GLOSSAR / LEXIKON

Hier finden Sie die Erklärungen für die auf dieser Seite verwendeten Spezialausdrücke, sowie einige allgemeine Informationen zum Thema.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Seite wird weiter ergänzt....  

Aborte

Kleinere Fruchtansätze, die im Wachstum zurückbleiben, eintrocknen, verkümmern und schon früh Schimmel anlocken, will man vermeiden. 
Mit der richtigen Fruchtungsstrategie läßt sich die Anzahl der unerwünschten Kleinstpilze gering halten.

BE   

Die biologische Effektivität, englisch: "biological efficiency", das Maß für die Fähigkeit eines Pilzes, ein ihm vorgesetztes Substrat in verwertbare Biomasse umzuwandeln. 
Errechnet wird der Wert aus dem Gewicht der erzeugten Frischpilze im Verhältnis zum Gewicht des trockenen Substrats (mal 100).
Wenn Sie also mit einem Kilo trockenem Stroh und etwas Körnerbrut ein Kilo frische verzehrfähige Pilze erzeugen, haben sie in etwa 100% BE erreicht.
Hochtragende Speisepilzsorten der Pilzindustrie erreichen oft Werte um 150% oder sogar darüber, unbearbeitete Wildfunde und die meisten Heilpilze oft nur geringere Werte. Beachten Sie aber bitte, dass hohe Zuschläge/Brutraten den wirklichen BE eines Strains verfälscht darstellen können. Sie können auch Arten mit geringem BE zu Höchstleistung während der ersten Welle antreiben, indem Sie ein stark angereichertes steriles Substrat einsetzen.

Birthing

Als Birthing bezeichnet man den Moment, in dem Sie die Kultur aus dem Reifestadium in die Fruchtung überführen. In der Regel passiert dies durch das Öffnen des Beutels oder Glases. 
Frischluft, Temperaturwechsel, Licht und Bewegung signalisieren dem Pilz, dass die Zeit des Anfressens vorbei ist und er mit der Fruchtung beginnen soll.


Bulking

Als Bulking bezeichnet man allgemein das Verfahren, einem bereits vollständig besiedelten Substrat (schrittweise) weitere Rohstoffe zuzuführen. Im Prinzip ein Impfvorgang mit hoher Brutrate, meist unter unsterilen Bedingungen durchgeführt, aber auch steril machbar. Das Verfahren ist Standard bei der Zucht von exotischen Träuschlingsverwandten, funktioniert aber für viele Arten. Wenn Sie also z.B. eine Fertigkultur eines Austernpilzes mit der doppelten Menge frischem pasteurisierten Stroh vermischen, erhalten Sie eine größere Menge Fruchtungssubstrat, aus der Sie dann später auch mehr Pilze ernten können. Deshalb eine ideale Methode für die Anlage von großvolumigen Wannenkulturen. 
Bei Außenbeeten mit Streuzersetzern ist meist eine regelmäßige Nachfütterung nötig, um den Pilz länger an den Standort zu binden, auch dort spricht man von "bulken".
 
Dieses meist unsteril durchgeführte Verfahren eignet sich aber nicht für alle Arten. Wiederholen Sie den Vorgang nicht zu häufig, das Risiko, sich eine Kontamination einzufangen, steigt bei jedem weiteren "Streckungsversuch". Viele Züchter beginnen erste Experimente mit frischem Kaffeesatz, den sie mit einem Austernpilz beimpft haben. Durch ständiges Hinzufügen von frischem Kaffeesatz wächst die Menge des Substrats, welches später einfach zur Fruchtung aufgestellt wird. Wenn Sie diesen Vorgang unter hygienischen Bedingungen durchführen, ist ein Erfolg nicht unwahrscheinlich. 

Carnivoren

Von einigen Arten weiß man, daß sie auch tierisches Protein verdauen können. Pilze sind nicht unbedingt Vegetarier! Austernseitlinge und Schopftintlinge "fangen" und verdauen Nematoden. Puppenkernkeulen besiedeln gezielt im Boden liegende Puppen von Nachtfaltern, manche verwandte Arten überfallen sogar lebende Ameisen.


Casing

Die meisten bodenbewohnende Pilze brauchen zur Fruchtung eine Abdeckerde. Eine Schicht aus einem möglichst "magerem" Material, welches nur wenig Nährstoffe enthält, wird auf das geöffnete und ggfs. ausgebreitete durchwachsene Substrat aufgetragen. Das besondere Mikroklima ermöglicht es dem Pilz, die Schicht schnell zu durchwachsen und auf der Oberfläche zu fruchten. Diverse unterschiedliche Materialien sind möglich, von Torf oder Gartenerde bis Kokoserde, von Rindenmulch bis Papierschrot oder Vermiculite. Für viele Pilzarten kann und sollte das Material pasteurisiert werden, andere Arten brauchen zwingend ein oder mehrere bestimmte Bodenbakterien im Casing, dann funktioniert nur unbehandelte Gartenerde.

Cloning

siehe Klonen

Coprophil

Diverse bodenlebende Streuzersetzer wachsen in der Natur gern auf oder in der Nähe von tierischem Dung. Alle Arten von Champignons und diverse Träuschlingsverwandte zählen dazu.


Entkeimung

Die meisten Zuchtpilze brauchen ein mehr oder weniger stark entkeimtes Substrat zum Wachstum. Das gilt auch für einige der Arten, die draußen problemlos unsterile Baumstämme oder Komposthaufen besiedeln.

Je gründlicher ihr Substrat entkeimt wird und je zuverlässiger Sie steril beimpfen können, umso weniger Brutmaterial ist nötig. Professionelle Ergebnisse können Sie auch mit Substraten erzielen, die nicht vollständig sterilisiert wurden. Wenn Sie sauber arbeiten können und die Verfahren beherrschen, können Sie viele Edelpilzarten auch ohne aufwändige Steriltechnik erzeugen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen thermischer und nicht-thermischer Entkeimung. 

Thermische Entkeimungen untergliedert man nach dem Grad der Wirksamkeit in fünf Stufen.

