Verarbeitung von Flüssigbrut
-Herstellung von Körnerbrut im Glas-

Flüssigmyzel von über 35 Arten, Flümy, Flüssigbrut

Flüssigbrut (Flüssigmyzel, Flümy) erfreut sich unter Hobbyzüchtern einer zunehmenden Beliebtheit. Die einfache Anwendung auch ohne aufwändige Steriltechnik machen das Produkt anwenderfreundlich. Stellvertretend für weitere Verfahren wie z.B. die Beimpfung von Mikrofilterbeuteln oder Endsubstraten erkläre ich hier die Herstellung von Körnerbrut im Glas. (Lesezeit: 12 Minuten)

Außer einem Dampfdrucktopf und wenigen preiswerten Utensilien wie Desinfektionsalkohol, Luftfiltermaterial usw. benötigen Sie nur etwas Zeit und Muße für eine kleine Bastelarbeit (Umrüstung der Gläserdeckel) und natürlich das Getreide und eine meiner hier erhältlichen Myzelspritzen.

Diese Anleitung untergliedert sich in folgende Abschnitte:

  • Vorbereitung des Getreides: Reinigung, Einweichen, Vorkochen
  • Vorbereitung der Gläserdeckel und Gläser
  • Sterilisisationsprozess und Nachbehandlung
  • Beimpfung der Körner
  • Einbrut, Aufschütteln und Kontaminationskontrolle
  • Lagerung und Verarbeitung


 

Vorbereitung des Getreides 

Zielvorgabe: Pralle, rieselfähige, möglichst keimarme Körner mit einem höchstmöglichen Feuchtegehalt unter Vermeidung geplatzter Anteile.

Im ersten Schritt bereiten Sie das Getreide zur Sterilisation vor, welche sie anschließend durchführen müssen, um Ihr Rohmaterial keimfrei zu bekommen. Rohgetreide, selbst allerbeste Qualität, ist immer mit Sporen verschiedener Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen behaftet. Jeder einzelne Wasch- oder Kochvorgang erhöht die Chance, diese Konkurrenten zu vermindern. 

Ist das Material, welches Sie später sterilisieren wollen, bereits vorher so keimarm wie möglich, steigen die Chancen, es mit einer Sterilisation endgültig sauber zu bekommen. Schwer verkeimtes Ausgangsmaterial lässt sich selbst mit stundenlanger Hitzebehandlung nur unzuverlässig entkeimen.

Der sicherste Weg für den Einsteiger ist deshalb die Methode, die Körner zuerst einzuweichen, um sie dann bis zur optimalen Sättigung vorzukochen und sie dabei mit einer kurzen Pasteurisierung vorzuentkeimen.

Viele Züchter verzichten komplett auf das Vorkochen und sterilisieren einfach die eingeweichten Körner. Ganz Bequeme machen es sich noch leichter und werfen einfach trockene Körner ins Glas, gießen eine abgewogene Wassermenge drüber, fertig. Wenn man den Sterilisationsprozess eine Stunde länger laufen lässt und hinterher sorgfältig aufschüttelt, funktioniert das tatsächlich recht gut. Aber dazu braucht es Erfahrung und gutes Steril-Equipment.

Das vorherige Waschen und das Abkochen sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen auf dem Weg zu einem keimfreien und optimal feuchtegesättigten Ausgangsmaterial, auf die man als Einsteiger nicht verzichten sollte. Die Tatsache, dass bei diesem Verfahren bereits wertvolle Inhaltsstoffe verlorengehen, soll uns nicht stören. Es sind weiterhin genügend Nährstoffe vorhanden. Uns ist erstmal wichtiger, das Material 100%ig sauber zu bekommen.

