Allgemeines:
Estragonseitlinge sind recht selten vorkommende typische Sommerpilze, die nur in England, Wales und Schottland wachsen. Obwohl sie sehr gut schmecken und auch einen reichlichen Ertrag liefern, werden sie bisher nicht kommerziell angebaut. Grund ist die etwas brüchige Struktur der Pilze, der Handel bevorzugt intakte Fruchtkörper, die nicht so schnell brechen. Der echte Feinschmecker bevorzugt hingegen Pilze, die knackig sind und deshalb besonders leicht brechen.
Vom Aussehen her sind Estragonseitlinge dem Lungenseitling ähnlich, Trichter mit welligen Rändern und Überlappungen sind die Regel. Die meisten Überschneidungen hat der Pilz jedoch mit dem Rillstieligen Seitling (P.cornucopiae) und dem Zitronenseitling (P. citrininopileatus)
👨🍳 Estragonseitlinge unterscheiden sich geschmacklich nicht großartig von anderen Seitlingen, Zubereitungsmethoden sind identisch. Leider geht der Duft nach Estragon beim Kochen etwas verloren. Mit einer Sauce, die neben Sahne auch noch frischen russischen/französischen Estragon oder Basilikum (oder auch Pesto daraus) enthält, schmeckt mir der Pilz am besten.
Zuchtverfahren:
Verfahren, Fruchtungsstrategien und angestrebte Pinset-Formationen sind bei allen natürlicherweise Holz zersetzenden Pleurotus-Arten ähnlich. Rosen-, Zitronen-, Estragon-,
Lungen- und Austernseitlinge gedeihen alle auf demselben Substrat, brauchen aber teilweise unterschiedliche Temperaturen zur Fruchtung. Diese Sorte benötigt es warm. Genaue Kulturparameter finden Sie ganz unten. Mein Standard-Substrat für Holzzersetzer
eignet sich bestens für diesen Pilz.
Auf Holz und Holzsubstraten, idealerweise mit Getreide angereichert, sind höhere Erträge und qualitativ bessere Fruchtkörper möglich, als wenn ausschließlich Stroh verwendet wird. Der Pilz verarbeitet auch Substrate mit einem gewissen Nadelholz-Anteil, einfache Heizpellets aus Fichtenholz eignen sich vortrefflich.
Tricks und Kniffe:
Ausreichend Frischluft und Ventilation sind essentiell für ein gutes Resultat. Befreundete Züchter berichten über beste Ergebnisse bei Top-Fruchtungen. Ernten Sie den Pilz in jungem Zustand,
dann schmeckt er am Besten! Lagern Sie besiedelte Kulturen dieses Strains stets in kalter Umgebung (2°bis 8°C), falls Sie diese nicht sofort weiterverarbeiten. Der Pilz, der Petrischalen knacken kann, entkommt auch aus anderen Behältern und fruchtet spontan dort, wo man es ihm nicht strikt unmöglich macht.
Achtung: Pilz mit sehr hoher Sporenentwicklung!
Sporen dieses Pilzes können Beschwerden und Erkrankungen bei Mensch und Tier auslösen. Züchten Sie diesen Pilz besser nicht in Wohnräumen oder Stallungen. Halten sie zu Ihrer eigenen Sicherheit beim Anbau geeignete Schutzmaßnahmen ein und ernten sie den Pilz vor der Sporenbildung.