handelsübliche 10 Liter-Plastikeimer mit Deckel aus PP benutzt werden. Versehen Sie die Eimer mit 10 Atmungslöchern á etwa 8mm in zwei Reihen. 5 Öffnungen oben, 5 unten. Abstand der Lochreihen zum Boden/Deckel mindestens 10 cm. Plastikeimer anzubohren erfordert ein gewisses Geschick und einen scharfen Metallbohrer. Mit einem entsprechend heißen Metalldorn lassen sich die Löcher auch bequem einschmelzen, das stinkt bloß ein bisschen, die Dämpfe sollte man nicht einatmen.

Die weitere Vorgehensweise ist abhängig von Ihren Möglichkeiten, die Substratrohstoffe entkeimen zu können. Bei der ausschließlichen Verwendung von Stroh in Form von Hächselstroh und Strohpellets ist es möglich, diese mit einfachem Übergießen in einem geschlossenen Gefäß (andere Eimer?) mit sprudelnd heißem Wasser so keimarm zu bekommen, daß der Pilz später gut einwachsen kann. Dann ist Methode #2 angeraten, diese bietet die unschätzbare Möglichkeit,  das Brutmaterial sorgfältig ins Substrat einzumischen.

Bei der erstgenannten Methode der ausdauenden Pasteuristion über heißem Dampf sind auch Hartholzanteile/ Hartholzpellets möglich, Sie brauchen aber eine Pasteurisationskammer/Kessel. Eine Einmischung der Brut erfolgt bei diesem Verfahren nicht.

  • Methode#1


Die Eimer werden mit einem entsprechend feuchten Gemisch aus Stroh/ Strohpellets/ Hartholzpellets befüllt. Anschließend verschlossen und dann im Ganzen pasteurisiert oder tyndallisiert (siehe Entkeimung). Natürlich muß man dafür ein Atemloch in den Eimerdeckel einbauen. Zur Pasteurisation der Eimer sind umgebaute, mit Heißdampf durchströmte ausgediente Kühlschränke bestens geeignet.
Dampferzeuger kann man sich mit etwas handwerklichem Geschick leicht selbst bauen, es braucht bloß eine starke Heizquelle. Jeder, der über einen holzbefeuerten Herd verfügt, reibt sich jetzt die Hände. 

200 Liter Stahlfässer, idealerweise aus Edelstahl, mit einem stabilen Innengerüst aus Stahlstreben, mit einem Paella-Brenner oder Holzfeuer beheizt, neudeutsch "Bubba-Barell" genannt, sind nicht einfach nur trendy. Sie funktionieren prima, gerade für Züchter, die stromfrei arbeiten wollen oder können, weil sie genug Holz haben.


Nach Entfernung des vorher als Platzhalter eingesetzten Impfstopfens aus Stahlrohr, Holz oder Glas wird die Kultur nach Abkühlung mit Körner- und/oder Substratbrut beimpft. Das Substrat kann nicht durchmischt werden, muss es aber auch nicht zwingend, weil wir eine echte Pasteurisation durchgeführt haben, im Gegensatz zu Technik 2, bei der das Stroh nur pseudo- oder teil- pasteurisiert wird.

Mit der Arbeitsersparnis durch den Verzicht auf die arbeitsintensive Bruteinmischung muß man längere Durchwachszeiten akzeptieren. Je länger das Substrat entkeimt wurde, desto größer die Wahrscheinlichkeit, das dieses Verfahren besser funktioniert als Methode#2. Unnötig verlängerte Besiedelungszeiten erhöhen normalerweise das Risiko, daß doch noch Kontis im unbesiedelten Substrat aufblühen. Mit nur unzureichend entkeimtem Substrat wird diese Methode deshalb nicht gut klappen.

Nur eine schnell einwachsende Kultur, die alle kleinen Kontikolonien gleich hungrig wegknabbert oder überwuchert und einkapselt, bleibt mittel- und langfristig gesund.



  • Methode #2


Hächselstroh wird dabei mit soviel kochendem Wasser übergossen, daß der Wasserpegel am Ende über dem Teller steht, den sie vor dem Übergießen noch auf das Stroh auflegen. Beschweren Sie den Teller zusätzlich mit einem Gewicht. (In Plastikbeutel sauber verpackte Backsteine sind ideal) Das Material muß komplett auf Tauchstation! Machen Sie bei Erstversuchen den Eimer nicht zu voll, es gibt einen Aufquelleffekt, dann hat man schnell Schweinkram. Deckel an nur einer Stelle  aufklicken, sauberes Tuch drüber, nächster Eimer.

Am Tag entnehmen Sie zuerst den Teller samt Gewicht. Dann nehmen sie einen kleinen Löffel zur Hand. Schieben Sie den Stiel unter den halboffenen Deckel und drücken Sie dann den Deckel an den anderen Stellen wieder komplett zu. Dann drehen Sie den Eimer um und lassen das Wasser ablaufen. Halten Sie ein Sieb darunter, damit ihr Abfluß nicht verstopft. Lassen Sie das Stroh mindestens 1 Stunde ablaufen, besser jedoch 2. Strohpellets reicht ein Überbrühen mit einer abgemessenen Wassermenge, um sie gleichzeitig zu befeuchten und zu entkeimen. Sie können jedoch genauso komplett übergossen mit kochendem Wasser einweichen (mit Teller und Gewicht), müssen am Folgetag jedoch wieder abgequetscht werden. Das kann man von Hand machen oder mit einer Presse. Ich kenne Grower, die die Pellets in einem Kopfkissenbezug unter kochendem Wasser aufquellen lassen. Am nächsten Tag wandert der Bezug samt Pelletmatsch in der Waschmaschine zum Ausschleudern. Lassen Sie das nie Ihre Ehefrau sehen!


Sie beimpfen dann beide Fraktionen in einer Wanne mit Körnerbrut UND extrem feinkrümeliger Substratbrut auf Strohpellet- oder Sägemehlbasis. Auch sogenannte Fertigkulturen sind nichts anderes als Substratbrut, vorausgesetzt, der Beutel wurde noch nicht geöffnet.

Das gesamte benötigte unbeimpfte rohe Substratmaterial können Sie auch in denselben Eimern in den oben angesprochenen Pasteurisationsbehältern auf Heißdampfbasis entkeimen. Schütten sie nach Abkühlung der Eimer den Inhalt in eine Wanne. Fügen Sie das möglichst feinkrümelige Impfmaterial hinzu, sie können auch auf die Substratbrut verzichten und nur Körnerbrut verwenden. Vermeiden Sie jeglichen Hautkontakt, legen sie niemals in den Schmutz gefallene Brutanteile auf die Substratmasse. Tragen Sie zu dieser Arbeit frische Latexhandschuhe und desinfizieren Sie die Hände spätestens beim Ansetzen des nächsten Eimers. Die alleinige Verwendung von Substratbrut ist möglich, wird aber nicht empfohlen, weil das Kraftfutter aus Getreide fehlt. Solche Pilze sind ebenfalls wohlschmeckend, aber vom Nährwert und dem Aroma gut "gemästeten" Pilzen unterlegen. 

Durchmischen Sie alles gut mit sauberen Händen und Armen und füllen es dann in die Eimer. Machen Sie nicht zuviel auf einmal hinein, Sie müssen das Substrat noch kräftig einpressen. Machen Sie den Eimer so voll wie Sie können. Reinigen Sie mit einem Alkoholtuch die Deckelrandzone, oft bleiben hier Hächsel hängen. Verschließen Sie die Fruchtungsfenster wie weiter unten beschrieben und drücken den peinlich sauberen Deckel fest drauf. Fertig!