Verwenden Sie abgepacktes Biogetreide aus dem Supermarkt, dieses ist von allen verfügbaren Qualitäten die sauberste und überall leicht verfügbar. Getreide aus kleineren Mühlenbetrieben wird oft nicht so aufwändig gereinigt wie mehrfach gesiebte, gebürstete und abgeblasene Ware aus Großbetrieben. Es bedarf u.U. einer längeren Sterilisation. Futtergetreide aus dem Landmarkt unterliegt einfacheren hygienischen Voraussetzungen und ist oft stark verkeimt. Es enthält viel Bruch und braucht eine erheblich längere Sterilisationszeit. Ich rate von der Verwendung ab. Ungeschältes Korn aus bäuerlichen Betrieben kann trotz Bio-Qualität ebenfalls ziemlich verkeimt sein. Die Verwendung ist möglich, bedarf aber etwas Erfahrung.

Roggen scheint von allen verfügbaren Getreiden am stärksten verkeimt, speziell mit Trichoderma. Oft ist die Körnergröße auch uneinheitlich. Weizenkörner sind meist deutlich uniformer, geplatzte Körner daher leichter vermeidbar. Hirse (Sittichfutter) können Sie nur in ungeschälter Form verarbeiten, der spätere Vorkoch-Prozess darf nur maximal 1 Minute dauern. Das Korn von Milo (Besenhirse) ist meist erheblich größer, verwenden Sie auch hier nur ungeschälte Qualität. Vorkochzeit für Milo:
4 Minuten. Maiskörner eignen sich ebenfalls, brauchen aber eine längere Vorkochzeit.

Eine vorherige Inspektion des Materials ist unbedingt angeraten, um Bruch oder Verunreinigungen, speziell Mutterkorn, auszulesen. Waschen Sie zuerst das Getreide unter fließendem kaltem Wasser solange ab, bis die ablaufende Flüssigkeit klar bleibt. Das kann bedeuten, daß der Abwaschprozess ein bis zwei Minuten dauert. Weichen Sie das Getreide danach in genügend sauberem kalten Wasser (Richtwert: Mindestens 2 Liter Wasser auf 1 Liter Getreide) für 12 Stunden unter möglichst kühlen Bedingungen ein. Dicht verschließbare 10-Liter-Eimer eignen sich bestens. Lassen Sie das Wasser sorgfältig ablaufen und geben Sie den Körnern weitere 12 Stunden kühler Lagerung. Am nächsten Tag sind die Körner für den Vorkoch-Prozess ideal vorbefeuchtet. Verbliebene anhaftende Sporen von Konkurrenten sind durch die Befeuchtung zuverlässig "aufgeblüht" und können bereits im Vorkochprozess unschädlich gemacht werden. Längere Einweichzeiten >12 Std. verkürzen die Kochzeit, es gibt aber schneller geplatzte Körner.

Praktischerweise widmen Sie sich während der Einweichphase der Präparation der Gläserdeckel, wie im nächsten Kapitel beschrieben.

 
Schütten Sie dann das Getreide in einen Topf mit kochendem Wasser. Überfüllen Sie den Topf nicht, kalkulieren Sie für 1 Kg (ehemals) trockener Körner mindestens 5 Liter Kochwasser ein. Wenn Sie größere Mengen auf diese Weise vorkochen wollen, gehen sie lieber etappenweise vor und nutzen Sie das heiße verbliebene Kochwasser für die jeweils nächste Charge. 

Rühren Sie den den Inhalt des Topfes während der nächsten Minuten immer wieder vorsichtig durch, ohne die Körner zu quetschen. Lassen Sie die Hitzequelle noch solange auf voller Kraft laufen, bis das Wasser wieder fast am Siedepunkt ist. Schalten Sie dann die Hitzequelle ab. Prüfen Sie ab Minute 4, ob nicht einzelne Körner bereits aufgeplatzt sind. Wenn ja, unterbrechen Sie den Kochvorgang, bevor weitere Körner platzen. Nicht optimal gesättigtes Korn nimmt durch den späteren Sterilisationsprozeß im heißen Dampf noch weiteres Wasser auf. Wichtig ist nur, daß Sie im Vorkochprozeß keine geplatzten Körner erhalten. 