Es beginnt mit einer teilweisen, gefolgt von einer vollständigen Pasteurisation. Weitere Stufen sind fortgesetzte Pasteurisation (Tyndallisation) oder Super-Pasteurisation. Nächste und letzte Stufe ist dann erst eine echte Sterilisation. Nur bei den drei letztgenannten Verfahren sind energiereiche Zuschläge wie Kleie/Getreide oder Tierdung erlaubt.


1. Ein ganz leichtes Substrat für z.B. Austernseitlinge erzeugen Sie aus Strohpellets. Sie übergießen diese einfach bis zur optimalen Feuchtesättigung mit kochendem Wasser. Oder Sie tauchen Strohhächsel für ein paar Minuten in kochendes Wasser und lassen das Wasser abtropfen. Dann haben Sie eine Teilpasteurisation erreicht.

Das Verfahren klappt nur für einige Pilzarten (hauptsächlich sind das Seitlinge und Träuschlinge) und gelingt nur mit Stroh, nicht aber mit Sägemehl oder anderen Gemischen (bei denen dann meist der grüne Schimmel der Sieger bleibt). Strohpellets sind wegen den hohen Drücken und Temperaturen während der Herstellung meist bereits sehr keimarm. Energiereiche Zuschläge wie Kleie oder Getreideprodukte sind trotzdem nicht möglich.
 
Ein so einfach entkeimtes Substrat kann auch unter unsterilen Bedingungen quasi auf dem Küchentisch beimpft werden. Eine hohe Impfrate mit Körnerbrut (mindestens 10 Gew.%, bezogen auf den trockenen Substratanteil) ist aber notwendig, um genügend Kraftfutter bereitzustellen und eine möglichst schnelle Besiedelung zu erreichen, 
bevor eventuell verbliebene oder eingeschleppte Kontaminanten
das Ruder übernehmen.
 
2. Werden die befeuchteten Rohanteile wie Sägemehl, Stroh- oder Hanfhächsel oder Pellets im Zuchtbeutel oder Gefäß für 2 bis 3
 Stunden heißem Dampf (>95°C) ausgesetzt oder lange/ wiederholt "mikrowellisiert", nennt man das Pasteurisation. Das Verfahren funktioniert für fast alle Pilze, nur für echte Langzeitkulturen oder extrem langsam wachsende Arten verwendet man besser radikalere Entkeimungsmethoden. 

Weil bei dem Verfahren Bakterien, Hefen und Fremdpilze in Form von überlagerungsfähigen Sporen überleben können, sind auch hier keine Zuschläge erlaubt. Pasteurisiertes Substrat kann man auch unter unsterilen Bedingungen beimpfen, wenn man alles gut sauber hält und hohe Impfraten einkalkuliert. Bei steriler Verarbeitung in der Impfbox oder vor dem Flowhood reichen Impfraten von 3-5%, bezogen auf den trockenen Substratanteil.

3. Wird der Beutel oder ein anderer Substratträger an drei Tagen hintereinander jeweils 1 Stunde oder mehr gedämpft oder erhitzt,
spricht man von einer Tyndallisation. Genau genommen ist das eine mehrfach wiederholte Teil-Pasteurisation. Keime im Substrat werden durch die Befeuchtung aktiviert und im ersten Durchgang unschädlich gemacht. Hartnäckigere Keimformen, die erst nach der Hitzebehandlung aufblühen, fallen am nächsten Tag der Hitze zum Opfer. 
Letzte Nachzügler, die erst nach 48 Stunden auskeimen, werden dann am dritten Tag erledigt. Ein so behandeltes Substrat eignet sich für alle Arten.

Aber erst jetzt dürfen auch gröbere Anteile wie Holzhächsel oder "Chipsies" verwendet werden. Zuschläge sind trotzdem nur bedingt erlaubt. 
Die traditionelle Entkeimungsmethode unserer Vorväter funktioniert zuverlässig und ist sehr anwendersicher, weil ein dampf- und druckloses Arbeiten möglich ist. Das Verfahren lässt sich leicht im Backofen oder der Mikrowelle realisieren. 
Bei Beuteln mit "gröberem" Filter ist auch eine Verschweißung machbar, um Feuchteverluste zu minimieren. Wäscheklammern oder andere Verschlüsse sind möglich und auch angeraten, denn im trockenen Backofen ist der Feuchteverlust sonst zu stark. Flaschen oder Gläser sind einfacher handzuhaben, weil man einen offenporigen Filter einarbeiten kann und der Deckel während der Prozedur fest angezogen bleibt.

Zur weiteren Verarbeitung sind spätestens jetzt sterile Bedingungen nötig, bei diesem Verfahren kommen Sie bereits mit Impfraten von 2-3% zurecht. (bezogen auf den trockenen Substratanteil) 


4. Werden die Beutel oder Gläser/Flaschen für 12 Stunden oder länger in heißem drucklosem Dampf (>95°C) erhitzt, erreicht man eine Super-Pasteurisation. Ein sehr gründliches Verfahren, bei dem auch leichte Zuschläge und gröbere Substratanteile erlaubt sind. Man verlässt sich darauf, daß während der langen Phase sämtliche Sporen aufgeblüht sind und gleich vernichtet wurden.

Gut geeignet, wenn eine permanente Hitzequelle zur Verfügung steht, für die man nicht viel bezahlen muss. Eine sterile Weiterverarbeitung ist verpflichtend, Impfrate bei 1-2%. 
 
5. Steht der Beutel oder das Gefäß für 2,5 Stunden im Druckkessel bei mindestens 121°C, kommt es zur Sterilisation. Erst jetzt kann das Substrat im Vorwege mit Wunschzuschlägen stark angereichert werden, weil das Risiko einer Verkeimung quasi ausgeschlossen ist. Das macht eine komplexe Komposition des Substrates möglich. Sie können optimierte Zuschläge wie Tierdung oder landwirtschaftliche Nebenprodukte verwenden und sind nicht allein auf Getreide fixiert, welches Sie in Form der Körnerbrut zuführen. 

