Allgemeines: Ein Pilz vom Mittelmeer, mittlerweile nur noch auf Sizilien im namensgebenden Monti-Nebrodi-Gebirge und an einigen Orten in Griechenland vorkommend. Eigentlich ein Parasit, der die stärkehaltigen Wurzeln des Basiliskenkrauts (Cachrys ferulacea) befällt. Der Pilz kann seine Lebensweise aber auf saprobiontisch umstellen und ist deshalb züchtbar.
Lange Zeit besaß Nebrodini nur den Rang als Varietät des Kräuterseitlings. Nach neueren phylogenetischen Studien (Nebrodini lassen sich nicht mit anderen Kräuterseitlings-Varianten hybridisieren) gesteht man dem Pilz mittlerweile Artrang zu.
Auch der in China mittlerweile industriell erzeugte Pilz namens "Bailin-Gu" wird weltweit als Nebrodini gehandelt. "Bailin-Gu " ist meines Wissens aber ein Hybride aus P.eryngii var. eryngii
und P.eryngii var.elaeoselini. Originaler Nebrodensis aus Sizilien ist ein Frühlingspilz
und braucht zwingend einen Kälteschock zur Fruchtung, der in China
erzeugte Pilz fruchtet jedoch ohne diese Maßnahme.
Kulinarisches: Wenn Ihnen die Fruchtbildung tatsächlich gelingt, dürfen Sie auf eine kleine kulinarische Sensation gespannt sein. Für mich ein 5-Sterne-Pilz, der eine weitere Verbreitung verdient. Mit einer leichten chinesischen Meistersauce braisiert ein absolutes Gedicht. Für eine gemischte Pilzpfanne wäre er mir eindeutig zu schade. Der hohe Gehalt am natürlichen umami-generierenden Geschmachsverstärker Guanylat macht ihn bei japanischen Köchen als Zutat für hochwertige Dashis beliebt.
Gute Qualität des einzigen großen europäischen Erzeugers aus Holland erhielten sie noch bis vor wenigen Jahren. Inzwischen gibt es nur noch sehr wenige Kleinerzeuger in Italien. Die Chance für einen Liebhaber, jemals frische Fruchtkörper zu finden oder zu erwerben, muss als sehr gering eingeschätzt werden.
Zuchtverfahren: Beste Zuchterfolge mit meinem Standardrezept für Kräuterseitlinge. Zuschläge aus Ölsaaten, Kaffee und Getreide haben sich bewährt. Vorgehensweise wie beim Kräuterseitling. Genauere Daten entnehmen Sie dem unten angefügten Chart. Gönnen Sie dem Pilz eine Reifephase von mindestens 4 Wochen nach erfolgter Besiedelung, bevor Sie die Kultur ausfruchten. Nebrodini fruchten in kleinen Gruppen von Einzelpilzen. Meist bilden sich nur 5-8 Fruchtkörper. Mit einer durchdachten Strategie können Sie Einzelpilze, Zwillinge oder Drillinge erzeugen, die dann
manchmal ein beachtliches Gewicht von bis zu 500 Gramm erreichen können.
Tricks und Kniffe: Im Kulturgefäß muß sich nach der Einbrut zwingend eine gelborangene, klare Flüssigkeit (Exsudat, "Pilzpippi") bilden, ansonsten bleiben Fruchtungsversuche erfolglos. Scratching/ Massage der Oberfläche nach Abschluss der Reifezeit, ein präziser, für mindestens 8 Tage ausgeführter Kälteschock bei 0-4°C und eine aufmerksame weitere Kulturführung mit reichlich Feuchte, Frischluft und Luftbewegung sind notwendig, um den Pilz zur Fruchtbildung anzuregen. Anschließeende Temperaturführung strikt unter 13°C !!!
Achtung: Pilz mit hoher Sporenentwicklung
Sporen dieses Pilzes können Beschwerden und Erkrankungen bei Mensch und Tier auslösen. Züchten Sie diesen Pilz besser nicht in Wohnräumen oder Stallungen. Halten sie zu Ihrer eigenen Sicherheit beim Anbau geeignete Schutzmaßnahmen ein und ernten sie den Pilz vor der Sporenbildung.