Gießen Sie nach spätestens 5-7 Minuten das Wasser komplett in ein Sieb ab und überbrausen Sie die Körner nochmals mit einem Schuss frischem, sehr heißem Wasser. Damit spülen Sie den letzten Stärkefilm (aus dem Kochwasser) ab, das ist für die später nötige Rieselfähigkeit der Brut förderlich. Je schneller Sie das Ganze durchführen können, desto weniger "Nachplatzer" haben Sie. Vermeiden Sie kaltes Wasser zum letzten Abspülen, die Körner trocknen dann schlechter ab. 

Lassen Sie dann die Körner in einer Schüssel oder Wanne offen und schnell bei Zimmertemperatur auskühlen, die maximale Dicke der Schicht sollte 3-5 cm nicht überschreiten. Decken Sie die Schale sofort mit einem sauberen Tuch ab. Oder befächeln Sie die Körner, wenn Sie in einem sehr sauberen Raum arbeiten können. Arbeiten Sie die Körner mit einem Spatel nach spätestens 20 Minuten noch einmal vorsichtig durch, um eine gleichmäßige Abtrocknung zu erreichen. Eine Stunde später müssen die Körner komplett abgetrocknet und kalt sein, ganz gar und weich sind sie vielleicht noch nicht, das ist auch nicht nötig. 

Geplatzte Körner können Sie mit dieser Methode effektiv vermeiden, einzelne Ausreißer lassen sich noch herausfischen. Geplatzte Körner sind eigentlich kein Problem, wenn das Getreide später ausreichend lang sterilisiert wird. Sie sorgen später im Glas aber oft für eine ungewollte Klumpenbildung, die zuerst die Besiedelung durch den Pilz und später das Aufschütteln des Glases erschwert oder unmöglich macht. Wenn man seine Brut in Beuteln macht, ist das ein geringeres Problem. Man kann die Klumpen frühzeitig durch den geschlossenen Beutel wieder auflockern. Im Prinzip unterscheidet sich die Brutherstellung in Beuteln nicht von der in Gläsern, solange man die Beutel vor der Sterilisation versiegelt.

Andere Kochmethoden nutzen einen elektrischen Reiskocher. Auf diese Weise werden trockene oder vorbefeuchtete Körner in einem einzigen Arbeitsschritt bis zum präzise gewünschten Wassergehalt befeuchtet und dabei gleichzeitig pasteurisiert. 


Die Sterilisiation der Körner in den Gläsern führen Sie am Besten direkt im Anschluss durch, spätestens jedoch am Folgetag. Wenn das nicht möglich ist, müssen die  Körner unmittelbar in die Kühlung. Jede weitere Behandlung nach demselben Standard wie für Babynahrung. Peinlichste Sauberkeit aller Behälter, zuverlässige Kühlung bei 2°-4°C, Verbrauch innerhalb von 3 Tagen. 

Vorbereitung der Gläserdeckel und der Gläser

Zielvorgabe: Fertig präparierte, kontaminationssichere  Gläser zur Sterilisation der Körner.

Der zu präparierende Deckel des Glases muss unbedingt aus einem sterilisationsfestem Material bestehen, Kunststoffdeckel sind meist nicht geeignet. Sie müssen neben dem Impfport (genaue Einbauanleitung hier...) auch einen Atemfilter einbauen, der einen Gasaustausch im Glas ermöglicht, ohne daß der Inhalt kontaminiert werden kann. Idealerweise besteht dieser aus einem sterilisierbaren Spritzenfilter, den Sie mit Silikon eingeklebt haben. Aquarienwatte (Polyfill), durch ein 5 mm-Loch straff eingezogen und beidseitig auf 1 cm abgestutzt, erfüllt denselben Zweck. Micropore-Tape eignet sich nur, wenn Sie es mehrlagig anbringen und jedesmal erneuern, und selbst dann bietet es keinen 100%ig sicheren Schutz. Verwenden Sie grundsätzlich nur völlig einwandfreie und peinlich saubere Gläser und Deckel.