Theoretisch genügen zur Animpfung eines solchen Substrats bereits ein paar Myzelfragmente aus einem Flüssigmyzel, Stücke aus einer Petrischale oder ein paar wenige Roggenkörner. Dann wird nur die Einwachszeit länger dauern, die Endergebnisse werden aber ähnlich ausfallen wie bei einem mit reichhaltig Körnerbrut beimpften Minimalsubstrat ohne viele Zuschlagstoffe. 

Bei einer Verwendung von 3% oder mehr Brut erreicht man eine explosive Besiedelung, wie man sie mit anderen Verfahren nicht realisieren kann. Erst Recht, wenn man beimpfte Beutel versiegelt und gut durchmischt. Für Pilze, die höhere Anforderungen ans Substrat stellen, wie Speiseporlinge oder andere Edelpilze, ist dieses Verfahren die beste Methode. Für den Ertragsbauern, der einen hohen Erstertrag möchte, sowieso. Soweit also die thermisch behandelten Substrate. 

Nicht-thermische Verfahren sind Kaltfermentierungen durch z.B. Milchsäurebakterien oder die chemische Entseuchung, beispielsweise mittels Branntkalk. Solche Verfahren sind nicht 100%ig sicher, fermentierte Substrate riechen oft sehr stark und Branntkalk ist ein Gefahrstoff. In der dritten Welt verwendet man auch einfachstes Geschirrspülmittel oder sogar Aldehyde für solche Verfahren. Die Verwendung von tierischen Exkrementen ist bei diesen Verfahren strikt untersagt, das Risiko einer Zoonose sollte Ihnen bewußt sein.

Das klassische Champignonsubstrat ist eine Kombination aus thermischer und nicht-thermischer Entkeimung. Heiße Rotte und Fermentation machen Stroh und Geflügelmist zu einem erstaunlich keimarmen Substrat. 

Eimer-Verfahren

Bei dieser Methode können wiederverwendbare Plastikeimer aus PP benutzt werden. Diese werden entweder mit dem feuchten Strohsubstrat befüllt und dann im Ganzen pasteurisiert oder tyndalisiert. Nach Entfernung des vorher eingesetzten Impfstopfens aus Stahlrohr o.ä. wird die Kultur mit Körnerbrut beimpft. Oder Sie beimpfen ein unsteriles, also nur einfach gedämpftes oder überbrühtes Stroh(pellet)substrat in einer Wanne, durchmischen es gut und füllen es dann in die einwandfrei sauberen Eimer. Es gibt zahlreiche Abwandlungen und Verfeinerungen dieser Technik. Der entscheidende Vorteil liegt in der Stapelbarkeit der Eimer und dem leichten Handling.
Eimerkulturen fruchtet man nur seitlich, durch vorher angebrachte Löcher von 8mm. Größere Löcher sind unpraktisch und lassen die Kultur schneller kontaminieren. Machen Sie nicht mehr als 10 Löcher, verkleben sie diese vorher mit Micropore und lassen Sie den Deckel immer auf dem Eimer. 

Kniff: Profis arbeiten mit einem eingelegten PE-Beutel. Der Beutel wird nach der ersten Fruchtung von oben gepresst, herausgenommen und danach im Eimer ein Stück gedreht. Dadurch gelangen komplett saubere Zonen an die zwischenzeitlich desinfizierten Fruchtungslöcher. 
Eine andere Strategie ist, der Kultur für die erste Welle nur einige der Löcher zu lassen, indem die anderen mit Klebeband versiegelt werden. Die zweite Welle erfolgt dann durch die "frischen" Fruchtungsfenster, die älteren hingegen werden mit Klebeband verschlossen.


Fanning

Schnellwachsende Pilze, speziell alle Seitlinge, profitieren von einer gewissen Luftbewegung im Raum. Ohne Ventilation kommt es oft zu Nachverkeimungen der Fruchtkörper durch angeflogenen Schimmel. 
Ein Schwenkventilator ist für das gesamte Raumklima ein echter Segen, auch weil die Luftfeuchte besser verteilt wird. Vermeiden Sie es, die Pilze direkt anzuwehen, austrocknende Hutränder zeigen Ihnen, wo der Wind zu stark ist.

Flowhood, (Laminar Flow hood, LFH, Reinbank)

Bis vor ca. 15 Jahren waren HEPA-Filter zu teuer, um in der Nutzung bei Hobbyzüchtern eine Rolle zu spielen. Das hat sich mittlerweile geändert, da diese Spezialfilter auch in anderen Bereichen vermehrt eingesetzt werden. 
Wichtige Arbeitsschritte beim Arbeiten mit sterilisierten Substraten, Petrischalen und Bruten können im sterilen Luftstrom deutlich bequemer und sicherer durchgeführt werden als in einer engen Impfbox. 

Es gibt im Netz zahlreiche Anleitungen zum Selbstbau, wichtig ist die Einhaltung der folgenden Punkte:
Verwenden Sie nur HEPA-Filter der Schutzklasse H14.
Kaufen Sie im Lüftungsfachhandel, vertrauen Sie nicht den Anbietern von Billigwaren. Für einen Filter mit den Maßen 60x60 cm sollten Sie mindestens € 100.- einplanen.
Besorgen Sie sich einen leistungsstarken, hochwertigen Lüfter.

Der Kern jeder selbstgebauten Anlage ist die Druckkammer. Diese hermetisch geschlossene Box aus z.B. Möbelbauplatten hat eine auf der Oberseite mittig platzierte Einströmöffnung, in die der angekoppelte Lüfter die Luft hineinbläst. Die Luft verlässt die Box durch den Hepafilter, den Sie an einer Seite der Box eingebaut haben. Sparen Sie beim Bau der Box nicht mit Schrauben und Silikon, die Dichtigkeit der Box ist die wichtigste Voraussetzung für eine einwandfreie Funktion. 

Bei der Wahl des Lüfters lassen Sie sich am Besten vom Fachhändler beraten. Der angegebene Nennvolumenstrom des Filters muß vom Lüfter idealerweise um 50% überschritten werden. Kaufen Sie lieber einen hochwertigen Radial- oder Axiallüfter, der auch mit einem angebauten Vorfilter noch genug Leistungsreserven hat. 