Wenn Ihr Brutmaterial einwandfrei war, passiert dann eine explosionsartige Besiedelung durch die zahllosen Impffragmente aus der Substratbrut, eine zügige Bildung von Fruchtkörpern erfolgt wegen der Bereitstellung von ausreichend Kraftfutter (der Körnerbrut), für daß sich der Pilz nicht großartig anstrengen braucht. Ich habe Eimer gesehen, die mit dieser Technik produziert wurden und in 5 Tagen durchwachsen waren, 12 Tage nach Impfung waren die ersten Pilze zu sehen. Es gibt zahlreiche Abwandlungen und Verfeinerungen dieser Technik. 

Eimerkulturen fruchtet man meist seitlich, durch die vorher angebrachten Löcher. Größere Löcher sind nicht nötig, sie lassen die Kultur schneller kontaminieren. Mehr Löcher oder größere Löcher bedeuten nicht automatisch mehr Ertrag, eher umgekehrt. 2 oder 3 kräftige Trauben sind effektiver als kleinbleibende Krümpelpilzchen aus 20 Löchern. Verkleben Sie die Öffnungen doppelt mit Micropore und lassen Sie den Deckel bis auf anfängliche vorsichtige Inspektionsblicke permanent fest auf dem Eimer. Entfernen Sie das Micropore später nicht von allen Öffnungen, ohne sicher zu sein, daß der Pilz auch dort hinausmöchte. 

Wenn Sie die Pilze auf der Oberfläche des Substrats fruchten wollen (Top-Fruiting) wie Kräuterseitlinge, Braunkappen oder Riesensägeblättlinge, aber auch alle Arten von Austernpilzen, nehmen Sie den Deckel aus seiner Arrettierung und legen Sie ihn nur lose auf, wenn Sie das Gefühl oder die Gewissheit haben, daß eine Fruchtung unmittelbar bevorsteht. Beim Top-Fruiting machen Sie die Eimer nicht bis an den Rand mit Substrat voll, lassen Sie noch 6 cm Luft. Ab Tag 8 ist spätestens der erste Kontrollblick in den Eimer fällig. Nehmen Sie den Deckel erst vollständig ab, wenn erste Pilzchen zu erkennen sind. Aber warten Sie auch nicht so lange, bis Sie schon Stiele erkennen können. 

Dann kommts drauf an: Wenn Feuchtewerte und Frischluftzufuhr stimmen, wird aus der kleinen Primordie innerhalb von wenigen Tagen ein Mittagessen! Die Atmungslöcher bleiben bei dem Verfahren stets mit Micropore verschlossen, manchmal muß man noch echtes Klebeband draufbappen, weil der Pilz das Micropore wegschiebt oder sogar durchwächst. Man kann die Pilzchen aber natürlich auch rauslassen, dann blüht es oben und auch an den Seiten. Bei manchen Arten klappt das prima, Austern bekommen Sie eh kaum gebremst, die wollen überall fruchten. Bei einigen Arten werden bei einer Fruchtung auf der Oberfläche die Pilzchen, die vielleicht noch aus den Löchern kommen aber oft nicht besonders groß, sie verkümmern vorzeitig, verstopfen im Endeffekt ein Belüftungsloch und locken Schimmel an. Eine gute Durchlüftung einer so großen Substrateinheit sollte bis in alle späten Stadien gewährleistet sein.

Top-Fruitung mit Eimern ermöglicht auch die Zucht von Pilzen, die ein Casing brauchen oder davon profitieren. Füllen Sie solche Eimer nur bis etwa 2/3  und tragen Sie nach Vollbesiedelung und ggfs. durchgeführtem Scratching das Deckmaterial auf, so daß oben immer noch ein kleiner Rand bleibt. Der Deckel wird dann aber nicht wieder aufgeklickt, sondern nur aufgelegt, bis die ersten Pilze sprießen, dann kommt er runter.

Viele Eimerkulturen verweigern Folgewellen, weil der Züchter die Löcher nach dem Entfernen der Pilze nicht sorgfältig desinfiziert. Aber selbst dann will der Pilz manchmal partout nicht nochmal aus derselben Öffnung herausfruchten. Das eigentliche Problem liegt aber noch woanders und gilt als einer der größten Nachteile der Eimertechnik. Eimerkulturen sacken nach einer gewissen Zeit ab, dann kann es dauern, bis sich der Pilz durch eine möglicherweise kontaminierte Zone an das Fruchtungsfenster durchgekämpft hat. Eine funktionierende Strategie für Folgewellen ist deshalb, der Kultur für die erste Welle nur einige der Löcher als Schlupfstelle zu belassen, indem die anderen fest mit Klebeband versiegelt werden. Die zweite Welle erfolgt dann durch die unbenutzten Fruchtungsfenster, die älteren hingegen werden jetzt fest mit Klebeband versiegelt.

Mein erster Versuch mit der Methode, 12 Jahre her. Die Technik funktioniert aber immer noch!

Exsudat

siehe Guttation⬇️

Fanning

Schnellwachsende Pilze, speziell alle Seitlinge, profitieren von einer gewissen Luftbewegung im Raum. Ohne Ventilation kommt es oft zu Nachverkeimungen der Fruchtkörper durch angeflogenen Schimmel. 
Ein Schwenkventilator ist für das gesamte Raumklima ein echter Segen, auch weil die Luftfeuchte besser verteilt wird. Vermeiden Sie es, die Pilze direkt anzuwehen, austrocknende Hutränder zeigen Ihnen, wo der Wind zu stark ist.

Miefquirle im Anbauraum machen nicht nur die Pilze happy...

Flowhood, (Laminar Flow hood, LFH, Reinbank)

Bis vor ca. 15 Jahren waren HEPA-Filter zu teuer, um in der Nutzung bei Hobbyzüchtern eine Rolle zu spielen. Das hat sich mittlerweile geändert, da diese Spezialfilter auch in anderen Bereichen vermehrt eingesetzt werden. 
Wichtige Arbeitsschritte beim Arbeiten mit sterilisierten Substraten, Petrischalen und Bruten können im sterilen Luftstrom deutlich bequemer und sicherer durchgeführt werden als in einer engen Impfbox. 

Es gibt im Netz zahlreiche Anleitungen zum Selbstbau, wichtig ist die Einhaltung der folgenden Punkte:
Verwenden Sie nur HEPA-Filter der Schutzklasse H14.
Kaufen Sie im Lüftungsfachhandel, vertrauen Sie nicht den Anbietern von Billigwaren. Für einen Filter mit den Maßen 60x60 cm sollten Sie mindestens € 100.- einplanen.
Besorgen Sie sich einen leistungsstarken, hochwertigen Lüfter.

Der Kern jeder selbstgebauten Anlage ist die Druckkammer. Diese hermetisch geschlossene Box aus z.B. Möbelbauplatten hat eine auf der Oberseite mittig platzierte Einströmöffnung, in die der angekoppelte Lüfter die Luft hineinbläst. Die Luft verlässt die Box durch den Hepafilter, den Sie an einer Seite der Box eingebaut haben. Sparen Sie beim Bau der Box nicht mit Schrauben und Silikon, die Dichtigkeit der Box ist die wichtigste Voraussetzung für eine einwandfreie Funktion. 