⚠️ Vermeiden Sie unbedingt, verbogene Deckel einzusetzen. Jedes nicht perfekt schließende Sterilisations-Gefäß stellt ein unnötiges Sicherheitsrisiko dar.
Ob Deckel beim Einbau der Filter und des Impfstopfens verbogen sind, merken Sie beim Festdrehen. Lässt sich der Deckel "überdrehen" oder wirkt er irgendwie nicht mehr perfekt passend, sondern sie ihn lieber sofort aus. Versuchen Sie besser nicht, ihn wieder geradezubiegen oder die Krampen des Deckels mit einem Hammer nachzubearbeiten.


Sterilisisationsprozess 

Zielvorgabe: Kontaminationssichere Gläser mit sterilisierten Getreidekörnern, bereit zur Beimpfung mit Flüssigbrut.

Füllen Sie jetzt die Körner in die vorbereiteten Gläser. Übliche Twist-off-Gläser mit Metalldeckeln und Feinschaumdichtung sind gut geeignet. Gurken-, Joghurt- oder Konfitüregläser kommen für unser Verfahren in Frage. Machen Sie das Glas nur etwa zu 2/3 voll, damit sich die Brut später auch leicht aufschütteln lässt. Setzen Sie anschließend den präparierten Deckel auf das Glas und ziehen diesen fest an. Überziehen Sie den Deckelbereich danach großzügig mit mehrlagiger Alufolie, die Sie fest um den Deckelbereich anschmiegen und drücken. Die Folie schützt die kritische Randzone vor nachträglicher Verkeimung und sollte später nur zur Beimpfung abgenommen und danach wieder aufgesetzt werden. Folie dabei niemals umdrehen, immer wieder die gleiche Innenseite aufsetzen. Lassen Sie die Folie bis zur Fertigstellung der Brut stets auf dem Deckel, die Atemfähigkeit der Brut wird nur unmerklich geschmälert.

⚠️ Vermeiden Sie künftig grundsätzlich, die Innenseite der Alufolie während einer kurzfristigen Abnahme vom Glas nach oben zu drehen. Legen sie sie auf einer desinfizierten Oberfläche mit der Innenseite nach unten ab.

Die Gläser mit dem vorgekochten Getreide und den trendigen "Aluhüten" müssen danach für mindestens 90 Minuten, besser 150 Minuten bei 121°C und einem Druck von 1 bar sterilisiert werden. Ob Ihr Dampfdrucktopf eine Sterilisation erfolgreich durchführen kann, ermitteln Sie im Vorwege mit einem speziellen Indikatorband, welches ich Ihnen bei einer Bestellung von Flüssigbrut kostenlos mitschicke. Andere Methoden als eine Vollsterilisation der Körner, z.B. durch blosses Abkochen oder durch eine drucklose Erhitzung im Backofen, sind nicht angeraten. Ihre Körner sollten am Ende des Prozesses wirklich ganz und gar keimfrei sein.

Falls Sie die jetzt anstehende Beimpfung in einer Impfbox oder vor einem HEPA-Filter durchführen können, verbringen Sie die sehr heißen Gläser unmittelbar nach komplettem Druckabfall des Topfes dorthin. Wenn Sie noch keine solchen Möglichkeiten haben, lassen Sie die Gläser bis zur kompletten Abkühlung im Topf. 

Die fertig sterilisierten Gläser bleiben auch ungekühlt für ein gewisse Zeit frisch, sie sollten aber sicherheitshalber sofort weiterverarbeitet werden. Als Maßnahme bei Erstversuchen empfehle ich, im Vorwege einige Probegläser anzusetzen, die nach der Sterilisation ungeöffnet bleiben und auch nicht beimpft werden. Diese Gläser werden dann warm für ein paar Tage eingebrütet (24°-27°C). War der Sterilisationsprozess erfolgreich, sehen die Gläser nach einer Woche unverändert aus und riechen nach der Öffnung immer noch absolut einwandfrei. Vielleicht hat man zu Versuchszwecken eines der Gläser nach der Sterilisation kurz geöffnet und im Raum herumgewedelt. Dieses Glas wird während der Einbrutphase verkeimen und bei Öffnung auch entsprechend "duften".