Mein privater Tipp: Hubraum statt Spoiler!
Verbauen Sie lieber einen laufruhigen Schneckenhaus-Lüfter mit großzügiger Überleistung , den Sie ggfs. mit einem Stufentrafo oder Lüfterdimmer herunterregeln, als einen permanent auf Volllast laufenden jaulenden Kleinlüfter. Schont Nerven und Geldbeutel.

Entscheidend für die Lebensdauer ihres Flowhoods ist die Vorfilterung der in die Druckkammer eingeblasenen Luft. Ohne geeigneten Vorfilter verstopft der Hepafilter deutlich schneller und muss dann ersetzt werden. Damit der Vorfilter wirkungsvoll arbeiten kann, müssen Sie eine Vorfilterfläche von mindestens der Hälfte der Fläche des Hepafilters einplanen. Bei einem Hepa mit den Maßen 60x60 cm  brauchen Sie also eine Vorfilterfläche von ca. 42x42 cm. Bei Radiallüftern verbaut man die Lüftereinheit in eine Box, auf deren Oberseite (oder auch an den Seiten) Vorfiltervlies gespannt wurde. Rohrventilatoren lassen sich bequem an sog. Filterkörbe ankoppeln. Vermeiden Sie unbedingt, einfach die Ansaugöffnung des Lüfters mit Vlies zu umspannen, die Filterwirkung ist unzureichend, da der Luftstrom zu stark ist.

Die zusätzliche Installation einer geschlossenen "Arbeitsgalerie", direkt vor die Druckbox verbaut, erhöht die Sicherheit, da jetzt wirklich keine Keime mehr "einwandern" können. 


Flüssigmyzel, Flüssigbrut, "Flümy"

Flümy besteht aus einer sterilisierten Nährlösung und enthält idealerweise tausende kleiner Myzelfragmente. Es ist idealerweise ein aus einer möglichst jungen Reinkultur mit geringem P-Wert ↓ entnommenes Myzel, welches durch ein spezielles Verfahren mithilfe einer sterilen Nährlösung vervielfältigt wurde. 

Flümy hat aber neben den Vorteilen einer extremen Schlagkräftigkeit, moderat guter Lagerfähigkeit und der Einfachheit der Verarbeitung einen ganz entscheidenden Nachteil. Weil es durch den Herstellungsprozeß schon kräftig degeneriert ist, eignet es sich wirklich nur für den direkten Verbrauch. Es ist prima geeignet, um Brutmaterial zu beimpfen, welches unmittelbar eingesetzt werden soll. Aber nicht, um es als Flüssigmyzel endlos weiter zu strecken, um mehr Impfmaterial zu erhalten. Oder um sich eine Kultur "auf Bank" zu legen, mit der man vielleicht viele Jahre arbeiten möchte. 

Für Anfänger ist Flümy hilfreich, erste Ergebnisse lassen sich schnell und einfach realisieren. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Der Grund, warum Flümy im Idealfall viel schneller in die Körner oder ins Substrat einwächst, ist die extrem stressige Behandlung während der Herstellung. Solches Myzel ist häufig auf Notfruchtung "programmiert", der erste Flush im Endsubstrat wird meist schnell kommen und gut werden, regelmäßig verweigern solche Kulturen aber eine zweite Welle, oder lassen sich überlang Zeit mit der Erholung nach dieser Turbo-Prozedur.

Viele der am Markt erhältlichen Produkte sind lediglich "gestreckte" flüssige Vorkulturen und werden eben leider nicht aus einer frischen Reinkultur erzeugt. Der generative Status (P-Wert) solcher Produkte erreicht oft dreistellige Werte. Ihr Brutmaterial wird dann beimpft mit einem Klon vom Klon vom Klon vom Klon vom Klon etc. 

Ertrag, allgemeine Performance, Farbbildung, Geschwindigkeit und Fruchtungsbereitschaft lassen mit jedem weiteren vegetativem Vermehrungsschritt solch einer bereits degenerierten Vorkultur nach, Krankheiten durch nachlassende Resistenz, Minderertrag und generell unwillige und langsame Kulturen sind die Folge. Besonders deutlich wird das Phänomen bei den hochgezüchteten Industriehybriden, deren Genetik degeneriert erheblich schneller als die von Inzuchtstämmen aus Wildpilzen.

Sich selbst brauchbares Flüssigmyzel herzustellen, erscheint vielen Züchtern irgendwann naheliegend. Beginnen Sie aber nicht zu früh damit. Perfektionieren Sie zuerst ihre sterile Arbeitstechnik und erweitern Sie Ihr Wissen um 
P-Werte und die individuellen Eigenschaften ihrer Myzelien. Ein intensives Studium von Kontaminationen ist genauso wichtig, züchten sie ruhig einmal gezielt Bakterien, (Haut)hefen oder Schimmel. Das Arbeiten mit Reinkulturen, idealerweise auf Petrischalen, sollten Sie so gut beherrschen, daß Sie die aktuelle Wüchsigkeit ihrer Kultur jederzeit richtig einschätzen und Kontaminationen klar erkennen können. 
Sie müssen am Ende der Prozedur ihr hergestelltes Flüssigmyzel auf Reinheit prüfen. Möglichst, ohne dafür wertvolles Getreide zu verschwenden. Deshalb ist das vorherige Erlernen des Abstrichverfahrens auf Petrischalen nicht nur vorteilhaft, sondern eigentlich verpflichtend.

Ahnungslose versuchen, ihr Flümy unsteril herzustellen oder verwenden sogar unsterile Pilzstücke zur Animpfung. Ohne geeignete Vorkultur und das Wissen, wie man diese in seine Nährlösung verimpft, braucht man aber gar nicht erst anfangen. Und selbst, wenn man über entsprechende Möglichkeiten wie eine saubere Reinkultur, Dampfdruckkessel, Impfstation und Magnetrührer verfügt, ist es nicht sooo leicht, wie einige "Pilzzuchtlehrer" es Ihnen gerne weißmachen wollen. Bei der Arbeit mit Flüssigmyzel wird jeder noch so kleine Fehler sofort mit Totalausfall bestraft.