Bei der Wahl des Lüfters lassen Sie sich am Besten vom Fachhändler beraten. Der angegebene Nennvolumenstrom des Filters muß vom Lüfter idealerweise um 50% überschritten werden. Kaufen Sie lieber einen hochwertigen Radial- oder Axiallüfter, der auch mit einem angebauten Vorfilter noch genug Leistungsreserven hat. 

Mein privater Tipp: Hubraum statt Spoiler!
Verbauen Sie lieber einen laufruhigen Schneckenhaus-Lüfter mit großzügiger Überleistung , den Sie ggfs. mit einem Stufentrafo oder Lüfterdimmer herunterregeln, als einen permanent unter Volllast jaulenden Kleinlüfter. Schont Nerven und Geldbeutel.

Entscheidend für die Lebensdauer ihres Flowhoods ist die Vorfilterung der in die Druckkammer eingeblasenen Luft. Ohne geeigneten Vorfilter verstopft der Hepafilter deutlich schneller und muss dann ersetzt werden. Damit der Vorfilter wirkungsvoll arbeiten kann, müssen Sie eine Vorfilterfläche von mindestens der Hälfte der Fläche des Hepafilters einplanen. Bei einem Hepa mit den Maßen 60x60 cm  brauchen Sie also eine Vorfilterfläche von ca. 42x42 cm. Bei Radiallüftern verbaut man die Lüftereinheit in eine Box, auf deren Oberseite (oder auch an den Seiten) Vorfiltervlies gespannt wurde. Rohrventilatoren lassen sich bequem an sog. Filterkörbe ankoppeln. Vermeiden Sie unbedingt, einfach die Ansaugöffnung des Lüfters mit Vlies zu umspannen, die Filterwirkung ist unzureichend, da der Luftstrom zu stark ist.

Die zusätzliche Installation einer geschlossenen "Arbeitsgalerie", direkt vor die Druckbox verbaut, erhöht die Sicherheit, da jetzt wirklich keine Keime mehr "einwandern" können. 


Mein Eigenbau mit angeschlossener "Arbeitsgalerie"

Flüssigmyzel, Flüssigbrut, "Flümy"

Flümy besteht aus einer sterilisierten Nährlösung und enthält idealerweise tausende kleiner Myzelfragmente. Es ist idealerweise ein aus einer möglichst jungen Reinkultur mit geringem P-Wert⬇️ entnommenes Myzel, welches durch ein spezielles Verfahren mithilfe einer sterilen Nährlösung vervielfältigt wurde. 

Flümy hat aber neben den Vorteilen einer extremen Schlagkräftigkeit, moderat guter Lagerfähigkeit und der Einfachheit der Verarbeitung einen ganz entscheidenden Nachteil. Weil es durch den Herstellungsprozeß schon kräftig degeneriert ist, eignet es sich wirklich nur für den direkten Verbrauch. Es ist prima geeignet, um Brutmaterial zu beimpfen, welches unmittelbar eingesetzt werden soll. Aber nicht, um es als Flüssigmyzel endlos weiter zu strecken, um mehr Impfmaterial zu erhalten. Oder um sich eine Kultur "auf Bank" zu legen, mit der man vielleicht viele Jahre arbeiten möchte. 

Für Anfänger ist Flümy hilfreich, erste Ergebnisse lassen sich schnell und einfach realisieren. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Der Grund, warum Flümy im Idealfall viel schneller in die Körner oder ins Substrat einwächst, ist die extrem stressige Behandlung während der Herstellung. Solches Myzel ist häufig auf Notfruchtung "programmiert", der erste Flush im Endsubstrat wird meist schnell kommen und gut werden, regelmäßig verweigern solche Kulturen aber eine zweite Welle, oder lassen sich überlang Zeit mit der Erholung nach dieser Turbo-Prozedur.

Viele der am Markt erhältlichen Produkte sind lediglich "gestreckte" flüssige Vorkulturen und werden eben leider nicht aus einer frischen Reinkultur erzeugt. Der generative Status (P-Wert) solcher Produkte erreicht oft dreistellige Werte. Ihr Brutmaterial wird dann beimpft mit einem Klon vom Klon vom Klon vom Klon vom Klon etc. 

Ertrag, allgemeine Performance, Farbbildung, Geschwindigkeit und Fruchtungsbereitschaft lassen mit jedem weiteren vegetativem Vermehrungsschritt solch einer bereits degenerierten Vorkultur nach, Krankheiten durch nachlassende Resistenz, Minderertrag und generell unwillige und langsame Kulturen sind die Folge. Besonders deutlich wird das Phänomen bei den hochgezüchteten Industriehybriden, deren Genetik degeneriert erheblich schneller als die von Inzuchtstämmen aus Wildpilzen.

Sich selbst brauchbares Flüssigmyzel herzustellen, erscheint vielen Züchtern irgendwann naheliegend. Beginnen Sie aber nicht zu früh damit. Perfektionieren Sie zuerst ihre sterile Arbeitstechnik und erweitern Sie Ihr Wissen um P-Werte und die individuellen Eigenschaften ihrer Myzelien. Ein intensives Studium von Kontaminationen ist genauso wichtig, züchten sie ruhig einmal gezielt Bakterien, (Haut)hefen oder Schimmel. Das Arbeiten mit Reinkulturen, idealerweise auf Petrischalen, sollten Sie so gut beherrschen, daß Sie die aktuelle Wüchsigkeit ihrer Kultur jederzeit richtig einschätzen und Kontaminationen klar erkennen können. 
Sie müssen am Ende der Prozedur ihr hergestelltes Flüssigmyzel auf Reinheit prüfen. Möglichst, ohne dafür wertvolles Getreide zu verschwenden. Deshalb ist das vorherige Erlernen des Abstrichverfahrens auf Petrischalen nicht nur vorteilhaft, sondern eigentlich verpflichtend.

Ahnungslose versuchen, ihr Flümy unsteril herzustellen oder verwenden sogar unsterile Pilzstücke zur Animpfung. Ohne geeignete Vorkultur und das Wissen, wie man diese in seine Nährlösung verimpft, braucht man aber gar nicht erst anfangen. Und selbst, wenn man über entsprechende Möglichkeiten wie eine saubere Reinkultur, Dampfdruckkessel, Impfstation und Magnetrührer verfügt, ist es nicht sooo leicht, wie einige "Pilzzuchtlehrer" es Ihnen gerne weißmachen wollen. Bei der Arbeit mit Flüssigmyzel wird jeder noch so kleine Fehler sofort mit Totalausfall bestraft.

Vernünftiges Flümy herzustellen, ist viel schwerer als man anfangs glaubt. Ohne Vorerfahrungen in der Agararbeit bleiben ihre Versuche experimentell.

G2G- Verfahren

Mit dieser Methode lässt sich hergestellte Körnerbrut im Maßstab 1:10 vermehren. Dabei nutzt man die "Mutterbrut", um weitere Körner anzuimpfen. Dieser Vermehrungsschritt lässt sich noch mehrfach wiederholen. So können Sie aus einem Liter Mutterbrut in wenigen Wochen 1000 Liter machen. Voraussetzungen: Strikte sterile Verarbeitung und die Verwendung einer jungen Reinkultur als Ausgangsmaterial. 

Myzel der krausen Glucke, durch Mutterbrut auf diese Folgekultur übertragen.