Generell empfiehlt sich anfangs, bei allen Brutchargen ein ungeöffnetes unbeimpftes Glas mitlaufen zu lassen, um bei einem Fehlversuch die Quelle eingrenzen zu können. (Bleibt das Kontrollglas sauber, lag der Fehler woanders)

Beimpfung

Zielvorgabe: Das in den Gläsern erzeugte sterile Brutmaterial mit Flüssigbrut zu beimpfen.

Nehmen Sie inzwischen die Spritze mit der Flüssigbrut aus dem Kühlschrank, lassen Sie die Spritze vorerst aber noch im Beutel. Die Verwendung von Latexhandschuhen ist angeraten, aber nicht zwingend erforderlich.

⚠️Seien Sie während des ganzen künftigen Handlings mit den Gläsern nicht geizig      mit 70%igem Isopropanol oder anderen alkoholbasierten Desinfektionsmitteln, mit      denen Sie nicht nur Ihre Hände, sondern auch die Arbeitsumgebung wiederholt        einreiben oder abwischen. Achten Sie darauf, alle Zündquellen auszusperren. Rauchen verboten!

Schütteln Sie dann 2 Stunden später das komplett abgekühlte Getreide im Glas kräftig auf, um die Feuchtigkeit gut zu verteilen und klopfen Sie am Ende das Glas nochmals kräftig auf einer weichen Unterlage auf, damit im Deckelbereich keine einzelnen Körner hängenbleiben.

⚠️Klopfen oder schlagen Sie Gläser niemals an ihren Händen auf, manchmal können       Gläser durch den Hitzeprozess brüchig werden, dann droht Verletzungsgefahr!

Schütteln Sie jetzt auch die Spritze mehrmals, um die Myzelfragmente in der Impflösung gut zu verteilen. Lassen Sie die Spritze aber noch immer im Beutel. Halten Sie die Spritze mit einer Hand gut fest und schlagen mit der anderen Hand kräftig gegen den Handballen. Die im Spritzenkörper eingeschlossene sterile Luftblase wirkt dann als effektiver Mischer. Prüfen Sie im Gegenlicht, ob die Fragmente in der Lösung gut verteilt sind, wenn nicht, schütteln Sie erneut.

Wenn Sie nach dem Schütteln den Beutel mit der Spritze noch ein paar Minuten aufrecht hinstellen und warten, bis die Myzelfragmente wieder in den Spritzenkopf abgesunken sind, ist die Konzentration des "ersten Schusses" natürlich besonders hoch. Manche Pilzarten, speziell Igelstachelbärte und Porlinge vernetzen ihr Myzel in der Spritze wieder zu einer nicht mehr aufschüttelbaren Qualle, auch für diesen Fall ist die Vertikalstellung der Spritze die beste Lösung, damit die Qualle sofort herausgedrückt werden kann, ohne unnötige Flüssigkeit auf ihre Körner zu bringen. Wenn sie mehrere Gläser beimpfen wollen, legen Sie Spritze aber besser flach hin und schütteln den Inhalt nach jedem "Schuss" erneut kurz durch, um eine gleichmäßige Verteilung sicherzustellen.