G2G- Verfahren

Mit dieser Methode lässt sich hergestellte Körnerbrut im Maßstab 1:10 vermehren. Dabei nutzt man die "Mutterbrut", um weitere Körner anzuimpfen. Dieser Vermehrungsschritt lässt sich noch mehrfach wiederholen. So können Sie aus einem Liter Mutterbrut in wenigen Wochen 1000 Liter machen. Voraussetzungen: Strikte sterile Verarbeitung und die Verwendung einer jungen Reinkultur als Ausgangsmaterial. 

Impfport

Stopfen aus Butrylgummi oder Silikon.
Mit selbstheilenden Impfports ist das Verimpfen von Flüssigmyzel mit Spritze und Kanüle auch ohne sterile Arbeitsumgebung möglich. Impfports finden sie hier im
Shop...

Kälteschock

Diverse Arten von Winterpilzen schalten nach der Besiedelung schneller auf den Fruchtungs-Modus um, wenn man sie für 24 Stunden im Kühlschrank (bei etwa 3°C - 8°C) kälteschockt. 
Dieser gärtnerische Kunstgriff sagt dem Pilz, daß es Zeit wird, zu fruchten. 
Wilde Winter-Austernseitlinge und Samtfußrüblinge brauchen dieses Verfahren zwingend, auch der Nebrodini kommt nicht ohne den Schock in die Fruchtung. Shii-take und die meisten typischen Herbstpilze profitieren ebenfalls. Den meisten industriell genutzten Kulturlinien der Winterauster und des Samtfußrüblings hat man diese Notwendigkeit aber weggezüchtet. 

Kaffee

Der oft empfohlene Kaffeesatz als Substratzutat birgt neben seinen Vorteilen auch ein ganz gewisses Risiko. Dieser oft auch in größeren Mengen leicht verfügbare Rohstoff muss für eine weitere Verwendung am selben Tag zu Substrat verarbeitet und mit entsprechenden Verfahren entkeimt werden. Sie können Kaffeesatz aber auch sehr gut einfrieren und ihn später unter Beimischung von Holz- oder Strohanteilen zu Endsubstraten verarbeiten. Auch eine Trocknung im Backofen ist möglich. Unsachgemäß weiter verarbeiteter Kaffeesatz schimmelt schnell an und ist dann nicht mehr geeignet. Er enthält generell keine schnell verfügbare Zucker oder nennenswerte Mengen an Stickstoff, dafür aber einige Mineralien. Leider ist er auch nur dann BIO, wenn sie ihn als Rohkaffee in Bioqualität einkaufen. In ausgereifter industrieller Produktion wird Kaffee bisher nicht als Pilzsubstrat verwendet. 

Kontis

Der Überbegriff für alle Arten Kontamination, die Ihre Pilzkultur unbrauchbar werden lassen. In der Regel handelt es sich um Bakterien, Hefen oder Schimmel. Ist Ihre Kultur bereits vor der Öffnung verkeimt, haben Sie diese Konti durch unsachgemäßes Arbeiten, mangelnde Entkeimung des Substrates oder durch die Verwendung von nicht einwandfreiem Brutmaterial ermöglicht.

Kontaminationen, die erst später nach dem "birthing" im Fruchtungsraum auftreten, sind meist über die Luft, Fluginsekten oder durch unsachgemäße Handhabung an die Kulturen gelangt und schwerer zu verhindern. 

Klonen

Pilze lassen sich nicht nur generativ, also über die Sporen vermehren. Man kann genau wie bei Pflanzen "Ableger" nehmen, dabei spricht man von vegetativer Vermehrung. Bei Pilzen verwendet man sauberes Gewebe aus dem Inneren eines Fruchtkörpers, dieses wächst auf einem neuen Nährboden an. 

Zuchtpilze lassen sich leichter klonen als Wildpilze, diese sind oft schwerer verkeimt und brauchen eine u.U. mehrstufige Nachbehandlung, um frei von Kontaminationen zu werden. 

Das erreicht man, indem man saubere frisch gewachsene Myzelfragmente auf einen neuen Nährboden überträgt, bis die Kultur eindeutig rein ist.
Unter Züchtern wird dieses Verfahren "Sauberziehen" genannt.

Monsterbildung

Verbleibt die fruchtende Kultur zu lange im geschlossenen Zuchtbeutel, kommt es zu mitunter grotesken Wuchsformen der Fruchtkörper oder deren Vorstufen. Nur sehr wenige Arten vertragen eine Prozedur in dem meist extrem stickigen Milieu. Geben Sie trotzdem die Kultur nicht auf, wenn Sie zu spät bemerkt haben, daß die Kultur längst fruchten will. Oft hilft nur eine Radikalkur, bei der Sie das gesamte Material bis auf die Substratoberfläche herunterkratzen. Gehen Sie dabei so sauber wie möglich vor und verschließen den Beutel erneut mit einem Balkensiegler oder mit Klebeband.
Wenn ihre Kultur wirklich gesund und kräftig war, werden sich innerhalb weniger Tage erneut Primordien zeigen. 

Morchella-Syndrom

Morcheln sind in rohem Zustand schwer giftig. Sie müssen daher lange genug gekocht werden. Das gilt auch für Trockenpilze, obwohl in denen das bisher unbekannte Gift teilweise abgebaut wird. In der Regel wird der Pilz, wenn ordnungsgemäß zubereitet, von den meisten Menschen gut vertragen. 

Der Verzehr von frischen Morcheln kann aber bei dafür prädestinierten Menschen eine Vergiftung auslösen, selbst wenn die einwandfreien Pilze ordungsgemäß zubereitet wurden. Neurologische Störungen wie Schwindel, Zittern, Sehstörungen, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Blackouts, Muskelschwäche, Verwirrung, Erregung, Krampfanfälle und sogar Depressionen können die Folge sein. 

