Allgemeines:
Ein Pilz vom Mittelmeer, eigentlich ein Parasit auf den stärkehaltigen Wurzeln des Laserkrauts. Er kann seine Lebensweise leicht auf saprobiontisch umstellen und ist deshalb züchtbar.
Ein Pilz von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, neben gutem Geschmack und Konsistenz spielt für den Handel die im Vergleich zu allen anderen Zuchtpilzen erheblich längere Lagerfähigkeit eine wichtige Rolle.
👨🍳 Kräuterseitlinge bieten dem kreativen Koch allein wegen ihrer Größe und der Dicke des Stiels diverse Zubereitungsmöglichkeiten. Der von manchen Züchtern angepriesene Geschmack nach Steinpilzen ist aber ein reiner Werbegag, an diese Klasse kommt der Seitling nicht heran.
Versuchen Sie einmal, längs geschnittene, dicke Scheiben des Pilzes auf den Grill zu legen!
Eine 3-4 Stunden vorher aufgestrichene Beize aus Sojasauce, Honig, edlem Nußöl
und Gewürzen verwandelt Ihre Kräuterseitlinge zu einem perfekten Fleischersatz.
Zuchtverfahren:
Beste Zuchterfolge erzielen Sie mit sterilen Substraten auf Buchenmehlbasis oder meinem Standardrezept für Kräuterseitlinge. Zuschläge aus Getreide,Kleie, Ölsaaten, Kaffee und Luzerne haben sich bewährt. Auch andere Substratmischungen, welche Stroh und/oder Hanf enthalten, funktionieren gut. Kräuterseitlinge sind Starkzehrer und profitieren im ersten Ernteschub von energiehaltigen Zuschlägen.
Solch gigantische Pilze wie auf dem Bild erhalten Sie bei der Verwendung eines Substrates aus Stroh bzw. Laubholzsägemehl und Sojabohnenschalen, unter Züchtern bekannt als "Goat-Mix" bzw. "Masters Mix". Eine große Substratmenge und eine besondere Fruchtungsstrategie sind erforderlich, um nur einen einzigen wirklich großen Fruchtkörper entstehen zu lassen.
Idealerweise fruchtet der Pilz durch den Filter des Substatbeutels, oder Sie lassen nur die vielversprechendste Primordie an die Luft, während Sie allen anderen Fruchtansätzen das Wachstum unmöglich machen. Entfernen Sie deshalb alle nicht gewollten Fruchtansätze und versiegeln Sie die Oberfläche (bis auf die kleine Stelle, auf der der Pilz steht, der jetzt ganz allein wachsen soll) mit Küchenfolie. Hinterlassen Sie im Beutel keine Höhlen und Luftlöcher, sondern fixieren Sie den ganzen Block kräftig mit Klebeband. Kontaminanten wie Fluginsekten oder Schimmelsporen dürfen nicht ans offene Substrat gelangen.
Der Kräuterseitling gilt nicht als wirklicher Anfängerpilz. Er ist erheblich anfälliger gegen bakteriellen Befall und nicht so aggressiv wie z.B. der Austernseitling.
Er benötigt eine Umgebung (Zelt, Minigewächshaus, etc.) mit gleichmäßig hohen Feuchtewerten und echtem Luftaustausch. Dieser kann nur stattfinden, wenn Sie die "verbrauchte" Luft nach außen ableiten.
CO2-Fehler bei der Fruchtungseinleitung (zu langes Verbleiben der fruchtungswilligen Kultur im geschlossenen Beutel oder mangelnden Luftaustausch im Zuchtraum) quittiert der Pilz mit ungleichmäßigem Pinset, zahlreichen Aborten oder "Monsterbildung".
Tricks und Kniffe:
Ohne ausreichende Möglichkeit, die Umgebungsluft der Kultur auf Feuchte- und CO²-Gehalt zu kontrollieren, bleiben Ihre Anbauversuche experimentell. Der Pilz profitiert von Luftbewegung im Raum, Profis verwenden Schwenkventilatoren, um einem nachträglichen Schimmelbefall vorzubeugen. Bauen Sie den Pilz nicht zusammen mit Schüpplingsarten (Pholiota nameko, Pholiota adiposa) im selben Raum an. Sporen dieser Arten verträgt der Kräuterseitling nicht.
Achtung: Pilz mit hoher Sporenentwicklung.
Sporen dieses Pilzes können Beschwerden und Erkrankungen bei Mensch und Tier auslösen. Züchten Sie diesen Pilz besser nicht in Wohnräumen oder Stallungen. Halten sie zu Ihrer eigenen Sicherheit beim Anbau geeignete Schutzmaßnahmen ein und ernten sie den Pilz vor der Sporenbildung.