Nehmen Sie dann die Spritze aus dem Beutel. Ersetzen Sie den LuerLock-Stopfen der Spritze  durch eine der beigelegten Kanülen, die Sie erst im letzten Moment aus der Sterilverpackung nehmen. Drehen Sie diese vorsichtig herein, bis sie einrastet (sehr wichtig!), lassen Sie die Kappe der Kanüle aber noch auf der Nadel. Dann nehmen Sie mit sauberen Händen den Aluhut vom Glas ab. Reinigen Sie den Deckel mitsamt Impfport noch einmal mit einem frischen alkoholgetränkten Küchenpapier oder den mitgelieferten Alko-Pads ab. Nehmen Sie nun mit Gefühl vorsichtig die Schutzkappe der Kanüle ab, ohne die Nadel mit irgendwas zu berühren.

⚠️Keinerlei hektische Bewegungen bitte, die Schutzkappe niemals ruckartig                   herunterziehen, es droht erhebliche Verletzungsgefahr!

Drücken die Kanüle dann sofort durch die Mitte des Impfports. Die sterile Nadel darf wirklich nichts anderes berühren als den Impfport, es gelten dieselben hygienischen Regeln wie in der Humanmedizin.

Es ist nicht nötig, tief in den Port einzustechen, ein oder zwei Zentimeter reichen bereits. Entlassen Sie durch sanften Druck auf den Spritzenkolben die benötigte Menge an Flüssigbrut.

⚠️ Manchmal hat sich durch die Lagerung im Spritzenkopf ein kleiner Pfropf    gebildet, der den freien Abfluss verhindert. Ziehen Sie in diesem Fall ganz vorsichtig etwas Luft in die Spritze zurück, lassen Sie die Spritze mitsamt Nadel dafür aber auf jeden Fall im Impfport stecken, wenn Sie nicht unter Sterilbedingungen arbeiten können. Nur die Luft im Glas ist wirklich keimfrei, die Umgebungsluft meistens nicht!

Es ist nicht nötig, aber vorteilhaft, die Spritze leicht hin- und herzubewegen, um die Flüssigbrut gut auf der Oberfläche zu verteilen. Kleinere Gläser bis 400 ml beimpfen Sie mit mindestens 2ml, größere Gläser bis zu 1000 ml brauchen mindestens 5 ml der Flüssigbrut. Eine höhere Dosis erhöht natürlich die Erfolgsaussichten und das Einbruttempo, achten Sie aber darauf, nicht soviel Flüssigbrut zu verspritzen, daß sie sich am Boden des Glases sammelt. Sollte das doch passiert sein, muss das Glas in den Folgestunden mehrfach liegend um die eigene Achse gedreht werden, um die überschüssige Flüssigkeit auf den Körnern zu verteilen. 

Falls Sie mehrere Gläser in einem Durchgang beimpfen wollen, ist es nicht nötig, die Kanüle zu wechseln. Wenn Sie den Vorgang der letzten Abreinigung des Ports und sofortiger Impfung schnell und zügig hintereinander durchführen können, ohne die Spritze aus der Hand zu legen, kann die Nadel auch für mehrere Stiche verwendet werden. 

Ziehen Sie dann die Spritze wieder aus dem Impfstopfen heraus und klicken Sie die Schutzkappe sofort wieder auf die Nadel. Achten Sie darauf, daß zumindest eine kleine Luftblase in der Spritze verblieben ist, damit sich der Inhalt später erneut gut durchschütteln lässt. Ziehen Sie aber auf keinen Fall im Nachhinein Außenluft in die Spritze zurück, damit kontaminieren Sie die Flüssigbrut. 

Setzen Sie dann zunächst in aller Ruhe die Schutzkappe wieder fest auf Kanüle. Drehen Sie dann die Kanüle mitsamt Kappe aus der Spritze heraus und ersetzen Sie diese unmittelbar durch einen der frischen Luer-Lock-Stopfen aus dem Lieferumfang. Vermeiden Sie dabei, die Spritze oder den neuen Stopfen im sensiblen unteren Bereich zu berühren oder sie irgendwo abzulegen. Öffnen Sie die Kleinverpackung mit dem sterilen Stopfen erst im letzten Moment. Frisch alkoholisierte Finger sind jetzt Pflicht! Drehen Sie den Stopfen mit trockenen Fingern und voller Kraft auf die Spritze. Stecken Sie danach die Spritze wieder in den Beutel und lagern Sie diesen wieder gekühlt.