Das Tückische: In vielen Fällen tritt das Syndrom nicht unbedingt nach dem erstmaligen Verzehr auf, oft berichten Betroffene, sie hätten den Pilz jahrelang gegessen, ohne Probleme zu bekommen. Hat man jedoch einmal die obengenannten Symptome erfahren, führt jede weitere Genußprobe unweigerlich erneut zu den mitunter heftigen Beschwerden, selbst bei nur ganz geringen verzehrten Mengen. 

Diese Art schleichende Anreicherungs-Vergiftung, bei denen oft jahrelang nichts passiert, die sich aber dann plötzlich durch heftige Symptome offenbart, ist auch von anderen Schlauchpilzen bekannt. Lorcheln und Verpeln zählen dazu. Betroffene Menschen müssen daher besser lebenslang auf den Genuß von Morcheln verzichten.

Mycoremediation

Die Fähigkeit bestimmter Arten, sie auf ein komplett synthetisches Substrat "trainieren" zu können, macht man sich bei dieser Form der ökologischen Boden- und Wassersanierung zunutze. Die Methode gilt als schonend, aber effektiv. Es gibt Zuchtlinien von Austernseitlingen oder Sägeblättlingen, die in der Lage sind, Schweröl aufzuschließen oder umweltgefährdende Abwässer aus Industriebetrieben zu entgiften. Natürlich wird man diese Pilze nicht essen.

nematophag

Von einigen wenigen Pilzen ist bekannt, daß sie im Substrat lebende Nematoden fangen und verdauen. Der Austernseitling bildet besondere Schlingenfallen aus, der Schopftintling lähmt die Nematoden sogar mit einem eigens produzierten schwachen Gift.

P-Wert, Generativer Status

Eine unvermeidliche Tatsache, die alles Leben auf diesem Planeten betrifft (auch Menschen und Pilze) ist, dass wir altern. Wenn wir jung sind, ist die Zahl der nachgeschalteten Zellteilungen enorm, nimmt aber mit zunehmendem Alter immer mehr ab. Wir alle wissen: Wenn wir altern, werden wir weniger vital und anfälliger für Krankheiten.
 
Das Gleiche gilt für Pilzstämme. In den 1970er Jahren haben Champignonzüchter ein einfaches System entwickelt, um das Alter von Pilzstämmen anhand ihres sukzessiven Wachstums in einer mit Nährstoffen gefüllten Petrischale zu bestimmen. Wenn ein Stamm zum ersten Mal aus einem Pilz in freier Wildbahn isoliert wird und das Myzel vom Mutterpilz auf einer Petrischale wächst, wird er als P-1 bezeichnet. Auch bei einer isolierten Sporenkultur spricht man von einer P-1. 

Später wird die Kultur auf eine neue Petrischale übertragen, die dann
als P-2 bezeichnet wird, und mit jedem weiteren Transfer erhöht sich der 
P-Wert entsprechend. Dies hat sich als eine wichtige Methode erwiesen, um die Stämme in ihrer maximalen Vitalität zu erhalten. Das P-Wert-System ist der Schlüssel, um Pilzstämme mit der größten Wirksamkeit und genetischen Vitalität zu produzieren.
 
Pilze haben ein Immunsystem, genau wie Menschen. Im Laufe der Jahre habe ich von anderen Pilzliebhabern Pilzkulturen erhalten, ohne Angaben zu ihrem Alter. Oft verlangsamten diese Kulturen plötzlich ihr Wachstum, wurden anfälliger für Krankheiten oder hörten sogar ganz auf zu wachsen. Stämme, die nach und nach mit niedrigen P-Werten gezüchtet wurden, übertrafen die gleichen Stämme mit hohen P-Werten. 
 
In der Pilzzucht führen überalterte Kulturen zu großen Problemen. Viele Züchter wissen oft viel zu wenig über die Bedeutung der Erhaltung junger Kulturen. In der Öffentlichkeit ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass ein kleines Gewebefragment von der Größe eines Fingernagels in kurzer Zeit zu Hunderten oder sogar Tausenden von Kilos Pilzbiomasse heranwächst. Wenn die Stämme nicht über eine ausreichende Vitalität verfügen, gelingt es den Pilzen oft nicht, ein gesundes, kräftiges Myzel zu produzieren, das alle nützlichen Verbindungen enthält, die in identischen, in der Natur wachsenden Stämmen zu finden sind. Das bedeutet in der Konsequenz, dass der Verbraucher oft ein Produkt erhält, das weitaus minderwertiger ist als ein Produkt, das aus jüngeren Pilzstämmen gezogen wurde. 
 
 Frei nach Paul Stamets

Pinset

Die ideale Anordnung und Menge von Primordien (Fruchtkörper-Vorstufen) auf dem Substrat, die dann alle auch später zu großen Pilzen heranwachsen. Ein ideales Pinset führt zu Höchstertrag, weil Sie durch geeignete Maßnahmen verhindert haben, daß sich Fruchtansätze bilden, die später verkümmern. 
Nicht alle Fruchtungsstrategien funktionieren für alle Pilzarten. Ein Austernpilz fruchtet als Schwarmpilz, Kräuterseitlinge in Gruppen, 
Porlinge als Einzelpilze. Champignons und andere Bodenbewohner brauchen Fläche. 

Ein ideales Pinset für z.B. Austern aller Arten haben Sie erreicht, wenn sich durch ihre aktive Mithilfe nur ganz wenige schwarmartige Vorstufen und sonst keine weiteren Ansätze entwickeln. Verzichten Sie lieber auf großflächige Fruchtungen und öffnen Sie dem Pilz nur wenige Löcher. Diese Strategie ist bei vielen Arten anwendbar, sie vermeiden oder verzögern Kontaminationen, die Kultur verliert auch nicht soviel Feuchte.

Primordium, Primordie

Wie der lateinische Name schon ahnen lässt... 
der oder die ersten Versuche Ihrer Kultur, aus dem Stadium des Anfressens und Verdauens in die letzte entscheidende Phase überzugehen: Die Erzeugung von Nachkommenschaft! Fruchtbildung! Pilze! 