Guttation (Exsudat, "Pilzpippi")

Pilzkulturen bilden Stoffwechselprodukte in flüssiger Form. Diese lassen sich manchmal schon in Vorkulturen erkennen, machen sich aber vor allem im Substratbeutel bemerkbar, wo sie vom Züchter eher unerwünscht sind. Noch nicht besiedelte Substratanteile, die sich mit den Exsudaten vollsaugen, werden vom Pilz nicht mehr durchwachsen. Guttierende Kulturen sind manchmal ein Hinweis auf noch enthaltene Kontaminationen im Substrat, bei kälteliebenden Pilzen wird die Guttation aber oft auch durch zu warme Haltungsmethoden ausgelöst. Stark "schwitzende" Kulturen können aber auch immer ein Zeichen für ein besonders aktives und vitales Wachstum sein. 

Entfernen Sie überschüssige Flüssigkeit in Beuteln auf folgende Weise: Drehen Sie die Beutelkultur auf den Kopf und lassen Sie das Wasser in eine Ecke des Beutels ablaufen. Knicken Sie die Ecke mit der Flüssigkeit ab und versiegeln Sie den Beutel mit einem Balkensiegler, und zwar so, daß die isolierte Ecke mit dem Wasser sich später ganz bequem mit einem Scherenschnitt entfernen lässt, ohne daß der sterile Beutelinhalt kontaminiert wird. Sie können das Wasser auch vorsichtig herauslaufen lassen und den Beutel sofort wieder verschließen, allerdings ist diese Methode nur zu empfehlen, wenn der Beutel sowieso demnächst geöffnet werden soll.

Exsudat AUF den Pilzen ist meist ein deutlicher Hinweis auf eine Kontamination im Substrat.Der Pilz reagiert mit dem vermehrten Ausstoß von eiligst gebildeten, individuell auf den Angreifer zugeschnittenen Abwehrstoffen. Die Fähigkeit des Pilzes, solchen Abwehrstoff gezielt zu bilden, machen diese Flüssigkeit für die Forschung interessant. Ärgert man Pilze mit bestimmten Bakterien, produzieren sie Abwehrstoffe dagegen. Auf diese Weise lassen sich möglicherweise Stoffe isolieren, die dem Mangel der modernen Medizin an (noch) wirksamen Antibiotika entgegenwirken können. 

Hybriden

Pilze lassen sich nicht ohne weiteres miteinander kreuzen. Eine Kreuzung aus einem Austernseitling und einem Champignon werden Sie noch nicht gesehen haben. Trotzdem lässt sich ein deutscher Austernseitling mit einem amerikanischen oder indischen verpaaren. So lassen sich unerwünschte Merkmale wegzüchten.

Beispiel: Ein dunkler, dickfleischiger und ertragsreicher, aber leider auch dickhäutiger, gemächlicher und geschmacksarmer Kerl aus dem Nachbarort, der es zur Fruchtung aber eiskalt braucht. Den verheiraten wir mit einer zarten Variante aus den Tropen, die vielleicht hell, dünnfleischig und eher ertragsarm, dafür aber besonders temperamentvoll, wohlschmeckend und dünnhäutig ist.

Das Ergebnis ist idealerweise eine Nachkommenschaft, die ausschließlich die positiv gewünschten Merkmale hervorzeigt. In unserem Falle einen dunklen, dickfleischigen, aber dünnhäutigen, schnellwachsenden, wohlschmeckenden Stamm, der auch in warmem Klima fruchtet.

Manchmal kommt bei einer Hybridisierung der "Heterosis-Effekt" ins Spiel, dann verstärken sich die Eigenschaften in den Folgegenerationen sogar noch. Dann wird der Pilz noch dunkler als der "Vater" oder wächst noch schneller als die "Mutter", um beim vorherigen Beispiel zu bleiben.

Die Zuchtindustrie arbeitet bei den gängigen Speisepilzen ausschließlich mit speziell angepassten Hybridzüchtungen. Fortgeschrittene Hobbyzüchter sind auch mitunter auch ohne Mikroskop, nur mithilfe von Verdünnungstechniken und eines Drigalski-Spatels in der Lage, das zur Anzucht benötigte haploide Myzel einer Einzelspore zu isolieren und aus zwei Linien derselben Pilzart einen Hybriden herzustellen.

Als Besonderheit gelten sogenannte interspezifische Hybriden. Tatsächlich lassen sich bei bestimmten Gattungen verschiedene Arten miteinander "kreuzen". Vom Kräuterseitling ist bekannt, daß er sich mit verschiedenen nahen Verwandten einlässt. Die Ergebnisse solcher teilweise millionenschweren Neuentwicklungen heißen dann "Bailin-Gu",  "Shirakami Awabitake" oder "Shimofuri hiratake" alias "Black Pearl". Es gibt auch interspezifische Hybriden verschiedener Cordyceps-Arten, der legendäre Stamm CS5 von Aloha Medicals ist ein Hybride aus
C.sinensis und C.militaris. Der Stamm ist nicht fruchtungsfähig, lässt sich aber im Bioreaktor vermehren, um das Myzel zu gewinnen. 

In vielen Teilen der Welt fallen solche Chimären unter die Novelfood-Verordnung und gelten als nicht handelbar, so auch in Deutschland. Die Erzeugung von interspezifischen Hybriden ist großen Labors vorbehalten, es kommen exotische Materialien wie Klapperschlangengift zum Einsatz, um die Beteiligten zum Austausch ihrer Zellkerne zu bewegen. 

Der Superhybride Black Pearl gilt als relativ leicht züchtbare Delikatesse. Leider darf der Pilz in Europa als Zuchtpilz nicht auf den Markt, da er als Novel-Food bewertet wurde.

Impfport

Stopfen aus Butylgummi oder Silikon.
Mit selbstheilenden Impfports ist das Verimpfen von Flüssigmyzel mit Spritze und Kanüle auch ohne sterile Arbeitsumgebung möglich. Impfports finden sie hier im
Shop...

Impfstopfen sind einer der Mitgründe für die steigende Popularität von Flüssigmyzel, sie erleichtern die Verarbeitung enorm. 

ISO (Isopropanol)

Reinigungsalkohol ist aus der Pilzzucht nicht wegzudenken. Zur Abreinigung von Oberflächen und zur Handdesinfektion ist er das gängige Mittel. Er ist leicht verfügbar und sollte zur Verwendung immer auf eine Stärke von 70% herunterverdünnt werden, um eine bessere Benetzung, eine verzögerte Verdunstung und die volle Wirsamkeit gegen Bakterien und Keime aller Art zu erreichen. 100%iges Isopropanol sorgt für eine Verhärtung der Zellwand bei bestimmten Organismen und ist dann nicht mehr garantiert wirksam. Abgekochtes destillliertes Wasser ist zur Verdünnung am Besten geeignet, sie vermeiden sich absetzenden Kalk, der langfristig die Düse ihres Handsprühers verstopft. Es gibt aber auch bereits auf 70% herunterverdünntes ISO. 

Generell gilt immer, alkoholische Desinfektionsmittel lange genug einwirken zu lassen. Tragen Sie lieber eine größere Menge auf und lassen die Fläche für eine gewisse Zeit richtig naß, statt nur kurz mit einem alkohol-befeuchteten Tuch abzuwischen. 

Für ein selbstgemachtes Handdesinfektionsmittel können Sie auch etwas Glycerin einarbeiten. Das entstandene, hautfreundlichere Gemisch eignet sich aber nicht gut zur Abreinigung von Glasflächen oder Petrischalen, da es Schlieren hinterlässt.