Sie können jetzt die Zone zwischen Gläserdeckel und Glas mit verschiedenen Folien (Küchenfolie oder Okulierband aus Polyethylen, Parafilm oder auch einfachem Klebeband) versiegeln, um eine Verkeimung der kritischen Schraubzone zu erschweren. Wenn Sie die Gläser in einer sehr sauberen Umgebung einbrüten können, mag das verzichtbar sein. Setzen Sie den Aluhut wieder auf den Deckel des Glases und drücken sie diesen wieder fest ans Glas. Ihre Körnerbrut ist jetzt beimpft! 

Verwenden Sie für spätere Brutansätze aus der Spritze stets eine frische sterile Kanüle, falls Sie den Inhalt nicht vollständig verbrauchen. 

Einbrut,  Aufschütteln und Kontaminationskontrolle

Zielvorgabe: Kontrolliertes schnelles Myzelwachstum auf dem Getreide, nachgewiesene Freiheit von Kontamination.

Das selbstheilende Prinzip der Impfports sorgt dafür, daß bei der Impfung keine Kontaminanten eindringen konnten und das Myzel ungehindert einwachsen kann. Direkt am Anfang sollten Sie die Gläser weder bewegen noch schütteln, sondern sie nur sauber, warm (20°-25°C, je nach Pilzart) und dunkel lagern. Die zahllosen winzigen Myzelfragmente müssen erst "Fuß fassen".

Nach ein paar Tagen, manchmal aber auch erst nach einer Woche, wenn sich deutlich sichtbar einzelne Kolonien von der Größe einer Kirsche gebildet haben, kann das Material zum ersten Male leicht aufgeschüttelt werden, um eine schnellere Besiedelung zu forcieren.

Ein vorerst letzter, diesmal etwas kräftigerer Schüttelvorgang, 8-14 Tage später durchgeführt, dient vor Allem dazu, die Körnerbrut wieder krümelfähig zu bekommen. Das letzte Aufschütteln dient aber auch als Reinheitsnachweis. Eine gut aufgeschüttelte Brut wirkt zuerst so, als wäre das Myzel völlig verschwunden. Wenn ihr Verfahren erfolgreich war, werden die Körner aber in 4-5 Tagen erneut zu einem einheitlichen weißen Block zusammenwachsen. Wenn sich Kontaminanten eingeschlichen hatten, wird das nicht passieren. Es kommt zu Unregelmäßigkeiten, abgegrenzten Zonen, oft zeigen sich spätestens jetzt der erste Schleim, die ersten komischen Pickel oder sogar Farbveränderungen. Kontaminationen kommen meist durch eine unvollständige Sterilisation der Gläser, eine Undichtigkeit im Deckel oder eine kleine Unachtsamkeit beim Verimpfen.

Ich empfehle generell, kontaminierte Brut sofort zu entsorgen oder sie zur weiteren Inspektion räumlich zu isolieren. Gerade anfangs kann die weitere Beobachtung verkeimter Gläser wichtige Hinweise zum möglichen Infektionsweg geben. Wie Kontaminanten sich zeigen, lässt oft einen direkten Schluss zu, woher sie kamen. Unzureichend sterilisiertes Getreide erzeugt ein anderes Bild als eine Undichtigkeit im Deckel, eine verkeimte Flüssigbrut oder ein Impffehler. Eine Geruchsprobe gibt Ihnen oft Hinweise über die Art der Verkeimung. Bakterielle Kontis riechen manchmal stechend oder säuerlich, muffig/moderig oder nach Müllhalde, manchmal aber auch süß und nicht zwingend unangenehm. Hefen riechen manchmal nach Backstube oder Bierbrauerei.