Erste Verdickungen des Myzels auf der Oberfläche  entwickeln sich rasch zu regelrechten Knoten und werden nur wenige Stunden später zu den ersten Vorboten Ihres Erfolgs, den ersten kleinen Mini-Pilzen!

Die Primordienphase ist von allen Phasen der Zucht die heikelste. Fehler bei der Luftfeuchte oder beim Luftaustausch während dieser Phase rächen sich sofort. Robuste Arten werden trotzdem einen Weg finden, neue Ansätze zu bilden, falls die ersten Ansätze wegtrocknen oder verkümmern. Bei empfindlichen Arten ist es aber manchmal schwerer, die Kultur auf die Schnelle ein weiteres mal zur Fruchtung anzuregen.

Halten Sie also unbedingt höchste Feuchtewerte und gleichzeitig einen ausreichenden Luftaustausch ein und inspizieren Sie Ihre Kulturen täglich!

Scratching

Der in Asien als "Kinkaki" bezeichnete gärtnerische Kunstgriff wird benutzt, um die gesamte Oberfläche (oder einzelne Stellen) von besiedelten, fruchtungsreifen Beutel- oder Flaschenkulturen gezielt zu stören oder zu verletzen, um eine Primordienbildung auszulösen. Gängige Methode für z.B. Buchenraslinge bei Flaschenkulturen in der asiatischen Industrie ist die "Rasur" der Oberfläche mit rotierenden (permanent feuersterilisierten) Messern. Hobbyisten kratzen einfach mit einer sauberen Gabel auf der Oberfläche herum, bei Kräuterseitlingen reicht oft eine Störung der Oberfläche durch eine kleine "Massage", die auch durch den geschlossenen Beutel erfolgen kann. 

Nicht für alle Pilzarten notwendig oder angeraten! Schüpplinge, Raslinge und alle bodenlebenden Streuzersetzer profitieren aber deutlich oder brauchen es zwingend.

Sklerotium

Einige Pilzarten bilden in der Natur keimfähige Überlagerungsformen.
In diese "Trüffel" zieht sich der Pilz zurück, wenn es in der Natur zulange
zu trocken ist und sich keine Möglichkeit zur Bildung von echten Fruchtkörpern bietet.
Beispiele für sklerotienbildende Arten sind Morcheln,  Kremplinge, Kokospilze, Sklerotien-Stielporlinge und bestimmte Arten von Träuschlingsverwandten. Auch die Knollen vom
Chaga werden zu den Sklerotien gezählt. Vom Königsknollenpilz ist bekannt, dass seine Sklerotien bereits im alten Rom auf Märkten verkauft wurden. Im feuchten Keller zur Fruchtbildung angeregt, bildeten sich in den pilzarmen Wintermonaten dann leckerste Speisepilze. Funktioniert noch heute! Wenn Sie während der Kultivierung des Pilzes die Knollen entnehmen und verpflanzen, treiben bald neue Fruchtkörper heraus.

Strain

Strain bedeutet " genetischer Stamm, genetische Linie". In der Regel kennt der Züchter die genauen Wuchseigenschaften seines Strains und hat möglicherweise bestimmte gewünschte Eigenschaften durch die Wahl der Elternsporen sozusagen vorprogrammiert. Aber auch ein Wildfund aus dem Wald ist ein Strain.

"Die meisten Pilze produzieren Sporen. Wenn eine Pilzspore keimt, hat das Myzel, das aus der Spore hervorgeht, in der Regel einen Kern pro Zelle, und wir bezeichnen dies als Hyphen oder monkaryotisches Myzel. Wenn sich die Hyphen, die aus zwei einzelnen Sporen der gleichen Spezies entstanden sind, kreuzen, verbinden sie sich, wenn sie kompatibel sind, und tauschen ihre DNA aus. Das resultierende Myzel hat im Allgemeinen zwei oder mehr Kerne pro Zelle und wird als dikaryotisches Myzel bezeichnet. Dieses Myzel, das aus zwei separaten Hyphen gebildet wird, ist die eigentliche Definition eines Strains."  (Zitat:Roger Rabbit)

"Strohwurst"-Verfahren

Bei diesem unsteril durchgeführten Verfahren stopfen Sie das beimpfte Strohsubstrat in spezielle LDPE-Endlosbeutel, wie im Shop erhältlich.
Die Beutel können an den Enden verknotet oder verschweißt und später ganz bequem im Zuchtraum aufgehängt werden. Achten Sie darauf, das Substrat möglichst fest in die Beutel einzustopfen und vermeiden Sie ein Substrat aus reinem groben Hächselstroh. Eine Mischung aus groben Hächseln, Kälberstroh (feines Hächselstroh) und Strohpellets funktioniert sehr gut.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Anbringung von Atemlöchern. Desinfizieren Sie Ihr Arbeitswerkzeug wiederholt und sorgfältig, damit möglichst keine Fremdkeime ans Substrat gelangen.
Nadelwalzen aus dem Heimwerkerbedarf sind gut geeignet, eine Sicherheitsnadel tut es aber auch.

Substrat

Als Substrat bezeichnet man generell die Unterlage, auf denen der Pilz wächst. In der Natur sind das häufig tote Stämme oder auch einfach der Boden, aus dem sich durch die allmähliche Zersetzung der Laub-oder Nadelstreu ein nahrhafter Nährboden entwickelt hat.

In der Zucht verwendet man meist synthetische Substrate, die an die Erfordernisse des Pilzes angepasst wurden. Synthetisch bedeutet aber nicht künstlich im eigentlichen Sinne, die Substratanteile sind immer völlig natürlich. (Holz, Stroh, Getreide, etc.)

Die meisten Arten sind anfangs mit einem Nährboden auf Basis von Malz-oder Traubenzucker zufrieden. Für die nächste Stufe, das Brutmaterial für das Endsubstrat, verwenden Züchter meist Getreide. Im Endsubstrat landen dann meist Sägemehl, Stroh, Hanf, Flachs und dergleichen.