Brennspiritus, wie ich ihn selbst lange verwendet habe, hat einen entscheidenden Nachteil. Die enthaltenen Gällmittel hinterlassen auf den Fingern einen ekeligen Geschmack und verbleiben in Nano-Form überall dort, wo man ihn einsetzt. Bestens geeignet, um sich seinen HEPA-Filter nachhaltig zu verstopfen!

Manche, als reines ISO angebotene Billigprodukte enthalten Verpanschungen mit vergälltem Brennspiritus. Hüten Sie sich vor solchen Produkten, bitter dürfen Nebel aus dem Alkohol nie schmecken, hicks...

Achten Sie bei der Arbeit mit Alkohol auf einen geeigneten Luftabzug und arbeiten Sie mit offenen Flammen nur dann, wenn Sie ausreichend Erfahrung besitzen. Ein Löschtuch oder Feuerlöscher in Griffweite ist dann verpflichtend.

Desinfektionsmittel sind erforderlich, um Arbeitsflächen und Hände keimarm zu halten. Kleine Handfläschchen sind praktisch, um das Mittel effektiv, aber sparsam einzusetzen. Verwenden Sie stets nur ganz frisches Küchenpapier zum wischen und entsorgen Sie die Tücher dann unmittelbar.

Kälteschock

Diverse Arten von Winterpilzen schalten nach der Besiedelung schneller auf den Fruchtungs-Modus um, wenn man sie für 24 Stunden im Kühlschrank (bei etwa 3°C - 8°C) kälteschockt. 
Dieser gärtnerische Kunstgriff sagt dem Pilz, daß es Zeit wird, zu fruchten. 
Wilde Winter-Austernseitlinge und Samtfußrüblinge brauchen dieses Verfahren zwingend, auch der Nebrodini kommt nicht ohne den Schock in die Fruchtung. Shii-take und die meisten typischen Herbstpilze profitieren ebenfalls. Den meisten industriell genutzten Kulturlinien der Winterauster und des Samtfußrüblings hat man diese Notwendigkeit aber weggezüchtet. 

Eine Nacht im Kühlschrank hilft vielen Kulturen auf die Sprünge...

Kaffee

Der oft empfohlene Kaffeesatz als Substratzutat birgt neben seinen Vorteilen ein gewisses Risiko. Dieser oft auch in größeren Mengen leicht verfügbare Rohstoff muss für eine weitere Verwendung am selben Tag zu Substrat verarbeitet und mit entsprechenden Verfahren erneut entkeimt werden. 

Sie können Kaffeesatz aber auch sehr gut einfrieren und ihn später unter Beimischung von Holz- oder Strohanteilen zu Endsubstraten verarbeiten. Auch eine Trocknung im Backofen ist möglich. 

Unsachgemäß gelagerter Kaffeesatz schimmelt sehr schnell an und ist dann nicht mehr geeignet. Er enthält generell keine schnell verfügbare Zucker oder nennenswerte Mengen an Stickstoff, dafür aber einige Mineralien. Leider ist er auch nur dann BIO, wenn sie ihn als Rohkaffee in Bioqualität einkaufen. 

In ausgereifter industrieller Produktion wird Kaffee bisher nicht als Pilzsubstrat verwendet. Für mich gehört Kaffee wie auch Coir (gemahlene Kokosfaser) eher in die Abteilung "Inertes Trägersubstrat".  Gut dafür eignet, Kulturen auf Getreide durch Bereitstellung eines luftigen, aber sonst nährstoffarmem Trägersubstrates zur unmittelbaren Fruchtung zu verhelfen. 

Der Nutzen von Kaffeesatz ist umstritten. Viel besser geeignete Rohstoffe vergammeln im Millionen-Tonnen-Bereich jedes Jahr auf unseren Feldern und im Wald.

Kontis

Der Überbegriff für alle Arten Kontamination, die Ihre Pilzkultur unbrauchbar werden lassen. In der Regel handelt es sich um Bakterien, Hefen oder Schimmel. Ist Ihre Kultur bereits vor der Öffnung verkeimt, haben Sie diese Konti durch unsachgemäßes Arbeiten, mangelnde Entkeimung des Substrates oder durch die Verwendung von nicht einwandfreiem Brutmaterial ermöglicht.

Kontaminationen, die erst später nach dem "birthing" im Fruchtungsraum meist auf der Oberfläche auftreten, sind oft über die Luft, Fluginsekten oder durch unsachgemäße Handhabung an die Kulturen gelangt und schwerer zu verhindern. 

Anfänger in der Zucht sind gut beraten, tatsächlich einmal gezielt Kontaminanten zu züchten, um deren Wachstumsverhalten kennenzulernen. Streichen Sie einen Tropfen aus einer stark überreifen Weintraube auf einen sterilen Nährboden, um Bekanntschaft mit bunten Hefen zu machen. Ein Abstrich aus der Verpackung eines Frosthähnchens zeigt ihnen, wie Salmonellen wachsen. Aus einem Stückchen Grashalm werden auf einem sterilen Malzagar gleich mehrere ihrer künftigen Gegner sprossen.

Dieser Grünschimmel wuchs bereits am Impfstück, der Mandelegerling hat auf der neuen Petrischale gleich erstmal einen Schutzwall gebaut.

Klonen

Pilze lassen sich nicht nur generativ, also über die Sporen vermehren. Man kann genau wie bei Pflanzen "Ableger" nehmen, dabei spricht man von vegetativer Vermehrung. Bei Pilzen verwendet man sauberes Gewebe aus dem Inneren eines Fruchtkörpers, dieses wächst auf einem neuen Nährboden an. 

Zuchtpilze lassen sich leichter klonen als Wildpilze, diese sind oft schwerer verkeimt und brauchen häufig eine mehrstufige Nachbehandlung, um frei von Kontaminationen zu werden. 

Das erreicht man, indem man saubere frisch gewachsene Myzelfragmente auf einen neuen Nährboden überträgt, bis die Kultur eindeutig rein ist.
Unter Züchtern wird dieses Verfahren "Sauberziehen" genannt.

Genau aus dieser Zone heraus holen Sie sich das Impfstück! Im Übergang von Stiel zu Hut ist die Konzentration von undifferenziertem (nicht auf Verdauung, Stiel-oder Hutbildung "programmiertes")  Gewebe am höchsten, sich daraus bildendes frisches Myzel eignet sich zur Weitervermehrung am Besten.

Master-, Mutter-, Stammkulturen

Bei einer strukturierten, regelmäßigen Nachzucht arbeitet man mit Kulturen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Vorrangige Merkmale sind genetisches Alter (P-Wert⬇️) geprüfte Reinheit und die Möglichkeit, diese Kulturen schnell und einfach auf Folgemedien zu überimpfen.

Profis arbeiten mit Cryo-Verfahren, um ihre Stammkulturen langfristig zu sichern. Röhrchen oder Petrischalen sind für die meisten Züchter praktischer, Lagerungen von Agarwürfeln oder besiedelten Körnern in sterilem Wasser oder Paraffinöl gelten unter Fortgeschrittenen ebenfalls als geeignet.

Aus diesen gekühlten Langzeit-Stammkulturen einer möglichst jungen Linie legen sich die meisten Züchter zuerst Zwischen-Master an, aus denen sie dann erste Brut erzeugen. So kann die Stammkultur lange verwendet werden, da man immer nur Spuren entnehmen muß. 

Tipp: Überfrachten Sie sich anfangs nicht mit zu vielen Arten, sondern lernen Sie zunächst, wie gesundes schnellwachsendes Myzel der betreffenden Pilzart aussieht, um nicht unnötig Stämme einzulagern, die sowieso nichts taugen.