⚠️Verschimmelte Bruten (meist dunkelgrün oder schwarz) prüfen Sie bitte nicht mit der Nase, sondern entsorgen die Gläser ungeöffnet, sonst droht Gesundheitsgefahr!

Lagerung und Verarbeitung

Zielvorgabe: Letzte Maßnahmen zur risikoarmen Applikation im Folgesubstrat.

Verarbeiten Sie die Brut am Besten unmittelbar weiter. Schütteln Sie sie zur finalen Verwendung nochmals auf (das geht jetzt erheblich leichter als anfangs). Natürlich ist die Brut stark gekühlt auch lagerfähig, manchmal Monate oder sogar Jahre, aber sie zündet am Besten, wenn sie schnell eingesetzt wird. Lassen Sie Brut, die Sie einlagern wollen, nicht zu lange warm stehen. Kühlen Sie das Material spätestens ab Tag 3 nach Vollbesiedelung auf 2°-4° herunter. Sehr lang gelagerte Brut lässt sich meist nicht mehr aufschütteln und muss später mit einem sterilen Löffel entnommen werden. Verwenden Sie solche Brut nicht mehr, um Getreide zu beimpfen (G2G), sondern ausschließlich für Endsubstrate.

Diese unter Sterilbedingungen hergestellte Brut eignet sich nicht nur zur Beimpfung von unsterilen Substraten wie Stammhölzern oder einfachsten Strohsubstraten (die man auch unter freiem Himmel oder auf dem Küchentisch durchführen kann), sondern für alle Verfahren. Die Beimpfung von sterilen oder pasteurisierten Substraten in Beuteln oder Gläsern sollten Sie aber besser in der Impfbox, neben einer Gasflamme oder vor dem HEPA-Filter durchführen.

Vor dem Öffnen müssen die Gläser ein letztes Mal mit Isopropanol desinfiziert werden. Der sensibelste Punkt ist die Zone, an der alle Körner beim Weg aus dem Glas vorbei müssen, der Glasrand. Ein paar Bazillen oder eine mikroskopisch kleine Schimmelkolonie in dieser Zone machen Ihre gesamte Arbeit zunichte. Sprühen Sie bei der letzten Abreinigung das alkoholische Desinfektionsmittel auch direkt in die Schraubzone des Deckels, halten Sie das Glas dabei kurz kopfüber. Warten Sie ein paar Minuten mit der Öffnung, bis der Alkohol verdunstet ist.

Ein nachträgliches Abflammen des Glasrandes nach Verdunstung des Alkohols, unmittelbar nach Öffnung des Glases durchgeführt, gilt als letzter Kniff, eventuell in der Kontaktzone des Deckels verbliebene letzte Kontaminanten zu eliminieren.
Mit einem kleinen Gasbrenner/ Kochlampe/ Jet-Feuerzeug ist das schnell gemacht. Halten Sie dabei den Brenner nie direkt über die Glasmündung, flämmen sie Sie nur von der Seite. Wenn Sie planen, mit der Körnerbrut weitere Körnerbrut anzuimpfen (G2G), sollten Sie auf diese Maßnahme nicht verzichten.

⚠️ Das gefahrlose gleichzeitige Arbeiten mit Alkohol und offenen Flammen ist nur unter bestimmten gesicherten Voraussetzungen möglich. Alkoholnebel ist explosiv.

Das hier vorgestellte Verfahren erhebt nicht den Anspruch, das einzige zu sein, welches funktioniert. Andere Methoden, das Getreide vorzubehandeln, mögen auch klappen. Mit zunehmender Sicherheit und Erfahrung bei der Herstellung des Brutmaterials und Fortschritten bei der Sterilarbeit werden Sie möglicherweise auf einige der hier vorgestellten Sicherheitsmaßnahmen verzichten können. 

Für Neueinsteiger ist die strikte Einhaltung dieser vielfach erprobten und funktionierenden Methode aber ein sicherer Pfad, um von Anfang an zu Erfolgen zu kommen.