Weitere Einzelheiten und Anleitungen zur Substratherstellung finden Sie
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Taping, Side-fruiting

Verkleben erweist sich bei vielen Zuchtpilzen, die während der Brutphase in geschlossenen Beuteln heranwachsen, und die man später nicht auf der Oberfläche, sondern an den (aufgeschnittenen) Seiten des Beutel fruchten will, als Maßnahme der Wahl, um eine unkontrollierbare Fruchtbildung auf der Oberfläche zu unterbinden. 
Drücken Sie nach erfolgreich abgeschlossener Kolonisation des Substrats zuerst alle Luft durch den Filter aus dem Beutel. Klappen Sie dann den Beutelüberstand einfach über die Kultur und verkleben ihn. Mit etwas Geschick läßt sich der Beutelüberstand von oben nach unten einrollen, fixieren Sie diese Rolle direkt auf der Oberfläche und überkleben Sie es mit Tape. Jede verbleibende Lufthöhle bietet dem Pilz die Chance, hineinzuwachsen, das wollen Sie lieber verhindern. Öffnen Sie dann die Kultur entweder mit vorsichtigen Schnitten (Hakenskalpell) oder kleinen Fenstern, je nach Art und Fruchtungsstrategie.
Neben der effektiven Verhinderung von Kontaminationen auf der Oberfläche ist auch der geringere Feuchteverlust ein Argument für die Side-fruiting-Technik.

TCM

Abkürzung für Traditionell Chinesische Medizin.
In Fernost weiß man schon sehr lange von den  gesundheitsfördernden Eigenschaften verschiedener Pilze. 

Top-Fruiting

Fruchtungsstrategien unterscheiden sich nach der natürlichen Erscheinungsform der Pilze. Bodenlebende Pilze müssen tatsächlich an der Oberseite der Beutel-, Glas- oder Wannenkultur zur Fruchtung kommen, wie in der Natur auch. 
Viele holzzersetzende Arten fruchten besser an den geöffneten Seiten der Kultur, ohne die Oberfläche freizulegen.

Zuchtkabine

Das Innere der Kabine muß idealerweise wasserdicht und beständig gegen Reinigungsmittel sein.
Plastik, Glas, Stahl und Keramik sind erlaubt, rohes Holz nicht. Verputzte Flächen können mit einem Kalkanstrich behandelt werden. 
Die Konstruktion sollte hermetisch geschlossen sein, damit keine Insekten eindringen können. Zelte aus dem Growbedarf für Hanffreunde eignen sich besser als billige Tomatenzelte, weil Ein- und Auslässe für Lüfterschläuche sowie Kabeldurchführungen meist integriert sind. Ein Abfluss im Raum erleichtert die regelmäßig nötige Reinigung. Ein kleineres Zelt stellt man in eine Wanne. 

Eine Lüftungsanlage sollte idealerweise permanent laufen, um die verbrauchte (und leider auch oft erwärmte und extra befeuchtete) Luft tatsächlich nach draußen zu "entsorgen" und dadurch halbwegs konstante CO²-Werte zu halten. Ein CO²-Messgerät ist sinnvoll, um die Werte zu kontrollieren und ggfs. die Leistung des Lüfters zu erhöhen. 

Es braucht außérdem einen Luftbefeuchter, der über einen Hygrostaten oder eine Zeitschaltuhr geschaltet wird. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, daß das Gerät anläuft, sobald es Strom bekommt. Manche Kleinbefeuchter müssen noch extra angeschaltet werden, diese kommen nicht in Frage. Gut geeignet sind Teichnebler, bei denen kann man die Membran austauschen. Luftbefeuchter werden schnell zu echten Keimschleudern, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Die Zuluft sollte durch einen Vorfilter in den Raum gelangen, um nachträglichen Verkeimungen vorzubeugen und eindringende Insekten effektiv fernzuhalten. Die Abluftanlage sollte so konzipiert sein, daß sie genug Reserve hat, eine sommerliche Hitzeperiode  zu bewältigen.

Sie wollen die Luft im Zelt 6-10 mal pro Stunde  austauschen. Ermitteln Sie zuerst Ihr Raumvolumen und multiplizieren es mit dem Faktor 10. Daran passen Sie den Lüfter an, dessen Nennleistung meist in m³/Std. angegeben ist. Denken Sie bitte daran, daß schwachbrüstige Badlüfter mit jedem Schlauchmeter erheblich an Leistung einbüßen. Planen Sie Ihre Abluft so, daß Sie möglichst wenig Luftschlauch verbauen oder verwenden Sie leistungsstarke Rohrlüfter.

Ich habe für ein 6 m²-Außenzelt einen regelbaren 250m³-Rohrlüfter im Einsatz, der die meiste Zeit auf 50%  läuft. Für eine Indooranlage der gleichen Größe genügt ein kleinerer Lüfter, bei Dauerbetrieb reichen bereits 100m³/h als Leistung aus. Natürlich können sie die Belüftung auch mittels einer Zeitschaltuhr oder am elegantesten mit einem CO²-Sensor steuern.

Ein Umluftventilator für Boxen über 1/2 m² ist ebenfalls anzuraten, die meisten Arten profitieren eindeutig davon, alle Arten von Seitlingen brauchen das zwingend. Idealerweise per Zeitschaltuhr gesteuert,
15 Minuten an, 30 Minuten aus, 24 Stunden am Tag.
 

Eine per Zeitschaltuhr (12 Stunden an, 12 Stunden aus) gesteuerte Beleuchtungsanlage ist nötig, falls man indoors arbeiten will. Rechnen Sie pro m² Anbaufläche mit 10 bis 25 Watt Lichtleistung durch Neonröhren oder LED's, abhängig von der Pilzart. Die Lichtfarbe ist relativ egal, ich persönlich habe mich für kaltweiß (6000 Kelvin) entschieden.
 

Achten Sie darauf, daß alle im Zuchtraum dauerhaft verbleibenden elektrischen Verbraucher auch dafür geeignet sein sollten, im Dauernebel zu arbeiten. Viele Hobbyzüchter arbeiten vorsichtshalber nur mit einem 
12 Volt-System und lassen normale 230 Volt-Stromkabel komplett draußen. Lassen Sie eventuelle Elektroinstallationen unbedingt von einer Fachkraft durchführen oder prüfen.