Die Anlage und Pflege einer größeren Stammkulturen-Bank ist aufwändig und zeitintensiv. Sie erfordert eine fortgeschrittene Praxis in der Steril- und Agararbeit. 

Monsterbildung

Verbleibt die fruchtende Kultur zu lange im geschlossenen Zuchtbeutel, kommt es zu mitunter grotesken Wuchsformen der Fruchtkörper oder deren Vorstufen. Nur sehr wenige Arten vertragen eine Prozedur in dem meist extrem stickigen Milieu. 

Geben Sie trotzdem die Kultur nicht auf, wenn Sie zu spät bemerkt haben, daß die Kultur längst fruchten will. Oft hilft nur eine Radikalkur, bei der Sie das gesamte Material bis auf die Substratoberfläche herunterkratzen. Gehen Sie dabei so sauber wie möglich vor und verschließen den Beutel erneut mit einem Balkensiegler oder mit Klebeband.
Wenn ihre Kultur wirklich gesund und kräftig war, werden sich innerhalb weniger Tage erneut Primordien zeigen. 

Es gibt auch schöne Monster! Ein zu lange im geschlossenen Beutel gewachsener Austernseitling. Hat lecker geschmeckt...

Morchella-Syndrom

Morcheln sind in rohem Zustand schwer giftig. Sie müssen daher lange genug gekocht werden. Das gilt auch für Trockenpilze, obwohl in denen das bisher unbekannte Gift teilweise abgebaut wird. In der Regel wird der Pilz, wenn ordnungsgemäß zubereitet, von den meisten Menschen gut vertragen. 

Der Verzehr von frischen Morcheln kann aber bei dafür prädestinierten Menschen eine Vergiftung auslösen, selbst wenn die einwandfreien Pilze ordungsgemäß zubereitet wurden. Neurologische Störungen wie Schwindel, Zittern, Sehstörungen, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Blackouts, Muskelschwäche, Verwirrung, Erregung, Krampfanfälle und sogar Depressionen können die Folge sein. 

Das Tückische: In vielen Fällen tritt das Syndrom nicht unbedingt nach dem erstmaligen Verzehr auf, oft berichten Betroffene, sie hätten den Pilz jahrelang gegessen, ohne Probleme zu bekommen. Hat man jedoch einmal die obengenannten Symptome erfahren, führt jede weitere Genußprobe unweigerlich erneut zu den mitunter heftigen Beschwerden, selbst bei nur ganz geringen verzehrten Mengen. 

Diese Art schleichende Anreicherungs-Vergiftung, bei denen oft jahrelang nichts passiert, die sich aber dann plötzlich durch heftige Symptome offenbart, ist auch von anderen Schlauchpilzen bekannt. Betroffene Menschen müssen daher besser lebenslang auf den Genuß von Morcheln verzichten.

Einer der besten Speisepilze unter der Sonne: Morcheln. 
Es gibt mehrere Dutzend verschiedene Arten, einige lassen sich züchten. In China werden Morcheln mittlerweile im industriellen Maßstab erzeugt.

Mycoremediation

Die Fähigkeit bestimmter Arten, sie auf ein komplett synthetisches Substrat "trainieren" zu können, macht man sich bei dieser Form der ökologischen Boden- und Wassersanierung zunutze. Die Methode gilt als schonend, aber effektiv. Es gibt Zuchtlinien von Austernseitlingen oder Sägeblättlingen, die in der Lage sind, Schweröl aufzuschließen oder umweltgefährdende Abwässer aus Industriebetrieben zu entgiften. Natürlich wird man diese Pilze nicht essen.

Leider gibt es noch sehr wenig nachvollziehbares "Beweismaterial" für das wirkliche Funktionieren der Methode. 

Nematoden

Von einigen wenigen Pilzen ist bekannt, daß sie im Substrat lebende Fadenwürmer (Nematoden) fangen und verdauen. Der Austernseitling bildet besondere Schlingenfallen aus, der Schopftintling lähmt die Nematoden sogar mit einem eigens produzierten schwachen Gift. Auch der Kulturträuschling kann dieses tierische Eiweiß bestens verwerten.

Nematoden werden in der Champignonzucht ganz gezielt  eingesetzt. Sie sollen einen Befall mit der gefürchteten Trauermücke verhindern oder zumindest erschweren.

P-Wert, Generativer Status

Eine unvermeidliche Tatsache, die alles Leben auf diesem Planeten betrifft (auch Menschen und Pilze) ist, dass wir altern. Wenn wir jung sind, ist die Zahl der nachgeschalteten Zellteilungen enorm, nimmt aber mit zunehmendem Alter immer mehr ab. Wir alle wissen: Wenn wir altern, werden wir weniger vital und anfälliger für Krankheiten.
 
Das Gleiche gilt für Pilzstämme. In den 1970er Jahren haben Champignonzüchter ein einfaches System entwickelt, um das Alter von Pilzstämmen anhand ihres sukzessiven Wachstums in einer mit Nährstoffen gefüllten Petrischale zu bestimmen. Wenn ein Stamm zum ersten Mal aus einem Pilz in freier Wildbahn isoliert wird und das Myzel vom Mutterpilz auf einer Petrischale wächst, wird er als P-1 bezeichnet. Auch bei einer isolierten Sporenkultur spricht man von einer P-1. 

Später wird die Kultur auf eine neue Petrischale übertragen, die dann
als P-2 bezeichnet wird, und mit jedem weiteren Transfer erhöht sich der 
P-Wert entsprechend. Dies hat sich als eine wichtige Methode erwiesen, um die Stämme in ihrer maximalen Vitalität zu erhalten. Das P-Wert-System ist der Schlüssel, um Pilzstämme mit der größten Wirksamkeit und genetischen Vitalität zu produzieren.
 
Pilze haben ein Immunsystem, genau wie Menschen. Im Laufe der Jahre habe ich von anderen Pilzliebhabern Pilzkulturen erhalten, ohne Angaben zu ihrem Alter. Oft verlangsamten diese Kulturen plötzlich ihr Wachstum, wurden anfälliger für Krankheiten oder hörten sogar ganz auf zu wachsen. Stämme, die nach und nach mit niedrigen P-Werten gezüchtet wurden, übertrafen die gleichen Stämme mit hohen P-Werten. 
 
In der Pilzzucht führen überalterte Kulturen zu großen Problemen. Viele Züchter wissen oft viel zu wenig über die Bedeutung der Erhaltung junger Kulturen. In der Öffentlichkeit ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass ein kleines Gewebefragment von der Größe eines Fingernagels in kurzer Zeit zu Hunderten oder sogar Tausenden von Kilos Pilzbiomasse heranwächst. Wenn die Stämme nicht über eine ausreichende Vitalität verfügen, gelingt es den Pilzen oft nicht, ein gesundes, kräftiges Myzel zu produzieren, das alle nützlichen Verbindungen enthält, die in identischen, in der Natur wachsenden Stämmen zu finden sind. Das bedeutet in der Konsequenz, dass der Verbraucher oft ein Produkt erhält, das weitaus minderwertiger ist als ein Produkt, das aus jüngeren Pilzstämmen gezogen wurde. 
 
 Frei nach Paul Stamets

Jeder Vermehrungsschritt lässt unsere Kulturen altern. Links ein geklonter Wildfund, Status P-1.
Rechts ein Klon aus der linken Petrischale, dieser hat jetzt den Status P-2.


Pinset

Die ideale Anordnung und Menge von Primordien (Fruchtkörper-Vorstufen) auf dem Substrat, die dann alle auch später zu großen Pilzen heranwachsen. Ein ideales Pinset führt zu Höchstertrag, weil Sie durch geeignete Maßnahmen verhindert haben, daß sich Fruchtansätze bilden, die später zu Aborten⬆️ verkümmern. 

Nicht alle Fruchtungsstrategien funktionieren für alle Pilzarten. Ein Austernpilz fruchtet als Schwarmpilz, Kräuterseitlinge in Gruppen, 
Porlinge als Einzelpilze. Champignons und andere Bodenbewohner brauchen Fläche. 

Ein ideales Pinset für z.B. Austern aller Arten haben Sie erreicht, wenn sich durch ihre aktive Mithilfe nur ganz wenige schwarmartige Vorstufen und sonst keine weiteren Ansätze entwickeln. Verzichten Sie lieber auf großflächige Fruchtungen und öffnen Sie dem Pilz nur wenige Löcher. Diese Strategie ist bei vielen Arten anwendbar, sie vermeiden oder verzögern Kontaminationen, die Kultur verliert auch nicht soviel Feuchte.

Ein optimales Pinset bei einer Kräuterseitlings-Kultur

Primordium, Primordie

Wie der lateinische Name schon ahnen lässt... 
der oder die ersten Versuche Ihrer Kultur, aus dem Stadium des Anfressens und Verdauens in die letzte entscheidende Phase überzugehen: Die Erzeugung von Nachkommenschaft! Fruchtbildung! Pilze! 

Erste Verdickungen des Myzels auf der Oberfläche  entwickeln sich rasch zu regelrechten Knoten und werden nur wenige Stunden später zu den ersten Vorboten Ihres Erfolgs, den ersten kleinen Mini-Pilzen!

Die Primordienphase ist von allen Phasen der Zucht die heikelste. Fehler bei der Luftfeuchte oder beim Luftaustausch während dieser Phase rächen sich sofort. Robuste Arten werden trotzdem einen Weg finden, neue Ansätze zu bilden, falls die ersten Ansätze wegtrocknen oder verkümmern. Bei empfindlichen Arten ist es aber manchmal schwerer, die Kultur auf die Schnelle ein weiteres mal zur Fruchtung anzuregen.

Halten Sie also unbedingt höchste Feuchtewerte und gleichzeitig einen ausreichenden Luftaustausch ein und inspizieren Sie Ihre Kulturen täglich!

Taubenblaue Mini-Seitlinge, die sich nach Licht und Luft strecken....

Scratching

Der in Asien als "Kinkaki" bezeichnete gärtnerische Kunstgriff wird benutzt, um die gesamte Oberfläche (oder einzelne Stellen) von besiedelten, fruchtungsreifen Beutel- oder Flaschenkulturen gezielt zu stören oder zu verletzen, um eine Primordienbildung auszulösen. Gängige Methode für z.B. Buchenraslinge bei Flaschenkulturen in der asiatischen Industrie ist die "Rasur" der Oberfläche mit rotierenden (permanent feuersterilisierten) Messern. Hobbyisten kratzen einfach mit einer sauberen Gabel auf der Oberfläche herum, bei Kräuterseitlingen reicht oft eine Störung der Oberfläche durch eine kleine "Massage", die auch durch den geschlossenen Beutel erfolgen kann. 

Nicht für alle Pilzarten notwendig oder angeraten! Schüpplinge, Raslinge und alle bodenlebenden Streuzersetzer profitieren aber deutlich oder brauchen es vor Aufbringung der Deckerde (Casing) zwingend. 

Kräuterseitlinge profitieren besonders von der gezielten Störung der Oberfläche.

Sklerotium

Einige Pilzarten bilden in der Natur keimfähige Überlagerungsformen.
In diese "Trüffel" zieht sich der Pilz zurück, wenn es in der Natur zulange
zu trocken ist und sich keine Möglichkeit zur Bildung von echten Fruchtkörpern bietet.
Beispiele für sklerotienbildende Arten sind Morcheln, Kremplinge, Kokospilze, Sklerotien-Stielporlinge und bestimmte Arten von karibischen Träuschlingsverwandten. Auch die Knollen vom
Chaga werden zu den Sklerotien gezählt. Vom Königsknollenpilz ist bekannt, dass seine Sklerotien bereits im alten Rom auf Märkten verkauft wurden. Im feuchten Keller zur Fruchtbildung angeregt, bildeten sich in den pilzarmen Wintermonaten dann leckerste Speisepilze. Funktioniert noch heute! Wenn Sie während der Kultivierung des Pilzes die Knollen aus dem Substrat entnehmen und verpflanzen, treiben bald Fruchtkörper heraus.

Chaga-Sklerotien gelten vielen Pilzfreunden als Medizin, sie enthalten jedoch hohe Mengen an nierenschädigender Oxalsäure. Nur in hochwertigen Extrakten gilt dieser Stoff als "ausgefällt"

Strain

Strain bedeutet " genetischer Stamm, genetische Linie". In der Regel kennt der Züchter die genauen Wuchseigenschaften seines Strains und hat möglicherweise bestimmte gewünschte Eigenschaften durch die Wahl der Elternsporen sozusagen vorprogrammiert. Aber auch ein Wildfund aus dem Wald ist ein Strain.

"Die meisten Pilze produzieren Sporen. Wenn eine Pilzspore keimt, hat das Myzel, das aus der Spore hervorgeht, in der Regel einen Kern pro Zelle, und wir bezeichnen dies als Hyphen oder monkaryotisches Myzel. Wenn sich die Hyphen, die aus zwei einzelnen Sporen der gleichen Spezies entstanden sind, kreuzen, verbinden sie sich, wenn sie kompatibel sind, und tauschen ihre DNA aus. Das resultierende Myzel hat im Allgemeinen zwei oder mehr Kerne pro Zelle und wird als dikaryotisches Myzel bezeichnet. Dieses Myzel, das aus zwei separaten Hyphen gebildet wird, ist die eigentliche Definition eines Strains."  (Zitat:Roger Rabbit)

Bestimme Strains sind das Ergebnis jahrelanger züchterischer Arbeit, aber auch der Klon eines Wildpilzes ist genau genommen ein Strain.

"Strohwurst"-Verfahren

Bei diesem unsteril durchgeführten Verfahren stopfen Sie das beimpfte Strohsubstrat in spezielle LDPE-Endlosbeutel, wie im Shop erhältlich.
Die Beutel können an den Enden verknotet oder verschweißt und später ganz bequem im Zuchtraum aufgehängt werden. Achten Sie darauf, das Substrat möglichst fest in die Beutel einzustopfen und vermeiden Sie ein Substrat aus reinem groben Hächselstroh. Eine Mischung aus groben Hächseln, Kälberstroh (feines Hächselstroh) und Strohpellets funktioniert sehr gut.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Anbringung von Atemlöchern. Desinfizieren Sie Ihr Arbeitswerkzeug wiederholt und sorgfältig, damit möglichst keine Fremdkeime ans Substrat gelangen.
Nadelwalzen aus dem Heimwerkerbedarf sind gut geeignet, eine Sicherheitsnadel tut es aber auch.

Strohwürste kann man platzsparend aufhängen. Ideale Methode für winterliche Aussenkulturen.

Substrat

Als Substrat bezeichnet man generell die Unterlage, auf denen der Pilz wächst. In der Natur sind das häufig tote Stämme oder auch einfach der Boden, aus dem sich durch die allmähliche Zersetzung der Laub-oder Nadelstreu ein reicher Nährboden entwickelt hat.

In der Zucht verwendet man meist synthetische Substrate, die an die Erfordernisse des Pilzes angepasst wurden. Synthetisch bedeutet aber nicht künstlich im eigentlichen Sinne, die Substratanteile sind immer völlig natürlich. (Holz, Stroh, Getreide, etc.)

Die meisten Arten sind anfangs mit einem Nährboden auf Basis von Malz-oder Traubenzucker zufrieden. Für die nächste Stufe, das Brutmaterial für das Endsubstrat, verwenden Züchter meist Getreide. Im Endsubstrat landen dann meist Sägemehl, Stroh, Hanf, Flachs und dergleichen.

Eine umfangreiche Einführung in die  Substratherstellung und die wichtigsten Standardrezepte der Pilzzucht finden Sie
hier....

Geraspelte Buchenspäne gelten als Universalsubstrat für viele Zuchtpilze.

Taping, Side-fruiting

Verkleben erweist sich bei vielen Zuchtpilzen, die während der Brutphase in geschlossenen Beuteln heranwachsen, und die man später nicht auf der Oberfläche, sondern an den (aufgeschnittenen) Seiten des Beutel fruchten will, als Maßnahme der Wahl, um eine unkontrollierbare Fruchtbildung auf der Oberfläche zu unterbinden. 

Drücken Sie nach erfolgreich abgeschlossener Kolonisation des Substrats zuerst alle Luft durch den Filter aus dem Beutel. Klappen Sie dann den Beutelüberstand einfach über die Kultur und verkleben ihn. Mit etwas Geschick läßt sich der Beutelüberstand von oben nach unten einrollen, fixieren Sie diese Rolle direkt auf der Oberfläche und überkleben Sie es mit Tape. 

Jede verbleibende Lufthöhle bietet dem Pilz die Chance, hineinzuwachsen, das wollen Sie lieber verhindern. Öffnen Sie dann die Kultur entweder mit vorsichtigen Schnitten (Hakenskalpell) oder kleinen Fenstern, je nach Art und Fruchtungsstrategie.

Neben der effektiven Verhinderung von Kontaminationen auf der Oberfläche ist auch der geringere Feuchteverlust ein Argument für die Side-fruiting-Technik.

Bei Seitlingen ist die Side-fruiting-Methode oft die ertragreichste.

TCM

Abkürzung für Traditionell Chinesische Medizin.
In Fernost weiß man schon sehr lange von den  gesundheitsfördernden Eigenschaften verschiedener Pilze. 

Top-Fruiting

Fruchtungsstrategien unterscheiden sich nach der natürlichen Erscheinungsform der Pilze. Bodenlebende Pilze müssen tatsächlich an der Oberseite der Beutel-, Glas- oder Wannenkultur zur Fruchtung kommen, wie in der Natur auch. 
Viele holzzersetzende Arten fruchten hingegen besser an den geöffneten Seiten der Kultur, ohne die Oberfläche freizulegen.

Kräuterseitlinge wachsen besser nach oben heraus.

Zuchtkabine

Das Innere der Kabine muß idealerweise wasserdicht und beständig gegen Reinigungsmittel sein.
Plastik, Glas, Stahl und Keramik sind erlaubt, rohes Holz nicht. Verputzte Flächen können mit einem Kalkanstrich behandelt werden. 
Die Konstruktion sollte hermetisch geschlossen sein, damit keine Insekten eindringen können. Zelte aus dem Growbedarf für Hanffreunde eignen sich besser als billige Tomatenzelte, weil Ein- und Auslässe für Lüfterschläuche sowie Kabeldurchführungen meist integriert sind. Ein Abfluss im Raum erleichtert die regelmäßig nötige Reinigung. Ein kleineres Zelt stellt man in eine Wanne. 

Eine Lüftungsanlage sollte idealerweise permanent laufen, um die verbrauchte (und leider auch oft erwärmte und extra befeuchtete) Luft tatsächlich nach draußen zu "entsorgen" und dadurch halbwegs konstante CO²-Werte zu halten. Ein CO²-Messgerät ist sinnvoll, um die Werte zu kontrollieren und ggfs. die Leistung des Lüfters zu erhöhen. 

Es braucht außérdem einen Luftbefeuchter, der über einen Hygrostaten oder eine Zeitschaltuhr geschaltet wird. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, daß das Gerät anläuft, sobald es Strom bekommt. Manche Kleinbefeuchter müssen noch extra angeschaltet werden, diese kommen nicht in Frage. Gut geeignet sind Teichnebler, bei denen kann man die Membran austauschen. Luftbefeuchter werden schnell zu echten Keimschleudern, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Die Zuluft sollte durch einen Vorfilter in den Raum gelangen, um nachträglichen Verkeimungen vorzubeugen und eindringende Insekten effektiv fernzuhalten. Die Abluftanlage sollte so konzipiert sein, daß sie genug Reserve hat, eine sommerliche Hitzeperiode  zu bewältigen.

Sie wollen die Luft im Zelt 6-10 mal pro Stunde  austauschen. Ermitteln Sie zuerst Ihr Raumvolumen und multiplizieren es mit dem Faktor 10. Daran passen Sie den Lüfter an, dessen Nennleistung meist in m³/Std. angegeben ist. Denken Sie bitte daran, daß schwachbrüstige Badlüfter mit jedem Schlauchmeter erheblich an Leistung einbüßen. Planen Sie Ihre Abluft so, daß Sie möglichst wenig Luftschlauch verbauen oder verwenden Sie leistungsstarke Rohrlüfter.

Ich habe für ein 6 m²-Außenzelt einen regelbaren 250m³-Rohrlüfter im Einsatz, der die meiste Zeit auf 50%  läuft. Für eine Indooranlage der gleichen Größe genügt ein kleinerer Lüfter, bei Dauerbetrieb reichen bereits 100m³/h als Leistung aus. Natürlich können sie die Belüftung auch mittels einer Zeitschaltuhr oder am elegantesten mit einem CO²-Sensor steuern.

Ein Umluftventilator für Zelte oder Boxen über 1/2 m² ist ebenfalls anzuraten, die meisten Arten profitieren eindeutig davon, alle Arten von Seitlingen brauchen das zwingend. Idealerweise per Zeitschaltuhr gesteuert, 15 Minuten an, 30 Minuten aus, 24 Stunden am Tag.
 

Eine per Zeitschaltuhr (12 Stunden an, 12 Stunden aus) gesteuerte Beleuchtungsanlage ist nötig, falls man indoors arbeiten will. Rechnen Sie pro m² Anbaufläche mit 10 bis 25 Watt Lichtleistung durch Neonröhren oder LED's, abhängig von der Pilzart. Die Lichtfarbe ist relativ egal, blaues Licht fördert angeblich die Fruchtbildung vieler Arten.
 

Achten Sie darauf, daß alle im Zuchtraum dauerhaft verbleibenden elektrischen Verbraucher auch dafür geeignet sein sollten, im Dauernebel zu arbeiten. Viele Hobbyzüchter arbeiten vorsichtshalber nur mit einem 
12 Volt-System und lassen normale 230 Volt-Stromkabel komplett draußen. Lassen Sie eventuelle Elektroinstallationen unbedingt von einer Fachkraft durchführen oder prüfen.

Blick in mein Zuchtzelt